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07.04.2010 10:23 Uhr

Cheftrainer Marco Kostmann: „Ich bin mit dem Herzen hier“

Die Vereinsgeschichte des F.C. Hansa zählt nunmehr 27 Cheftrainer. Seit dem 15. März 2010 ist es Marco Kostmann, der als Fußball-Lehrer die Mannschaft leitet. Damit ist er nach Jürgen Heinsch erst der zweite Torhüter, der es bis zum Cheftrainerposten schafft. Der gebürtige Rostocker ist verheiratet mit der Diplom-Ingenieurin Kirsten und Vater zweier Kinder (Kenneth und Marty).
Seine UEFA-Pro-Lizenz hat er mit einem Abschluss von 1,7 an der Sporthochschule Köln gemacht, im Fach Psychologie sogar mit 1,3 bestanden. Die „KOGGE “-Redaktion unterhielt sich mit Marco Kostmann (43), der konsequent, gerade aus und leidenschaftlich die neue Aufgabe in Rostock angenommen hat.

KOGGE: Herr Kostmann, was bedeutet Ihnen Hansa, was bedeutet Ihnen Rostock, was bedeutet Ihnen die neue Aufgabe?

Marco Kostmann: Ich bin von Kindesbeinen durch meine Eltern mit Hansa verbunden. Als gebürtiger Rostocker ist die Stadt meine Heimat. Jetzt ist Hansa mein Arbeitgeber. Für solch einen Job habe ich ursprünglich in Köln die UEFA-Pro-Lizenz gemacht. Nun kam alles schnell und überraschend.

KOGGE: Ihr Vater Gerd Kostmann stand als „Goldköpfchen“ für Hansa als Stürmer auf dem Platz und wurde zweimal Oberliga-Torschützen-König. Warum gingen Sie ins Tor?

Marco Kostmann: Für mich gab es schon als Kind immer nur zwei interessante Positionen in der Mannschaft: entweder vorne oder hinten, also Torwart oder Stürmer. Diese Positionen sind für mich spielentscheidend. Für einen Stürmer war ich nicht schnell genug. So blieb das Tor übrig. Außerdem hatte ich immer Spaß am Hinwerfen…

KOGGE: Wie haben Ihre Eltern, wie hat Ihre Familie den neuen Job aufgenommen?

Marco Kostmann: Mein Vater Gerd hat erst einmal die Hände über den Kopf geschlagen. Aber das hat er bei mir in seinem Leben schon oft getan und wird es immer wieder tun. Dann war da aber schnell auch Stolz und die Bereitschaft, mich zu unterstützen, alles für den Job bei Hansa zu tun, was in ihrer Macht steht. Hansa ist ein Stück unseres Lebens. Meine Frau und meine Kinder haben sich gefreut, dass der Aufwand, den wir die vergangenen Jahre für eine solche Aufgabe betrieben haben, belohnt wurde.

KOGGE: Mit welchem Ziel haben Sie Ihre neue Aufgabe übernommen?

Marco Kostmann: Den Klassenerhalt zu schaffen. Das wiederum ist noch ein verdammt steiniger Weg.

KOGGE: Manche Trainerstäbe schwanken in der Bundesliga zwischen vier und acht Personen pro Verein. Sie arbeiten mit Thomas Finck allein. Ist das nicht sehr stressig?

Marco Kostmann: Ob zwei, vier oder acht Leute den Job machen, er ist immer stressig. Ich habe gern mit Andreas Zachhuber gearbeitet, ich arbeite gern mit Thomas Finck zusammen. Es geht hier nicht um Namen, es geht um Weg und Ziel, es geht um die Existenz von Hansa und die Menschen, die für den Verein arbeiten und ihn lieben.

KOGGE: Sie sind im Sommer von Hansa-Manager René Rydlewicz als Torwart-Trainer mit der Fußballehrer-Lizenz nach Rostock gekommen. Die gab nun auf Grund der Vorgaben von DFB und DFL den Ausschlag für den Trainerwechsel zwischen Ihnen und Thomas Finck, der ursprünglich ja Andreas Zachhuber ablösen sollte. Was hat sich für Sie mit der Übernahme als Cheftrainerpostens geändert?

Marco Kostmann: Zunächst dies: Wir waren beide als Trainer immer über die Bemühungen des Managers informiert. Wir kannten das Anforderungsprofil der DFL-Ausbildung und wussten um den Antrag auf eine Sondergenehmigung. Aber: Dieser Wechsel ist nun kein formeller Akt. Ich bin jetzt per DFL-Papier Cheftrainer mit allen Rechten und Pflichten. Als Fußball-Lehrer und Cheftrainer ist man der Kopf, der Entscheider. Ich habe die alleinige Verantwortung und das letzte Wort. Ich stehe mehr im Rampenlicht und habe durch die Öffentlichkeitsarbeit auch einen größeren Zeitaufwand. Trotzdem bin ich ein Teamarbeiter. Thomas Finck gehört mein ganzer Respekt. Umgekehrt war es auch so. So soll es bleiben.

KOGGE: Welche Philosophie haben Sie als Fußball-Trainer?

Marco Kostmann: Neugierig bleiben. Am Wettkampf orientieren. Immer die Frage stellen: Was verlangt das Spiel von uns? Entscheidend ist der Matchplan für Mannschaft und Spieler. Der Matchplan bestimmt die Strategie des Spiels.

KOGGE: Welches sind für Sie die wichtigsten Kriterien für einen Fußballtrainer?

Marco Kostmann: Authentisch bleiben.

KOGGE: Die Spieler dürfen Sie Duzen. Das ist ungewöhnlich.

Marco Kostmann: Respekt bekommt man durch Leistung und nicht dadurch, dass man geduzt oder gesiezt wird. Ich stehe für Respekt und Toleranz und erwarte diese auch.

KOGGE: Warum gibt es so wenige bekannte Torhüter wie Dino Zoff in Italien, die auch Cheftrainer wurden?

Marco Kostmann: Torwart zu sein, ist eine spezielle Aufgabe. Du bist ja Einzelkämpfer im Team und trotzdem Mannschaftsspieler. Viele Keeper haben sich so auch als Trainer auf den Torwartjob spezialisiert. Junghans in München, Dreher auf Schalke, Vollborn in Leverkusen, der Bremer Reck heute beim DFB. Zoff oder eben auch Jürgen Heinsch sind dann in der Tat Einzelfälle.

KOGGE: Sie gelten bei Hansa schon als Workaholic, trainieren acht Torhüter von der B-Jugend bis hin zum Trio Walke/Hahnel/Kerner und sind nun auch noch für die Profimannschaft verantwortlich. Ist das nicht Stress pur, so ein zehn Stunden-Tag?

Marco Kostmann: Zehn Stunden reichen nicht. Aber mein Job ist Spaß. Das Training mit den Jungs gibt mir Energie, die Arbeit mit dem Nachwuchs ist mein Baby. Ich brauche jetzt aber tatsächlich ein optimales Zeitmanagement, um alles gut hinzubekommen.

KOGGE: DFB und DFL verlangen für den Cheftrainer-Posten eine Ausbildung als UEFA-Pro-Lizenz-Trainer. Finden Sie das in Ordnung?

Marco Kostmann: So bitter die Situation für Hansa und Thomas war, wir stehen gemeinsam zu dieser Ausbildung. Das ist ein Beruf. Das ist wie ein Meisterbrief. Ich habe ja selbst schon Leute als Übungsleiter ausgebildet. Der Trend geht nun, wie in der Schweiz, sogar zur Spezialisierung in Sachen Torhüter. Auch dies unterstütze ich. Traurig macht mich, dass Thomas nicht sofort in den nächsten Lehrgang ab Frühjahr aufgenommen wurde, sich erst für 2011 bewerben kann.

KOGGE: Sie wohnen seit über einem Jahrzehnt vor den Toren Hamburgs. Ist eine Rückkehr nach Rostock geplant?

Marco Kostmann: Erst einmal bin ich mit dem Herzen hier. Ich habe Vertrag bis 2011. Ich habe hier eine Wohnung, bin fast nur in Rostock. Meine Eltern leben hier. Ich kam im Sommer auch für die Familie überraschend kurzfristig zu Hansa. Dass ich hier Cheftrainer werden würde, war so nicht abzusehen. Meine Frau arbeitet in Hamburg bei der Lufthansa. Meine Tochter geht in Amerika und mein Sohn in Hamburg zur Schule. Wir lassen mal die Zeit für uns arbeiten. Irgendwann tagt der Familienrat mal wieder.

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