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19.03.2010 11:17 Uhr

Bemerkungen des F.C. Hansa zur Aussage von Corny Littmann

In der heutigen (Freitag) Ausgabe des Hamburger Abendblatts wird im Artikel Littmann: "Wir stecken in einem Teufelskreis" St. Pauli Präsident Corny Littmann mit den Worten zitiert: „Wenn uns Verantwortliche von Hansa Rostock achselzuckend sagen, dass ein Drittel ihrer Fans rechtsradikal sind, dann frage ich mich, weshalb man die noch ins Stadion lässt.“

Dazu stellt der F.C. Hansa Rostock fest:

Die Aussage ist nicht getätigt worden. Zudem entbehrt diese Aussage jeglicher Grundlage und ist falsch. Der F.C. Hansa prüft rechtliche Schritte, wie er gegen diese populistische, polemische und beleidigende Aussage vorgehen kann.

Der F.C. Hansa Rostock hat Kontakt zum Redakteur des Artikels im Hamburger Abendblatt aufgenommen. Der bestätigte, dass Herr Littmann diese Aussagen getätigt und später sogar autorisiert hat.

Anscheinend spiegelt die Aussage von Corny Littmann im Hamburger Abendblatt seine Einstellung und Denkhaltung zu Fußballfans aus den neuen Bundesländern wieder. Bei einem Gespräch in Frankfurt zwischen beiden Vereinen mit Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Vorfeld des St.-Pauli-Spiels ließ er durchblicken, dass er den Großteil der ostdeutschen Fußballfans für rechtsradikal hält.

Zudem beschleicht den F.C. Hansa Rostock der Eindruck, dass Herr Littmann versucht, sich bei den eigenen Fans verlorengegangenen Kredit zurückzuholen. Seine Einigung mit der Polizei, nur 500 personalisierte Sitzplatzkarten an den F.C. Hansa Rostock zu geben, sorgte  auch für Unmut in der eigenen Anhängerschaft – wie die unten stehende Stellungnahme des ständigen Fanausschusses belegt. Dass Herr Littmann auf dem Rücken des F.C. Hansa Rostock die Liebe seiner Fans zurückgewinnen will, wird der F.C. Hansa Rostock nicht zulassen.

Fazit: Corny Littmanns Aussage ist alles andere als deeskalierend. Der. F.C. Hansa wird in seiner Kommunikation einen anderen Weg gehen.


Hier der Artikel im Hamburger Abendblatt

Fußball und Gewalt: Fünfter Teil

Littmann: "Wir stecken in einem Teufelskreis"

Von Lutz Wöckener

Corny Littmann warnt vor englischen Verhältnissen. St. Paulis Präsident will für Gästefans nicht mehr verantwortlich sein und kritisiert die DFL.

Hamburg. Keine Stehplätze und kein Alkohol, dafür Polizisten, die von den Vereinen bezahlt oder einem hohen Aufgebot vereinseigener Sicherheitskräfte ersetzt werden und Zuschauer, die beim Kauf der Karte ihren Ausweis vorzeigen und persönliche Daten angeben mussten. Alltag in immer mehr europäischen Stadien, darunter auch sämtliche Fußball-Arenen in den ehemaligen Hochburgen der Fußballromantik: England und Italien. "Niemand will diese englisch-italienischen Verhältnisse", sagt Corny Littmann, "aber es wird auch bei uns passieren, wenn wir nicht kreativ und fantasievoll mit dem Gewaltproblem umgehen."

Während andere Vereine angesichts steigender Härte und Häufigkeit von Sicherheitsverstößen Ohnmacht demonstrieren und die Gewalt als ein Gesellschaftsproblem aus dem Stadion diskutieren, sieht der Präsident des FC St. Pauli Vereine und Verbände mehr denn je in der Pflicht. "Wir sollten nicht den Kopf in den Sand stecken. Zu sagen, es gibt kriminelle Fangruppen auf der einen, die Polizei auf der anderen Seite, und wir stehen achselzuckend in der Mitte, ist ein Armutszeugnis. Die Vereinsführungen sind da einziger kompetenter Dialogpartner", sagt Littmann, der verhärtete Fronten festgestellt hat: "Die Situation zwischen Fans und Polizei ist sehr emotionalisiert, und ich kann beide Seiten verstehen. Die Polizeiaufgebote werden immer größer, die Ausrüstung immer martialischer. Fans fühlen sich kriminalisiert, die Beamten sind unzufrieden über den erhöhten Aufwand. Es ist ein Teufelskreis."

Doch der 57-Jährige zeigt Lösungswege auf und will Vorfälle wie am vergangenen Wochenende beim Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg, als etwa 100 Berliner Randalierer nach dem Schlusspfiff in den Innenraum des Olympiastadions eindrangen und für Sachbeschädigungen sorgten, präventiv bekämpfen. "So ein Verhalten fällt nicht vom Himmel sondern ist vielmehr Ausdruck des Bemühens des Vereins in die eigene Fanarbeit", glaubt Littmann und nennt ein weiteres Beispiel: "Wenn uns Verantwortliche von Hansa Rostock achselzuckend sagen, dass ein Drittel ihrer Fans rechtsradikal sind, dann frage ich mich, weshalb man die noch ins Stadion lässt."

Die Vereine sollen mehr Verantwortung übernehmen, sich den Problemen nicht verschließen. Und da sei es auch unerheblich, ob der Klub ein Heim- oder ein Auswärtsspiel bestreite. "Wenn im Gästeblock Bengalos gezündet werden, wenn Schneebälle oder andere Gegenstände auf das Spielfeld geworfen werden, dann haftet dafür bislang der Heimverein. Weshalb?", fragt Littmann, "wir sollten eine Mitverantwortung für unsere Fans übernehmen. Auch außerhalb der 90 Minuten und außerhalb des Stadions. Vorausgesetzt, der andere Verein täte dies auch für seine Anhänger."

Ein Vorschlag, den er aufgrund der Hausrecht-Problematik für juristisch schwierig, in der Praxis aber für umsetzbar hält und den St. Paulis Präsidium jüngst der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt offerierte - und abblitzte. "Wir haben daraufhin ein paar grundsätzliche Fragen zu klären versucht", sagt Littmann und zählt auf: "Wie ist denn die genaue Erwartung an den Verein, der das Hausrecht hat? In welchem Umfang und mit welcher Qualität sollen die Kontrollen vor dem Stadion durchgeführt werden? Schließlich sind wir ja dazu verpflichtet, zehn Prozent der Karten an Gästefans zu geben. Nähere Auskünfte erhielten wir auf unsere Fragen nicht, außer der Folge, dass man bei Verstößen bestraft wird. Das kann es nicht sein", findet Littmann und macht damit ein weiteres Problem deutlich: "Die DFL muss sich fragen, wofür sie eigentlich Verantwortung trägt. In den meisten Sicherheitsfragen nimmt sie maximal eine Mittlerrolle ein. Als wir in der Hinrunde gefragt haben, weshalb unser Spiel in Rostock trotz der Erfahrungen aus der Vergangenheit auf einem Montagabend stattfindet, erhielten wir keine Antwort."

Vor dem Rückspiel gegen Rostock am 28. März stellte St. Pauli nun einen Antrag, der die mögliche Aussperrung der Rostocker Fans thematisierte. "Wir wollten sehen, wie weit unsere Entscheidungsfreiheit geht", erklärt Littmann. Die bindende Entscheidung oblag ohnehin der Hamburger Polizei: Das Sitzplatzkontingent von 500 Plätzen blieb unangetastet, die Tickets werden nur personalisiert verkauft, Stehplätze gestrichen. England und Italien lassen grüßen.
Ende des Artikels


Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses zur Reduzierung des Gästekartenkontingentes für das Spiel FC St. Pauli gegen Hansa Rostock

Wir als Ständiger Fanausschuss, dem Zusammenschluss aktiver Fangruppen des FC St. Pauli, nehmen zu den Vorgängen um die Entscheidung zur Reduzierung des Kartenkontingentes für die Anhänger des FC Hansa Rostock und die entsprechende Pressemitteilung des FC St. Pauli wie folgt Stellung:

Nachdem der Ständige Fanausschuss von einem Antrag des Präsidiums des FC St. Pauli an die DFL Kenntnis erlangt hat, keine bzw. hilfsweise 500 Gästefans aus Rostock zuzulassen, und diese Antragstellung von der DFL bestätigt wurde, kam es auf unsere Initiative hin zu einem Gespräch zwischen Vertretern der organisierten Fanszene und dem Präsidium des FC St. Pauli. In diesem Gespräch wurde fanseitig eindringlich auf die Türöffnerfunktion für künftiges restriktives Vorgehen bei der Kartenvergabe für Auswärtsspiele hingewiesen. Daraufhin wurde ein Kompromiss gefunden, welcher einen Dialog mit Vertretern von Hansa Rostock mit dem Ziel eines friedlichen Spieles bei gleichzeitiger Abkehr von einer Reduzierung des Gästekontingentes vorsah.

Dieses Gespräch fand am 9. März unter Beteiligung der Vereinsführungen, Fanprojekte sowie von Vertretern der Fans beider Vereine statt. Ergebnis des Gesprächs war ein von allen Beteiligten getragener Kompromiss, welcher neben konkreten Regelungen zur An- und Abreise u.a. ein Gästekontingent von 1.400 Karten vorsah. Explizit angekündigt wurde vom Präsidium des FC St. Pauli, mit juristischen Mitteln gegen einen drohenden Ausschluss der Gästefans vorzugehen.

Mit großer Verwunderung mussten wir am Montag zur Kenntnis nehmen, dass das Präsidium des FC St. Pauli von dieser gemeinsam getroffenen Entscheidung abgerückt ist und sich stattdessen in einem "einvernehmlichen Gespräch" mit der Hamburger Polizeiführung auf eine abweichende Regelung geeinigt hat: Statt der gemeinsam vereinbarten 1.400 Gästekarten sollen nunmehr nur noch 500 Karten verkauft werden, und auch diese nur nach Vorlage eines Personaldokumentes. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf Druck der Hamburger Polizei von der mit der eigenen Fanszene und Vertretern des FC Hansa Rostock gemeinsam getroffenen Vereinbarung abgewichen wird. Geradezu skandalös ist es, eine solche Regelung noch als "weitestgehend mögliche Wahrung von Fanrechten" zu bezeichnen.

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, unverzüglich zur gemeinsam beschlossenen Linie zurückzukehren und alle erforderlichen Rechtsmittel gegen die polizeiliche Verfügung einlegen.

Andernfalls werden wir auf verschiedenen Wegen deutlich machen, dass wir diese massive Einschränkung elementarer Fanrechte nicht unwidersprochen hinnehmen.

Hamburg, 17.03.2010

Ständiger Fanausschuss des FC St. Pauli

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