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10.01.2008 13:20 Uhr

Amir Shapourzadeh: Als Mannschaft noch enger zusammengeschweißt

Auf das Testspiel des F.C. Hansa in Teheran hatte sich ein Spieler des F.C. Hansa im Vorfeld ganz besonders gefreut: Amir Shapourzadeh, der im vergangenen Sommer selbst schon das iranische Nationaltrikot getragen hatte. Doch auch der 25jährige Hansa-Profi hatte sich die Rückkehr in seine Geburtsstadt natürlich etwas anders vorgestellt. Obwohl in seinem Gedächtnis aber nicht nur negative Erinnerungen bleiben werden.


Besonders stolz war er zum Beispiel darauf, dass er die Hanseaten als Kapitän auf den Rasen des Teheraner Nationalstadions führen durfte. „Zuerst dachte ich an einen Scherz, als unser Zeugwart in der Kabine mit der Binde und dem Hansa-Wimpel auf mich zukam. Doch ich habe mich natürlich auch riesig über diese Ehre gefreut“, verdeutlicht Amir Shapourzadeh, der den Wimpeltausch immerhin mit dem Kapitän einer Mannschaft vornahm, in der er selbst schon gespielt hatte: „Allerdings noch nicht in diesem großen Stadion. Wir haben zwar damals zwei Wochen lang auch im Azadi-Sportkomplex trainiert und im gleichen Hotel gewohnt wie jetzt mit dem F.C. Hansa, doch meine Länderspiele habe ich bei einem Turnier in Jordanien gemacht.“


Den 2:0 Sieg des F.C. Hansa über die iranische Auswahl bezeichnete Shapourzadeh als verdient: „In den ersten Minuten fehlte uns durch den Reisestress zwar noch etwas die Frische, doch später haben wir gut ins Spiel gefunden und waren die bessere Mannschaft.“ Nach dem Schlusspfiff gab es für den Iraner in Rostocker Diensten natürlich auch noch die Gelegenheit zum Fachsimpeln mit den Spielern der gastgebenden Elf. „Das war ganz praktisch, denn die wohnten ja im gleichen Hotel wie wir. Zur kulturellen Abendveranstaltung mit einheimischer Musik und einem Geräusche-Imitator hatte der Fußball-Verband allerdings nur den F.C. Hansa eingeladen.“


Am nächsten Morgen traute dann auch Amir Shapourzadeh seinen Augen nicht. „Am Tag zuvor hatte es nur etwas geregnet. Doch nun lagen plötzlich 20 bis 30 Zentimeter Schnee! Das hatte es im Iran schon seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gegeben“, erfuhr Amir aus den Nachrichten des iranischen Fernsehens. Und am Khomeini-Airport waren seine persischen Sprachkenntnisse ebenso gefragt, um organisatorische Barrieren zu überwinden. Doch das dortige Chaos konnte auch er natürlich nicht verhindern. „Der Flughafen war total überfüllt. Und mit zunehmender Wartezeit wurden auch die Lebensmittel knapp, denn der Flughafen liegt eine Stunde außerhalb der Stadt und die Zufahrtswege für die Versorgungsfahrzeuge waren ja ebenfalls gesperrt.“


Die unpassierbaren Straßen waren auch der Hauptgrund dafür, dass Amir Shapourzadeh den um fast drei Tage verlängerten Aufenthalt in Teheran nicht zu Treffen mit seiner Verwandtschaft nutzen konnte. „Hinzu kam, dass wir ja ständig in Bereitschaft sein mussten, falls es doch plötzlich irgendwie losgehen sollte.“ Besonders prekär war auch für ihn die Situation im Flugzeug in der Nacht von Montag zu Dienstag. „Da steigst Du am Abend um halb 8 in den Flieger und denkst, es geht gleich los. Dann wartet man mehr als neun Stunden und es geht doch nicht los! Dass man es dann irgendwann nicht mehr aushält, ist ja wohl normal.“


Auf Grund dieser Erfahrungen wurde es einigen Hanseaten auch am Dienstag Abend natürlich schon wieder etwas mulmig, als die Maschine um 20 Uhr starten sollte, zwei Stunden später aber immer noch auf dem Rollfeld stand: „Da kam schnell Unruhe auf. Doch ein gutes Zeichen war, dass während der Wartezeit diesmal die Scheiben eisfrei gekratzt wurden. Und dann ging es ja endlich auch los.“


Als die Mannschaft nach Mitternacht in Dubai gelandet war, fiel der 24köpfigen Reisegesellschaft natürlich erst einmal ein riesiger Stein vom Herzen. Auch wenn das Programm im Trainingslager nun umgestellt und die geplante Freizeit reduziert werden muss, um den Trainingsrückstand wenigstens etwas aufholen zu können. „Wir haben natürlich sehr viel Pech gehabt“, weiß Amir Shapourzadeh, doch er hofft: „Vielleicht hat die ganze Sache auch etwas Gutes. Denn sie hat uns als Mannschaft noch enger zusammengeschweißt!“

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