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10.04.2007 16:02 Uhr

Amir und Zafer: Zwei Straßenfußballer bei Hansa

Amir Shapourzadeh und Zafer Yelen - zwei Jungprofis des F.C. Hansa. Beide sind große Talente. Zwei Straßenfußballer, wie es sie heutzutage nur noch selten gibt. Es sind zwei junge Kicker mit der Aussicht auf eine große Zukunft. Sie sind zwei Moslems im deutschen Fußball. Sie sind zwei Spaßfußballer. Sie sind zwei Weltbürger.
Amir Shapourzadeh ist in Teheran/Iran geboren und als Kleinkind nach Deutschland gekommen. Zafer Yelen dagegen ist in Berlin geboren und hat die türkische Staatsbürgerschaft. Beide Spieler sind ein Stück Zukunft der Hanseaten, beide haben Verträge bis 2008 bzw. 2009 und nur ein Ziel: die Bundesliga! Wir haben uns mit den beiden Jungs zum Kreuzverhör im Ostseestadion getroffen.

 

Was bedeutet es für Sie, Moslem zu sein?
Amir Shapourzadeh: Ich bin als Moslem geboren und dieser Religion fühle ich mich und mit meinen Eltern, meiner Familie verpflichtet. Unser Gott und der Koran, die heilige Schrift des Islam, sind meine Wegweiser durchs Leben.
Zafer Yelen: Ich bin stolz, ein Moslem zu sein. Meine Familie, gerade meine Eltern, praktizieren die Religion sehr konservativ. Ich gehe zu Hause in Berlin-Reinickendorf auch oft  in die Moschee zum Beten. Das gibt mir Kraft.

 

Wie wichtig ist der Glaube für den Fußball?
Amir Shapourzadeh: Ich ziehe Kraft aus der Schrift des Islam. In schwierigen Lebenssituationen hilft mir der Glaube, Probleme zu lösen. An etwas zu glauben, ist auch wichtig, um etwas zu erreichen.
Zafer Yelen: Wenn man an etwas glaubt, kann man es leichter verwirklichen. Man hängt sich in die Sache, die man erreichen will, mehr rein.

 

Haben Sie einen Talisman?
Amir Shapourzadeh: Von meiner Großmutter Massoume habe ich vor Jahren eine goldene Kette mit einem Anhänger und eingravierten Schriftzügen aus dem Koran bekommen. Sie hat mir in schweren Situationen schon Hilfe gegeben.
Zafer Yelen: Ich trage am Armband ein Auge, ein Nazar, das mich beschützen und mir Glück bringen soll. Jedes Jahr wechsle ich das, mal bekomme ich es als Geschenk, mal kaufe ich es selber. Türkei-Besucher werden es vielleicht von den Märkten dort kennen.

 

Wie wichtig ist die Familie für Ihren Sport?
Amir Shapourzadeh: Ich komme aus einer Großfamilie, bin ein Familienmensch. Dementsprechend liebe ich meine Familie, achte sie, freue mich auf sie und höre auf sie. Sie ist ein wichtiges Gut in meinem Leben. Besonders wichtig sind mir meine Eltern, meine beiden Schwestern in Hamburg und mein Onkel in Stuttgart und noch einige Verwandte. Im Iran kommen vielleicht noch 40 Leute dazu.
Zafer Yelen: Sie ist das A und O, ich fahre fast jede Woche von Rostock nach Berlin, nach Hause, zu Mutter Birnur, Vater Mehmet-Gürcan, den Brüdern Serhat und Nurcan und meinen vier Schwestern Gülay, Nuray, Tülay und Hülya.

 

Wer ist in der Familie Ihr größter Fan?
Amir Shapourzadeh: Es sind meine beiden älteren Schwestern Mitra und Rositha. Sie verfolgen meine Karriere und haben mich auch schon an der Ostsee besucht. Mein Vater Masi war auch schon in Rostock im Stadion, meine Mutter Parvaneh nur in Rostock. Meine Eltern verfolgen den Fußball nur meinetwegen und in der Regel mehr am Fernsehschirm.
Zafer Yelen: Meine Familie gibt mir Kraft fürs Leben und für den Sport. Mein Vater war immer ein treuer Wegbegleiter meiner Karriere. Er hat immer gefordert, auf dem Platz so fleißig zu sein wie in der Schule. Mein großer Bruder war immer ein Vorbild. Wie er wollte ich immer werden.

 

Würden Sie sich tatsächlich auch als Straßenfußballer bezeichnen?
Amir Shapourzadeh: Ja, klar. In Hamburg-Eimsbüttel habe ich in einer Hochhaus-Siedlung mit Patrick Owomoyela und Ivan Klasnic oder anderen Jungs schon frühzeitig auf der Straße gekickt. Nach der Schule waren unsere Schulmappen die Tore und dann ging es mit der Pille los…
Zafer Yelen: Ja, klar. Meine Mutter Birnur wollte nie, dass ich zu Hause einen Fußball hatte. Sie hatte Angst, ich mache damit etwas kaputt. Also bin ich raus. Mit fünf oder so…

 

Wann haben Sie Ihren ersten Fußball bekommen?
Amir Shapourzadeh: Ich bin mit meinem Vater und den Schwestern lange vor unserer Mutter nach Deutschland gekommen. Als meine Mutter Parvaneh dann schließlich aus Teheran nach Hamburg kam, brachte sie mir einen Fußball als Geschenk mit. Da war ich happy.
Zafer Yelen: Bei meinem ersten Fußballverein MSV Normannia haben wir jedes Jahr am Anfang der Saison einen Fußball geliehen bekommen. Am Ende der Saison durften wir diesen dann behalten.

 

Wovon träumen Sie?
Amir Shapourzadeh: Vom Aufstieg des F.C. Hansa in die Bundesliga und Gesundheit für meine Familie und mich. Alles andere ergibt sich. Man wünscht sich als Profi natürlich, dass man lange und erfolgreich spielt.
Zafer Yelen: Ich träume von der Chance, im nächsten Jahr mit Hansa in der  Bundesliga spielen zu können. Dazu wünsche ich mir Gesundheit für meine Familie und mich.

 

Wer ist Ihr Vorbild?
Amir Shapourzadeh: Kevin Hansen. Er ist mein bester Freund in der Mannschaft, er ist immer gut drauf, macht viele Späße. Er ist ein Mensch, der viele Niederschläge im Sport erlitt und immer wieder aufgestanden ist. Dies finde ich bewundernswert.
Zafer Yelen: Die Interpretation des Fußballs von Zinedine Zidane ist für mich unerreicht.

 

Wer ist für Sie der kompletteste Fußballer?
Amir Shapourzadeh: In seinen besten Zeiten war es für mich der Brasilianer Ronaldo. Also so zur WM 2002 in Japan und Südkorea.
Zafer Yelen: Natürlich Zinedine Zidane.

 

Wer steigt mit dem F.C. Hansa auf?
Amir Shapourzadeh: Das ist mir schnuppe. Hauptsache, wir steigen auf.
Zafer Yelen: Duisburg, KSC und Lautern sind die größten Anwärter auf zwei der drei Plätze.

 

Was bedeutet es für Sie, für den F.C. Hansa zu spielen?
Amir Shapourzadeh: Ich habe hier in Rostock das Sprungbrett in den Profifußball gefunden. Ich habe über die „Amas“ den Weg in das Team geschafft. Man hat mir hier eine große Chance gegeben und ich denke, ich habe sie genutzt. Dafür bin ich dankbar. Insofern sind Hansa und Rostock auch ein Stück Heimat geworden.
Zafer Yelen: Es ist eine Ehre für mich, für den F.C. Hansa spielen zu dürfen. Ich kam als Amateur und kann hier jetzt den Beruf des Fußballprofis ausüben. Das ist toll. Mit meinem Wechsel von Tennis Borussia zu Hansa habe ich  alles richtig gemacht. Ich bin vor allem unserem Trainer Frank Pagelsdorf dankbar, der mir viel Vertrauen geschenkt und viele Chancen gegeben hat. Ich profitiere aber auch viel von Spielern wie Beinlich, Rydlewicz und Hartmann, die uns jungen Burschen immer wieder helfen.

 

Wie planen Sie für die Zeit nach dem Fußball?
Amir Shapourzadeh: Ich denke Schritt für Schritt. Ich beschäftige mich jetzt mit dem Aufstieg und hoffe auf Spiele in der Bundesliga. Ich hoffe, bis zur Zeit nach dem Fußball dauert es erst einmal noch einige Jahre. Dann sehe ich weiter. Ich würde mich gerne einmal selbstständig machen und dann mein eigener Chef sein.
Zafer Yelen: Ich möchte auch nach der Karriere im Fußball arbeiten.

 

Wann wird man Sie im Trikot Ihrer Nationalmannschaft erleben?
Amir Shapourzadeh:  Das weiß ich nicht. Vielleicht hilft mir da die Bundesliga, wie Ferydoon Zandi, der auch über Lautern ins Nationaltrikot schlüpfte und 2006 plötzlich WM-Spieler war. Die Zeitungen zu Hause und unsere Nachrichtenagenturen verfolgen jedenfalls schon meine Leistungen…
Zafer Yelen: Mein Vater träumt davon, mich einmal im Trikot der türkischen Nationalmannschaft zu sehen. Ich habe diesen Traum auch. Aber er schien mir lange Zeit sehr weit weg. Durch Hansa, durch die Chance auf die Bundesliga, scheint er ein wenig realer. Über die Einladungen für die U21 der Türkei für die Länderspiele gegen Georgien und die Schweiz habe ich mich riesig gefreut und die Partien selbst waren tolle Erlebnisse. Mal sehen, was unser Verband noch für Überraschungen für mich bereit hält und welche Perspektive er mir bietet. Es ist jedenfalls schon etwas passiert, womit ich zu diesem Zeitpunkt nie und nimmer gerechnet habe.

 

 


 

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