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08.02.2010 11:15 Uhr

Bradley Carnell: „Ich wollte immer ins Tor“

Er ist ein absoluter Musterprofi: Bradley Carnell. Derzeit muss der Südafrikaner zwar wegen einer Fußverletzung pausieren, sein großes Ziel WM im eigenen Land hat er dennoch noch nicht ageschrieben.

Johannesburg in Südafrika. Hier in „The Hill“ ist Bradley Carnell vom F.C. Hansa Rostock zu Hause. Hier hat sein Vater, der gelernte Schriftsetzer George, eine Familien-Druckerei. Hier arbeitet Mutter Beverley mit, hier ist Bruder Craig als Kaufmann beschäftigt, hier arbeitet Schwester Lana als Buchhalterin. Hier hat früher der kleine Bradley schon als Kind mitgemacht.

Die Carnells sind eine Familie aus dem Mittelstand. Der Sohn als Fußballprofi ist das Aushängeschild. Bradley ist ein Star daheim, einer der nicht so für Klischees geeignet ist.

In Südafrika sind Cricket und Rugby für die weiße Bevölkerung die Sportart Nummer 1. Die schwarze Bevölkerung liebt dagegen den Fußball.

Die blonde Frohnatur Bradley Carnell wollte immer nur Fußballer werden. Bradley wollte immer Torwart sein. Bradley wollte einer wie sein Landsmann Bruce Grobbelar vom Lieblingsverein FC Liverpool werden.

Also ging er mit fünf Jahren zu den „Southern Suburbs F.C.“ und fragte: „Kann ich bei euch Torwart werden?“. Der Trainer verneinte. „Junge, so sagte er mir, du kannst links draußen spielen“, erinnert sich Bradley.

Zwei Jahre rührte Carnell keinen Ball an. Dann startete er einen neuen Versuch. Wieder verneinte der Trainer, wieder war Bradley sauer. Aber diesmal sagte er auch Ja, diesmal wollte er die Position draußen im linken Mittelfeld annehmen. Das war der Beginn einer steilen Profi-Karriere.

Der heutige Abwehrspieler begann schließlich als Fußballer an der Wits University, spielte später für die Kaizer Chiefs und wurde als Profi in Deutschland (Stuttgart, Gladbach, Karlsruhe) südafrikanischer Nationalspieler und WM-Teilnehmer 2002.

In diesem Jahr ist wieder eine WM, die erste in Afrika, in Südafrika. Es ist damit ein Spektakel vor der Haustür von Bradley. Denn, so verrät uns Carnell, „das Nationalstadion in Johannesburg ist nur eine Viertelstunde von Zuhause entfernt. Es wäre das Größte für mich, im Herbst meiner Karriere dort dabei zu sein.“ Bradley weiß aber auch: „Es wird sehr schwer, in das Team des brasilianischen Trainer Carlos Alberto Parreira zu schaffen. Der Countdown ist ja schon ohne mich gestartet worden, weil mich im vergangenen Jahr eine Waden- bzw. eine Schambeinverletzung zurückgeworfen haben, mir Monate Spielpraxis fehlen. Ich weiß, nur mit vollem Einsatz und einer optimalen Rückrunde mit Hansa kann ich das noch schaffen. Ich habe ein Fünkchen Hoffnung, denn ich bin mit den Medizinern des Verbandes in Kontakt und wenn ich jetzt spiele, dann wird mich auch Parreira finden.“

Wenn nicht, dann wird Bradley die Spiele daheim im Urlaub verfolgen, dann wird er als Promi-Reporter mit der Erfahrung von 42 Länderspielen ans Mikrophon treten. TV-Angebote aus Südafrika und der Schweiz liegen ihm schon vor.

Einstweilen will sich Bradley, der sich später den farbigen Liverpooler Linksaußen John Barnes zum Vorbild nahm, nur auf Hansa konzentrieren. „Die Fans kennen mich doch noch gar nicht richtig, weil ich so viel Pech hatte. Am Ende der Hinrunde bin ich warm geworden, jetzt bin ich heiß. Die Rostocker Fans sollen mich nun richtig kennen lernen. Vielleicht ist dann für uns alle sogar noch eine zweite Saison an der Küste drin…“

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