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30.06.2005 08:30 Uhr

Hansa träumt vom Meistertitel

Wenn Tobias Werk am Sonntag kurz vor 11 Uhr mit der B-Juniorenmannschaft des FC Hansa zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ins Ostseestadion einläuft, wird er kurz zum Himmel schauen. Seit dem Tod des Vaters im Sommer vergangenen Jahres macht er das vor jedem Spiel. „Papa hilft mir“, ist sich der 17-Jährige sicher. Erst recht in der bisher wichtigsten Partie seiner noch jungen Fußballerkarriere. Ungeachtet dessen, wie das Finale gegen Hertha BSC Berlin ausgeht, können die B-Junioren des FC Hansa auf eine sensationelle Saison zurückblicken. In der Regionalliga, der höchsten deutschen Fußball-Spielklasse in diesem Altersbereich, erkämpften die Rostocker Jungen den zweiten Platz in der Staffel Nordost. Damit verbunden war die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft, wo man jeweils in Hin- und Rückspielen zwei ganz dicke Brocken aus dem Weg geräumt hat – im Viertelfinale den VfL Wolfsburg (1:0 zu Hause, 1:2 auswärts, 4:2 im Elfmeterschießen), im Halbfinale Titelverteidiger VfB Stuttgart (2:1 auswärts, 1:1 zu Hause). Gegen beide Mannschaften galt Rostock als krasser Außenseiter. Entscheidenden Anteil am Höhenflug der Hansa-Talente hat Torhüter Tobias Werk. In Wolfsburg avancierte der Keeper zum gefeierten Helden des Spiels, als er im Elfmeterschießen zwei Bälle des Gegners parierte und damit seinem Team den Weg in Halbfinale ebnete. „Dabei hätte ich schon in der Anfangsphase vom Platz fliegen können“, weiß Tobias, wie schmal der Grat zwischen Buhmann und Held sein kann. „Zwei Elfmeter habe ich in den ersten 20 Minuten des Spiels verschuldet, beide führten zu Gegentoren. Nach dem ersten Foul gab's die Gelbe Karte, nach dem zweiten habe ich mich schon in der Kabine gesehen. Doch der Schiedsrichter ließ die Rote Karte stecken. Als wir dann das Elfmeterschießen erzwungen hatten, habe ich mir gesagt, jetzt kann ich alles wieder gutmachen. Zum Glück hat es geklappt.“ Aufgewachsen in der 800-Seelen-Gemeinde Grabowhöfe bei Waren / Müritz, begann Tobias Werk als Sechsjähriger im Sportverein seines Heimatortes mit dem Fußballspielen. „Zuerst irgendwo im Feld, ich glaube Stürmer. Ein Jahr später war ich aber schon Torwart“, erzählt Tobias. Der Wechsel zum FC Hansa Rostock ist der Eigeninitiative seiner Eltern zuzuschreiben. „Eigentlich sollte ich vor vier Jahren zu Tollense Neubrandenburg wechseln. Also habe ich da ein Probetraining gemacht. Doch die wollten mich nicht“, erinnert er sich. Kurzerhand rief Dagmar Werk (39), Tobias Mutter, beim FC Hansa an und fragte, ob man sich ihren Sohn mal bei einem Probetraining anschauen wolle. Man wollte – und Tobias Werk spielte fortan in Rostock. Fast ein Jahr lang chauffierten die Eltern ihren Sohn dreimal pro Woche zum Training in die Hansestadt. „Das war ganz schön anstrengend“, sagt Tobias Werk. „Meine Trainingssachen habe ich immer gleich mit zur Schule genommen. Von da ging's dann direkt zum Training nach Rostock.“ Seit 2002 wohnt Tobias im Hansa-Internat, wo er sich derzeit ein Zimmer mit A-Juniorenspieler Sebastian Albert teilt. „Im nächsten Jahr will ich meinen Realschulabschluss schaffen und dann auf jeden Fall eine Ausbildung machen. Physiotherapeut möchte ich werden“, blickt der Zehntklässler voraus. „Natürlich würde ich es auch gern bis zum Fußballprofi schaffen, doch ob das auch tatsächlich klappt . . .“, bleibt er realistisch. Sportlich möchte er sich zunächst in der nächsten Saison einen Stammplatz in der A-Juniorenmannschaft des FC Hansa sichern und sich dann mit guten Leistungen für das Amateurteam des Vereins empfehlen. Die Nachricht vom Tod seines Vaters Wolfgang Werk, der am 30. Juli 2004 im Alter von 38 Jahren freiwillig aus dem Leben schied, traf ihn wie ein Keulenschlag. „Papa hatte Nierenkrebs, hat eine Therapie gemacht und galt danach als geheilt“, kann Tobias Werk das Geschehene noch heute kaum begreifen. „Wie sich mein Trainer und meine Mitspieler danach um mich gekümmert haben, war Wahnsinn“, ist er dankbar für die Unterstützung in den schweren Wochen und Monaten nach dem Schicksalsschlag. Thomas Finck (35), Hansas B-Junioren-Trainer, fuhr sogar nach Grabowhöfe, wo er das Gespräch mit Dagmar Werk suchte. Dass Tobias' Mutti am Sonntag auf der Tribüne des Ostseestadions mitfiebern wird, ist für sie selbstverständlich: „Ich komme zu fast jedem Heimspiel nach Rostock. Ich wünsche den Jungs so sehr, dass sie es schaffen“, drückt sie schon jetzt fest die Daumen, dass es mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft klappt. Was Tobias Werk betrifft, so will er natürlich seinen Beitrag dazu leisten. „Wenn wir so spielen und kämpfen wie zuletzt gegen den VfB Stuttgart, haben wir eine Chance. Ich selbst bin mir sogar fast hundertprozentig sicher, dass wir es schaffen.“ Was ihn so siegessicher macht? „Zweimal haben wir gegen Hertha in dieser Saison verloren. Ein drittes Mal wird das nicht passieren“, meint der Torwart selbstbewusst.

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