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10.08.2016 21:30 Uhr

Das exklusive "... mit Hansa Rostock unterwegs"-Interview mit Dennis Erdmann

„… mit Hansa Rostock unterwegs“ bringt euch unsere Profis so nah wie noch nie. Wo kommen unsere Spieler her, was machen sie in ihrer Freizeit und was zeichnet sie auch außerhalb des Fußballplatzes aus? Wir finden es für euch heraus.

Für unsere zweite Ausgabe haben wir Dennis Erdmann besucht und zwei seiner ganz wichtigen Eckpfeiler im Leben kennengelernt.

Hansa: „Dennis, welche Rolle spielen Hunde in deinem Leben? Wenn man dich im Umgang mit Elvis und Ginger, deinen beiden Vierbeinern, sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass du mit Hunden aufgewachsen bist.“

Erdmann: „Ich bin ehrlich gesagt gar nicht mit Hunden aufgewachsen, deshalb lautet die Frage für mich eher: Welche Rolle spielen Elvis und Ginger in meinem Leben? Eine Riesenrolle! Wenn es den beiden schlecht geht, geht es mir schlecht. Ich bin froh, wenn die beiden gesund sind, regelmäßig ihr Essen bekommen und mehrfach am Tag ausgeführt werden. Meine Hunde sind lebensnotwendig für mich.“

Hansa: „Haben Elvis, Ginger und du etwas gemeinsam? Spiegeln sich bestimmte Charakterzüge von dir in deinen Hunden wider?“

Erdmann: „Ehrlich gesagt, ja! Elvis ist der ruhige und gechillte Part von beiden, was meiner Art zuhause oder unter Freunden nahekommt. Ginger dagegen ist total wuselig und wild, immer in Bewegung und nicht müde zu kriegen und ich glaube genau so bin ich auf dem Platz. Man sagt ja: ‚Wie der Herr, so’s Gescherr.‘ - die beiden passen einfach gut zu mir.“

Hansa: Die wilde Seite von Ginger und dir ist ein gutes Stichwort. In der Presse wirst du immer mal wieder als ‚Hansa-Rambo‘ oder ‚Hansa-Rüpel‘ betitelt. Hier in deinem Garten strahlst du das komplette Gegenteil eines Rüpels aus. Kannst du, wenn du das Spielfeld betrittst und auch wieder verlässt, den Schalter umlegen oder passiert das automatisch?“

Erdmann: Bewusst mache ich das nicht. Ich glaube aber, dass ich das Emotionale auf dem Platz brauche. Nur unter Strom zu stehen, hält allerdings keiner durch, deshalb ist abseits des Fußballs auch Ruhe super wichtig und ich bin jedes mal sehr erleichtert, wenn ich von Auswärtsspielen wieder nach Hause komme und hier abschalten kann. Viele verstehen diese zwei Seiten nicht, weil man ja eigentlich der gleiche Mensch ist. Im Endeffekt muss ich damit umgehen können. Ich bin so wie ich bin und so lange ich Fußball spiele, wird sich das auch nicht ändern.“

Hansa: „Hast du deine emotionale Ader auch schon in der Schulzeit rausgelassen oder eher beim Fußballspielen nach dem Unterricht?“

Erdmann: „Eigentlich nur beim Fußballspielen. Klar hatte ich in der Schule einige Differenzen mit Lehrern, weil ich nie meine Klappe halten konnte. Ich finde es einfach wichtig, dass man immer das sagt, was man denkt. So richtig schlimme Momente gab es deshalb aber nicht - es sei denn wir haben in der Pause Fußball gespielt und uns dabei gestritten. Jeder, der in der Schule mit Freunden gezockt hat, weiß, was ich meine. Doch solche Streitereien waren schnell wieder gegessen. Ich war schon immer fußballverrückt, bin mit einem Ball unterm Arm zur Schule gegangen und wollte natürlich auch auf dem Asphalt immer gewinnen - so wie heute auch.“

Hansa: Apropos Schule: „Ein Studium (Lehramt, Anm. d. Red.) hätte dich fast wieder dorthin zurückgebracht, wenn auch in einer anderen Position.“

Erdmann: „Hat es aber zum Glück nicht. Ich wollte viel machen, viel bewegen, aber letztlich kam der Fußball dazwischen und darüber bin ich sehr froh, denn ich sehe mich eher auf dem Platz als im Büro oder an der Tafel.“

Hansa: „Hast du trotzdem noch weitere Pläne in Richtung Studium geschmiedet? Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften steht im Raum.“

Erdmann: „Was? Das können sich nur der Ahlschwede oder der Gardawski ausgedacht haben. Aber wer weiß: Vielleicht studiere ich es gerade deshalb irgendwann doch.“

Hansa: „Dabei würde ein Modestudium angesichts deiner Verbindung zu den Klamotten-Newcomern von ‚Hauptbild Makellos“ ja fast besser passen. Hast du demnächst deine eigenen Sachen am Start?“

Erdmann: „Ach, das wird man sehen, aber: Warum nicht? Die Jungs haben mir erzählt, was sie machen wollen und ich finde das Projekt cool. Ich spiele in Rostock Fußball und das sind gebürtige Rostocker, die sich etwas aufbauen wollen, deshalb kann man sich gegenseitig unterstützen. Ein T-Shirt oder eine Unterhose mit meinem Emblem drauf - das wäre doch was.“

Hansa: „Ein Fußballer, der bereits seine eigene Kollektion hat, ist Marco Reus von Borussia Dortmund. Mit dem BVB hast du als Kind mitgefiebert, warst Fan. Seit dem Aufeinandertreffen von dir und Marco im DFB-Pokal-Achtelfinale 2015 und den darauffolgenden Wortgefechten sieht das sicherlich anders aus. Außerdem hast du zwei Jahre für Schalke II gespielt. Mit welchem der beiden Revierklubs fühlst du dich noch verbunden?“

Erdmann: „Zu Schalke habe ich eine größere Verbindung. Bei S04 habe ich viel gelernt, wurde an den Profikader herangeführt und habe gemerkt, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Tja und Marco Reus und Dortmund? Auf die treffen wir hoffentlich in der zweiten Pokalrunde, falls wir Düsseldorf schlagen. Dann können die sich warm anziehen.“

Hansa: Abgesehen von Hansa und Dynamo hat sich zuletzt noch ein weiterer Verein leicht in dein Herz gespielt - der SV Pastow. Wie kam’s dazu?“

Erdmann: „Ach naja, ich habe mir mal ein Spiel des SV angeschaut - ich glaube ein 1:1 gegen den FC Förderkader René Schneider. Ich bin sehr dorfgebunden und habe auch in meiner Heimat dem Dorfverein häufiger über die Schulter geschaut. Es ist immer schön zu sehen, wo der Fußball herkommt und wie es in der Verbandsliga beispielsweise auch mal zur Sache geht.“

Hansa: „Das bringt uns zu deinem Spiel. Was gibt dir während der 90 Minuten die meiste Kraft?“

Erdmann: „Mich motiviert es ehrlich gesagt am meisten, wenn der ‚Schuh‘ hinten im Tor einen unmöglichen Ball hält oder der ‚Ahli“ rettet einen Ball auf der Linie, so wie gegen Großaspach. Das sind viel bessere Momente, als wenn ein durchgesteckter Pass ankommt. Ich ziehe mich an der Leistung meiner Mitspieler hoch und dann hoffe ich natürlich auch, dass sich die Jungs wiederum von einem guten Zweikampf von mir mitreißen lassen.“

Hansa: „Wo siehst du deine eigenen Stärken und Schwächen auf dem Platz und abseits davon?

Erdmann: „Ich bin definitiv zu ungeduldig. Das sieht man allein schon daran, dass ich immer die X-Taste auf dem Playstation-Controller drücke, wenn es lädt - auch wenn ich genau weiß, dass es dadurch nicht schneller geht (lacht). Ich bin leider auch - das zielt jetzt eher auf den Fußball ab - zu aufbrausend und sage manchmal Dinge, nach denen wiederum andere sagen: ‚Hätte er das mal lieber nicht gesagt.‘ Aber vielleicht ist das auch schon eine Stärke, schließlich verstelle ich mich nicht und bleibe dadurch ich selbst. Meine Stärken im Fußball sind sicherlich Leidenschaft, Kampfwille und Einsatz. Und meine Stärken an sich? Also ich kann gut kochen, gut aufräumen, gut putzen und gut Auto fahren, haha.“

Hansa: „Wir haben aus der Mannschaft gehört, dass du jemand bist, der viel Platz und Raum für sich selbst braucht. Ein offenes Fenster war auch Thema…“

Erdmann: „Das stimmt, am Tag brauche ich wirklich viel Platz. Und in der Nacht brauche ich immer ein geöffnetes Fenster, weil ansonsten meine Nase zu geht. Jetzt weiß ich auch, wer euch das mit dem Fenster gesagt hat - Michael Gardawski! Wir haben uns bei Auswärtsfahrten oft ein Zimmer geteilt und Micha schläft im Winter lieber bei geschlossenem Fenster. Ich werd’s aber so weitermachen, also Jungs: Mein Fenster steht immer für euch offen!“

Hansa: „Was hältst du generell von unserem Kader?“

Erdmann: „Vom Kader halte ich nach wie vor viel. Wichtig ist, was wir in der Saison auf die Platte bekommen. Unser Kader ist zusammengeblieben, das ist gut. Wir haben uns vielleicht nicht so sehr verstärkt wie andere Vereine, aber dafür sind wir eingespielt. Ich weiß, was mein Hintermann kann, was die Jungs neben mir können und was vorne gespielt wird. Ich erwarte viel von uns.“

Hansa: „Wer ist der beliebteste Spieler im Team, wenn man nur danach geht, wer am meisten in die Mannschaftskasse einzahlt?“

Erdmann: „Ich glaube ich wäre auf Platz eins und dann kommt ganz lange nichts und dann kommen alle anderen Spieler! Irgendeiner muss ja dafür sorgen, dass das Team einen guten Abschluss hatte - da bin ich gerne der Sponsor. Die Jungs wollen sich vielleicht auch ein T-Shirt drucken lassen mit meinem Gesicht drauf, haha. Wirklich: Das gehört einfach zu einer funktionierenden Mannschaft dazu und das muss man machen, auch wenn’s bedeutet, dass ich in meinem Garten auf Nahrungssuche gehen muss.“

Hansa: „Dafür teilst du aber auch oft genug aus. Wie war das doch gleich mit peinlichen Bildern deiner Mitspieler?“

Erdmann: „Oh ja! Manchmal kommt bei mir eine halbe Stunde Langeweile auf und dann google ich die einzelnen Namen und achte auf witzige Schnappschüsse der Jungs. Ich habe da auch so ein paar Favoriten - zum Beispiel Melvin Platje, von dem man wirklich geile Bilder findet. Es ist immer wieder schön, ein paar Spielerbilder mit Comics zu vergleichen oder passende Youtube-Videos rauszusuchen. Die Jungs lachen auf jeden Fall darüber und so hat jeder seinen Spaß damit.“

Hansa: „Danke für’s Interview, Dennis!“

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