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17.03.2006 16:06 Uhr

Abschied der Schweden vom FC Hansa Rostock

Es war am 18. Januar 2006. Im Ostseestadion fand das Jubiläumsspiel des F.C. Rostock gegen den FC Bayern München zum 40. Geburtstag des Vereins statt. Unter den 1000 Gästen wurde ein Spieler von den Zuschauern ganz besonders herzlich begrüßt: Peter Wibran. Der Schwede hatte das Trainingslager seines Vereins Östers Vaxjö für diese Veranstaltung extra einen Tag vorzeitig beendet, um teilnehmen zu können. Der Publikums-Liebling aus den besten Bundesliga-Tagen der Hanseaten hatte einfach „Sehnsucht nach der alten Liebe…“
Am Abend nach dem Spiel sah man Peter dann mit den Rostocker Funktionären, ehemaligen Trainern und Spielern. Wibran, verheiratet und Vater von Zwillingen, fachsimpelte bis in den Morgen mit Renè Rydlewicz, Ronny Maul sowie seinen Landsleuten Magnus Arvidsson und Rade Prica…
Dieser Peter Wibran war der erste Skandinavier des F.C. Hansa! Und nachdem er damals ging, hat er in regelmäßigen Abständen seinem alten Verein und seinem besten Kumpel Magnus Arvidsson samt Familie gerne auch einen Besuch abgestattet.
Wibran wird sicher wiederkommen, aber das Ende der Schweden an der Ostsee ist absehbar.
Leser von Hansa-Online wussten es als erste, am Saisonende gehen nun auch Publikums-Liebling Magnus Arvidsson und Torjäger Rade Prica wieder zurück nach Skandinavien.
Mitte Februar 2006 stand es auf der Internetseite exklusiv: „Magnus Arvidsson wird in der kommenden Saison nicht mehr für den F.C. Hansa Rostock spielen. Der 33-jährige Angreifer hat den Club heute informiert, dass er im Sommer in seine schwedische Heimat zurückkehrt. „Wir hätten es gerne gesehen, wenn Magnus über das Saisonende hinaus bei uns geblieben wäre, akzeptieren aber seine Entscheidung“, sagte Hansa-Manager Herbert Maronn. Magnus Arvidsson ist im aktuellen Kader des Rostocker Zweitligisten der dienstälteste Spieler. Im Sommer 1999 wechselte der Schwede von Trelleborg FF zum F.C. Hansa, bestritt 154 Erstligaspiele und ist mit 27 Treffern Hansas Rekordtorschütze in der Bundesliga.“
Die Fans wählten diesen Magnus Arvidsson sogar in die Jubiläumself von 40 Jahren Hansa.
Kein Name ist im Rostocker Ostseestadion in den letzten Jahren wohl von den Fans im Chor auch häufiger gerufen worden: Arvidsson, Arvidsson, Arvidsson…
Wann auch immer dieser zweifache schwedische Nationalspieler Lars Magnus Arvidsson (33) heute mit seiner Lebensgefährtin Annika und Töchterchen Olivia (4) sowie Golden Retriever Lukas zwischen Warnemünde und Rostock angesprochen wird, die Leute klopfen ihm stets freundlich auf die Schulter und wünschen dem Fußballprofi des F.C. Hansa Rostock für die Zukunft bei seinem neuen schwedischen Klub Halmstad BK schon einmal alles Gute. Dort hat er einen Vertrag über zweieinhalb Jahre abgeschlossen…
Heute sagt Magnus: „Ich habe meinen Weg nach Rostock und zu Hansa nie bereut. Es war eine sehr gute Entscheidung. Es hat immer alles gepasst, sportlich, gesundheitlich und privat. Ich habe mich jede Minute meines Lebens mit meiner Familie hier sehr wohl gefühlt.“
Als der F.C. Hansa im Sommer 1999 einen Nachfolger für den damaligen Publikums-Liebling Oliver Neuville suchte, entdeckten die Rostocker Scouts Magnus in Trelleborg. Dreimal beobachten verschiedene Trainer ihn in Schweden. Mal sahen sie ihn als Stürmer-
Solist, mal als Doppel-Spitze. Aber immer war er brandgefährlich. Schnell nahm man den Stürmer unter Vertrag.
Magnus heute: „Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich hier sieben Jahre bleibe…“
Der 25-jährige Schwede Rade Prica, der 2002 von Helsingborgs IF zum F.C. Hansa wechselte, hat den Rostocker Zweitligisten im März ebenso aufrichtig und ehrlich darüber informiert, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Der 25-jährige Stürmer unterschrieb danach einen Dreijahresvertrag beim dänischen Erstligisten Aalborg BK.
Der sechsfache schwedische Nationalspieler sagte dann nach fast vier Jahren Hansa zu den Journalisten von der Küste: „Ich habe lange darüber nachgedacht und die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Aber ich brauche einen Neuanfang.“
Später stand in der „Ostsee-Zeitung“: „Ich habe eine schwere Zeit in Rostock gehabt“, sagt Prica und zieht eine sehr selbstkritische Bilanz seiner vier Jahre beim F.C. Hansa. „Ich bin nicht zufrieden mit den Leistungen, die ich hier gezeigt habe. Ich weiß, dass ich viel mehr kann“, erklärt der zweifache Familienvater. „Ich weiß nicht, woran es liegt, dass es bei Hansa nicht so geklappt hat.“
Cheftrainer Frank Pagelsdorf bedauerte Pricas Entscheidung. „Er wollte unbedingt nach Skandinavien zurück. Diese Entscheidung akzeptieren wir.“
Auch Lizenzchef Herbert Maronn war traurig: „Wir hätten Rade Prica gern über den 30. Juni 2006 hinaus gehalten. Dass er sich gegen unser Vertragsangebot entschieden hat, müssen wir akzeptieren. Jetzt haben wir Klarheit und werden uns neu orientieren."
So verliert Hansa also auch den letzten von insgesamt sieben Schweden.
Seit der blonde Schwede Peter Wibran Ende 1998 unter den Fittichen vom damaligen Trainer Ewald Lienen als erster Skandinavier bei den Hanseaten anheuerte, nahm die Zahl der Nordeuropäer stetig zu.
Insgesamt verpflichtete Lizenzchef Herbert Maronn in Bundesligazeiten sieben Schweden, drei Dänen und einen Finnen.
Zu Spitzenzeiten beschäftigte der Klub 2002/03 sechs Schweden. Mehrfach waren diese sogar in einem Spiel eingesetzt.
Am 1. Februar 2003, beim 1:0-Sieg des F.C. Hansa in Nürnberg, standen sogar sechs Schweden in der Anfangsformation!
2003 gingen mit Wibran und Jakobsson die ersten beiden Schweden von Hansa weg, Wibran in die Heimat, Jakobsson nach England.
In der Abstiegs-Saison 2004/2005 waren es immerhin noch fünf Schweden, dazu die drei Dänen Thomas und David Rasmussen und Kim Madsen sowie der finnische Weltstar Jari Litmanen.
Für Hansa hatte sich der Deal mit den Nordlichtern stets gelohnt: Die Schweden erwiesen sich als Spieler mit einem großen Kämpferherzen. Ihre ehrliche gerade Art, ihre robuste Spielweise und taktische Disziplin sowie ihre solide Technik überzeugten alle Trainer in Rostock.
Die Bundesliga-Spiele und die Nordeuropäer sorgten sogar für einen prächtigen Fußball-Tourismus über die Ostsee.
Für die Skandinavier selbst war Rostock stets interessant. Magnus Arvidsson formulierte es einmal so: „Die Heimat ist eben nah. Mit der Fähre sind es nur zwei Stunden nach Dänemark und noch zwei mit dem Auto bis Schweden.“
Der Abstieg aus der Bundesliga dünnte das skandinavische Team etwas aus.
Lantz, der einst aus Turin nach Rostock kam, wechselte mit dem Dänen Thomas Rasmussen zum dänischen Spitzenklub Bröndby Kopenhagen. Marcus Allbäck, von Aston Villa geholt, heuerte unterdessen beim Lokalrivalen, dem FC Kopenhagen an. Joakim Person, über Dänemark nach Deutschland gekommen, ist heute bei dem norwegischen Erstliga-Aufsteiger Stabaek IF. Der Däne David Rasmussen verließ den Verein während der laufenden Saison und wechselte zu Viborg FF.  Den Finnen Jari Litmanen zog es nach Schweden zu Malmö FF.
Seit Sommer 2005 sind also nur noch drei Spieler aus Skandinavien bei den Rostockern unter Vertrag.
„Das ist keine Methode, eher Zufall“, sagt Trainer Pagelsdorf dazu. „Pagel“ schätzt nämlich die Nordeuropäer, weil sie „sehr systemtreu spielen“.
Auch Hansa Aufsichtsrats-Vize Wolfgang Holz betonte gegenüber der einheimischen Presse immer wieder, dass die Skandinavier charakterlich „einzigartig“ seien. Ehrliche Arbeiter, die offen ihre Meinung äußern. Deshalb wird der F.C. Hansa Rostock weiter Ausschau halten in Dänemark, Schweden oder Finnland.
Und der Däne Kim Madsen muss in der Saison 2006/2007 nicht unbedingt das einzige Nordlicht im Team des F.C. Hansa Rostock bleiben.

Alle Schweden im Hansa-Trikot
 
• Peter Wibran (1998- 2003); heute Östers Växjö
• Magnus Arvidsson (1999-2006); wechselt im Sommer zu Halmstad BK
• Marcus Lantz (1999- 2005); heute Bröndby Kopenhagen
• Andreas Jakobsson (2000 -2003); heute Helsingborgs IF.
• Rade Prica (2002-2006); wechselt im Sommer zu Aalborg BK
• Joakim Persson (2002- 05); heute Stabaek IF/Norwegen
• Marcus Allbäck (2004/2005); heute FC Kopenhagen


 

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