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20.03.2007 08:59 Uhr

Axel Klingbeil - Hansa ist mein ganzes Leben

Fragst Du im Ostseestadion einen Besucher nach „Boulette“, kriegst du schnell den Weg gewiesen. „Boulette“? Der sitzt in den Stadionkatakomben…!
Dort findet man tatsächlich dann das „Dienstzimmer“ des gebürtigen „Frauenkliniker“. Allerdings unter diesem Namen: Axel Klingbeil, Fanbeauftragter. Der Rostocker ist 41 Jahre, Schlosser von Beruf, reist seit 1982 mit Hansa um und durch die Welt und hat mittlerweile 90 Prozent aller Spiele des Teams gesehen. Maximal 2 bis 4 Spiele verpasst er überhaupt nur in einem Jahr. Seit den „Achtzigern“ engagiert sich „Boulette“ (O-Ton: „Ich esse diese gerne, so haben mir die Fans den Namen verpasst“) für die Fans von Hansa. Er brachte sich zu Oberligazeiten bei der Organisation von Fanclubturnieren ein, nach der Wende half er bei der Organisation der Auswärtsfahrten und arbeitete später ehrenamtlich im Fanprojekt. Seit dem 1. Juli 2006 ist Axel Klingbeil Fanbeauftragter. Wir baten ihn für die „Kogge“ zum Interview.

 

Axel, wie betrachtest Du den Job?
Axel Klingbeil: Hansa ist mein ganzes Leben, meine Aufgabe ist die Wandlung zwischen Fan und Job.

 

Ein leichtes Spiel?
Axel Klingbeil: Nein, es ist nicht einfach. Du bist immer zwischen Baum und Borke, zwischen Fans und Vorstand. Ich stehe ja auch immer in engem Kontakt zu Rainer Friedrich von der Ostseestadion GmbH, unserem Vorstandsvorsitzendem Dirk Grabow und vielen Fans. Dort wo Probleme auftauchen und uns bekannt sind, versuchen der Fanbeirat und ich zu helfen. Aber es gibt auch Probleme die uns nicht bekannt sind, dort müssen die Fans dann auf uns zugehen.

 

Worin siehst Du Deine Arbeit?
Axel Klingbeil: Ich versuche Verständnis bei den Fans gegenüber dem Verein und beim Verein gegenüber den Fans zu entwickeln um gegenseitige Argumente auszutauschen. Immerhin vertreten wir um die 200 Fanklubs mit ca. jeweils 10 bis 12 Leuten. Dazu kommen die, die nicht organisiert sind.

 

Aber die Aufgaben sind doch sicher noch vielfältiger?
Ja das stimmt. Neben den vereinsinternen Aufgaben kommen viele mit Außenwirkung dazu. 

 

Zum Beispiel?
In Rostock bin ich in die Veranstaltungsorganisation eingebunden, bearbeite im Vorfeld die Anträge unserer Fans, aber auch die der Gästefans. Am Spieltag bin ich Ansprechpartner für die Fans und mache während des Spiels meine Runde durchs Stadion. Ich begleite unsere Fans zu den Auswärtsfahrten, bin dort der Ansprechpartner für unsere Fans, sowie dem Heimverein und kläre im Vorfeld die Interessen unserer Fans ab. Aber auch bei den regelmäßigen Treffen der Fanbeauftragten der Vereine oder der jährlichen Sitzung mit der DFL / DFB findet man mich.
Aber die Hauptaufgabe bleibt in jedem Fall die Arbeit mit unseren Fans.


Wie gut ist der Hansa-Fan?
Axel Klingbeil: Unsere Fans sind nicht schlechter und besser als Fans anderer Vereine. Der größte Teil hängt mit dem Herzen am Verein und gibt sehr viel um diesen zu unterstützen. Leider gibt es aber auch Probleme mit einzelnen Fans, die sich nicht an Regeln und Gesetze halten, diese immer wieder übertreten und somit sich selbst, ihrer Fangruppe, allen Fans und dem Verein schaden.

 

Du sprichst die Sache mit den Suptras an…?
Axel Klingbeil: Ja, leider ist es zu einer Situation gekommen, die den Verein veranlasste, den ungewöhnlichen und unter den Fans umstrittenen Schritt, an die Öffentlichkeit zu gehen, wahrzunehmen und die Probleme anzusprechen.
 
Wie viele Leute betrifft dies?
Axel Klingbeil: Es geht nur um einen kleinen Teil der Gruppe. Dieser Teil fügt mit seinen Handlungen, wie oben schon erwähnt, sich selbst, seiner Gruppe und dem Verein Schaden zu. Es geht jetzt darum, dass sich der Großteil der Gruppe mit diesen Leuten auseinandersetzt, positiven Einfluss nimmt und sich deutlich positioniert, um eine Basis für eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Verein zu schaffen.

 

Woran liegt Dir bei Deiner Arbeit am meisten?
Axel Klingbeil: Das Motto „Alles für den FCH!“ sollte im positiven Sinne mit Leben erfüllt werden. Der Verein hat nichts gegen tolle Stimmung und Choreografien, wie im Block 27/27a unter Führung der „Suptras“. Aber leider gibt es im Stadion und dessen Umfeld, sowie auf den Fahrten zu bzw. bei den Auswärtsspielen Handlungen die nicht toleriert werden können und teilweise strafrechtlich relevant sind.

 

Wird über solche Dinge auch auf den Fanclub-Versammlungen gesprochen.
Axel Klingbeil: Natürlich, aber nicht nur dort. Auf unserer gestrigen Fanclub-Versammlung im Business-Club des Ostseestadion war auch diese Probleme ein Thema.

 

Zurück Zu Dir. Du bist auch ein leidenschaftlicher Fan der Amateure?
Axel Klingbeil: Stimmt. Ich versuche auch hier alle Spiele zu sehen und mache die meisten Auswärtsfahrten mit.
Des Weiteren erstelle ich das Programmheft „Das A-Team“, welches zu jedem Spiel  unserer 2. Mannschaft in der 4. Liga erscheint,  als verantwortlicher Redakteur und habe an dieser journalistischen Arbeit, seit nunmehr 10 Jahren, viel Freude.

 

Wieso?
Axel Klingbeil: Ich bin ein leidenschaftlicher Programmsammler, habe über 10.000 Programme aus aller Welt in meinem Archiv. Mein ältestes Programm des F.C. Hansa stammt aus dem März 1955, als wir als SC Empor bei Lok Leipzig gespielt haben. Ich habe mich in den neunziger Jahren oft geärgert, wenn es für die Amateure keine Programme gab. Dann habe ich angefangen sie selber zu machen.

 

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