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23.10.2006 04:05 Uhr

Das Ende der Leiden des jungen W.

Was für ein Wochenende für den F.C. Hansa, was für ein Wochenende für Hansa-Profi Maik Wagefeld. Am Sonnabend bestritt der Mittelfeldspieler, der via Dresden aus Nürnberg nach Rostock kam, sein erstes Pflichtspiel beim BFC Dynamo (5:0) und sorgte mit dafür, dass die Mannschaft auf einen zweiten Tabellenplatz in Liga 4 landete. Am Sonntag drückte „Wage“ den Kollegen dann via „Arena“ in Burghausen die Daumen und freute sich über den 1:0-Auswärtssieg seines Teams, für das er am 1. Juli 2006 von Cheftrainer Frank Pagelsdorf verpflichtet wurde.

 

Maik, die Fans sind voller Erwartung auf deinen ersten Einsatz in der 2. Liga. Wann können wir endlich auf dich zählen?
Wagefeld: Also ich setze mich da terminlich nicht unter Druck. Nur so viel: Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

 

Warum hat das mit dir so lange gedauert?
Wagefeld: Ich bin am 2. Mai 2006 von Dr. Seebauer in München-Bogenhausen am Schienbein operiert worden. Dies war ein sehr schwerer Eingriff. Das war mir, dem F.C. Hansa und dem Trainer sehr wohl bewusst. Man muss es sich so schlimm wie einen Schienbeinbruch vorstellen. Für dessen Heilung braucht man dann mindestens drei Monate Zeit. Mir wurde ein Stück Knochen aus dem Beckenkamm ins Schienbein verpflanzt. So etwas braucht Zeit, so etwas braucht Geduld. Die erste Prognose hieß 12 Wochen Pause. Ich dachte, ich könne nach zwölf Wochen also wieder spielen. Das war aber eine kleine Fehlinterpretation. Nach zwölf Wochen kann man mit dem spezifischen Training wieder anfangen. Dies hat der Trainer, dies habe ich akzeptiert. Wenn alles glatt läuft, dauert so etwas wenigstens fünf Monate, die habe ich jetzt hinter mich gebracht. Normal sind acht Monate, im schlechtesten Fall können es noch mehr werden. Ich hatte nie Entzündungen. Das war mein Glück bislang.

 

Wann hast du erstmals wieder am Mannschaftstraining teilgenommen?
Wagefeld: Vor zehn Tagen. Ich habe bei den Amateuren angefangen, dann eine Halbzeit in Waren gespielt. Danach fragte mich der Trainer, ob ich mir ein Spiel in der 4. Liga zutraue. Ich habe sofort Ja gesagt.

 

Wie lief es dann beim BFC Dynamo am Sonnabend?
Wagefeld: Absolut toll. Trainer Pagelsdorf hatte vorgegeben, dass ich höchsten 60 Minuten spielen soll. Wir haben nach einer Minute geführt, ich konnte das 3:0 machen und bin dann nach 62 Minuten raus. Es war ein leichtes Spiel. War ich in Waren noch etwas aufgeregt, war dieses Spiel in Berlin fast schon wieder normal. Möglicherweise werde ich nach dem Mannschaftstraining am kommenden Sonnabend gegen Ludwigsfelde wieder etwas länger spielen. Ich spüre keinen Schmerz, aber viel Freude. Woche für Woche will ich mich so an die Profi-Mannschaft ranarbeiten, mal sehen, wann ich den Anschluss geschafft habe. Der Trainer setzt mich nicht unter Druck, gibt mir Zeit, die Kollegen kümmern sich rührend und ich fühle mich schon jetzt als akzeptiertes Mitglied der Mannschaft, spüre die Hoffnung, die man in mich setzt.

 

Ist das das Ende der Leiden des jungen W.?
Wagefeld: Ich hoffe es sehr. Es war meine erste schwere Verletzung und ich hoffe, es bleibt meine letzte Verletzung.

 

Wie sehr hast du gelitten?
Wagefeld: Das ist schon ganz enorm. Das Bittere in solch einer Lage ist ja, dass die Jungs raus zum Spielen gehen und du in den Katakomben stundenlang ackerst. Du siehst wochenlang kein Tageslicht und du wirst in den Krafträumen von den Physios „gequält“. Peter Meier und Frank Scheller haben mich sehr aufopferungsvoll in all den fünf Monaten betreut, mir Mut gemacht, zugeredet, mich gefordert. Ich konnte noch nicht geradeaus laufen, da musste ich schon die drei Stockwerke an der Außenfassade des Stadions, hoch, runter, hoch, runter. Das schlaucht. Und dann freust du dich irgendwann unglaublich auf den Ball.

 

Man sagt, du bist sehr ehrgeizig?
Wagefeld: Ja, das stimmt. Das finde ich auch positiv und das bin ich den Leuten hier in Rostock auch einfach schuldig. Oft werde ich angesprochen, wann ich endlich für Hansa spiele. Da sind Erwartungshaltungen. Solche Atmosphäre hilft in einer Verletzungspause unglaublich. Auch die neuen Kollegen hier haben mich moralisch unheimlich unterstützt, die Trainer haben mir viel Mut gemacht. Das ist schon alles sensationell hier in Rostock. Mein Bauch hatte im Sommer JA zu Hansa gesagt. Aber ich hätte nie gedacht, wie toll es hier ist. Jeder ist für jeden da. Ob Kern oder Hahnel, Langen oder Rathgeb. Patric Klandt hat jüngst mal gesagt, es ist hier wie in einer großen Familie. Es ist tatsächlich so. Das habe ich in meinen kühnsten Erwartungen mir so positiv nicht vorgestellt. Das ist Spaß und Freude pur. Wir arbeiten hart im Training und sind auch außerhalb des Platzes oft zusammen. Das alles zahlt sich jetzt auf dem Platz in Punkten und im Tabellenbild aus. Wir sind ein Team, ein Kollektiv.

 

Bist du jetzt schon total fit?
Wagefeld: Also die Luft, die Kondition ist schon da. Jetzt brauche ich Spiele und die Spielfitness.

 

Wie siehst du die Leistung der Jungs in Burghausen?
Wagefeld: Wir haben das Spiel mit der Routine eines Tabellen-Ersten gewonnen. Es war nicht unser bestes Spiel, aber wer fragt danach, wenn du oben stehst und die Punkte im Kasten sind. Momentan spielt die Mannschaft eiskalt und erntet den Lohn für ihre Mühen. 17 Punkte, kein Spiel verloren, das ist schon was. Ich warte jetzt auf den Tag, wo auch ich meinen Beitrag dazu leisten kann, damit der Verein, damit die Mannschaft, damit WIR unser Ziel in dieser Saison erreichen.

 

 

 


 

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