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19.04.2012 14:30 Uhr

Bernd Hofmann: “Friedlicher Protest ist wichtig!”

Dem liebsten Volkssport der Deutschen stehen schwere Zeiten bevor. Mal eben mit der Familie ins Fussballstadion gehen, gestaltet sich schwieriger denn je. Worte wie „personalisierte Tickets“, „Unterlassungsverfügung“, „Sippenhaft“ und „Pauschalisierung“ machen derzeit medial die Runde und sind auch bei Fans in aller Munde.
Einerseits hat jede Wirkung eine Ursache, andererseits sollte man auch genau differenzieren. Sind diese Maßnahmen zielführend? Schließt man so Gewalt aus deutschen Stadien aus?
Hansa Rostock ist als erster Verein von solch einer Verfügung, die die eigenen Fans bei einem Auswärtsspiel ausschließt, betroffen. Die Fans des F.C. Hansa machen deshalb mobil. Sie wollen friedlich demonstrieren.
fc-hansa.de hat dazu den Vorstandsvorsitzenden des F.C. Hansa Rostock, Bernd Hofmann, befragt.

fc-hansa.de: Herr Hofmann, warum ist es heutzutage kaum noch möglich, spontan ein Fußballspiel zu besuchen?
Bernd Hofmann: Aus meiner Sicht ist dies schon noch möglich. Allerdings muss man auch klar feststellen, dass sich die Gesellschaft verändert hat und somit leider die Sicherheitsmaßnahmen stringenter geworden sind. Dem müssen wir als Verein Rechnung tragen.
Gleichzeitig müssen aber auch die Verbände, die Justiz und die Politik Ihrer Verantwortung gerecht werden, diesem zunehmenden Sittenverfall Einhalt zu gebieten. Aber auch jeder Einzelne im Stadion kann seinen Teil dazu beitragen, dass wir friedliche Fußballfeste erleben und die Restriktionen vielleicht eines Tages wieder gelockert werden.

fc-hansa.de: Durch die Unterlassungsverfügung der Hamburger Polizei gegenüber dem FC St. Pauli könne man aber annehmen, dass die Polizei genau diese Verantwortung übernimmt, oder?
Bernd Hofmann: Nein. Diese Verfügung verurteile ich entschieden. Man muss sich die Mühe machen und die Konstellation genau analysieren. Pauschal 2.500 Personen auszugrenzen, halte ich für den falschen Weg und ein fatales Zeichen an die Gesellschaft. Mit dieser Verfügung hat man sich keinen Gefallen getan. Hier hätte es alternative Wege gegeben, das Ziel, Gewalt aus dem Fußballstadion zu verbannen, zu erreichen.

fc-hansa.de: Woran denken Sie dabei konkret?
Bernd Hofmann: Bei dem Erörterungstermin letzte Woche in Hamburg haben wir gemeinsam mit dem FC St. Pauli, der Hamburger Polizei konkrete Lösungsansätze vorgestellt. Die Vereine waren sich dabei einig, dass eine zentrale Anreise mit personalisiertem Kartenverkauf der richtige Weg ist. Um zu vermeiden, dass potentielle Gewalttäter ins Stadion gelangen, wollten wir Personen mit Stadion- bzw. Hausverbot ausschließen. Leider fand dieser Vorschlag kein Gehör.

fc-hansa.de: Wieso konnte man sich nicht einigen?
Bernd Hofmann: Weil eine Datei „Gewalttäter Sport“ zugrunde gelegt werden sollte. Personen, die darin einen Eintrag haben, sollten vom Kartenverkauf ausgeschlossen werden. Bedauerlicherweise konnte uns die Polizei nicht erklären, wer in dieser Datei geführt wird und für welche Delikte dort jemand erscheint. So ist es wahrscheinlich, dass Personen darin aufgelistet sind, bei denen zum Beispiel im Rahmen eines Fußballspiels lediglich Personalien festgestellt wurden. Das heißt, dass wir hier im schlimmsten Falle wieder pauschal Hunderte Fans in Generalverdacht genommen hätten. Das ist mit uns nicht zu machen.

fc-hansa.de: Nach der Entscheidung des Vorstandes, St. Pauli das Gästekartenkontingent zu überlassen, gab es durchaus kritische Stimmen, die diese Entscheidung nicht verstehen konnten...
Bernd Hofmann: Wenn es unser Heimspiel gewesen wäre, würden es diese Kritiker wahrscheinlich gutheißen, wenn wir den Gästefanblock an Hansafans verkaufen würden.
Aber darum geht es nicht. Man sollte bedenken, dass es hier nicht nur um St. Pauli oder den F.C. Hansa Rostock geht, sondern um ein Grundsatzurteil für den Deutschen Fußball. St. Pauli hat über zwei gerichtliche Instanzen versucht, dass wir das Kartenkontingent regulär erhalten. Das haben wir im Sinne der Sache honoriert und ein Zeichen für Gesamtfußballdeutschland gesetzt.

fc-hansa.de: Viele Fans in Deutschland fürchten nun diesen Präzedenzfall und haben Angst in Zukunft von Auswärtsspielen ausgeschlossen zu werden. Um diesen Befürchtungen Ausdruck zu verleihen, organisiert die Fanszene Rostock e.V. in Hamburg eine Demonstration, bei der auch Fans anderer Vereine willkommen sind.
Als Zeichen für eine friedliche Demonstration sollen alle Teilnehmer im Vereinstrikot nach Hamburg fahren. Wie stehen Sie zu dieser Demonstration?
Bernd Hofmann: Ich finde es grundsätzlich richtig, wenn man sein Grundrecht wahrt und für eine gemeinsame Sache friedlich auf die Straße geht. In diesem konkreten Fall befürworten wir die Demonstration und erwarten, dass unsere Fans und alle, die sich daran beteiligen, sich friedlich im Sinne der Sache verhalten und so auf sich aufmerksam machen. Es geht hier um eine sehr wichtige Sache. Unsere Abteilung „Fanbetreuung“ wird diese Demonstration der Fanszene Rostock e.V. auch unterstützend begleiten.

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