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23.11.2015 16:51 Uhr

Hansa-Legenden: „Den Lütten nehmen wir noch dazu“

Akribisch wie ein Buchhalter hatte Trainer Walter Fritzsch die Leistungsnachweise seiner Fußballer wie ein Mantra abgefasst. Mahnende Schriften für die Jungspunde, die Ende der 1950er-Jahre mit Macht in Hansas erste Mannschaft drängten: Heinsch, Kleiminger, Pankau, Seehaus, Drews, Habermann, haben wir noch wen vergessen? Natürlich Wolfgang „Sachse“ Barthels. Jahre zuvor sichteten mit vier Augen Kurt Zapf und Hans Speth Rostocker Talente. Die Armada der Verheißungsvollen war bereits formiert, da entdeckte Zapf den schmächtigen Barthels. „Den Lütten nehmen wir noch dazu“, sah Zapf in „Sachse“ den Pfiffikus am Ball. Das freute später auch die Nachwuchsauswahltrainer. Als am 8. März 1959 Englands Buben auf der Zwickauer „Halde“ schon mit 3:0 führten, gifteten die Jungs um „Sachse“ und den Berliner „Amsel“ Nachtigall zurück: 4:3! Sensation! „Und Englands Trainer Sir Alf Ramsey schenke uns jedem einen Rasierapparat“, schmunzelt Barthels heute noch.

221 Punktspiele mit 45 Toren weisen ihn als gewitzten Außenstürmer aus, der auf Auswahlspuren wandelte. Zwei Länderspiele in der A-Elf (1963 in Burma 5:1, 1964 gegen Ceylon 12:1). Beim Spiel im Sugathadasa-Stadion von Colombo am 12. Januar 1964 erzielte Barthels mit seinem zweiten Treffer das 100. Auswahltor in der Geschichte der DDR-Nationalmannschaft. Olympiade 1964! Zwei Mann zu viel im Auswahlkader. Ohne Barthels also und der fuhr schwer enttäuscht von der Sportschule Kienbaum nach Hause. Kurze Zeit später war er wieder da und flog für den Stendaler Liebrecht doch mit nach Tokio. Bronze im Turnier und Höhepunkt einer bewegten Karriere. Die ging für Wolfgang Barthels mit vier Vizemeistertiteln und zwei Pokalfinals im Dress des F.C. Hansa 1970 zu Ende. Seine Laufbahn setzte er in der DDR-Liga bei der ambitionierten BSG Schifffahrt/Hafen bis Ende der 1970er-Jahre fort. Da hatte er bereits als Sportlehrer und später als Instrukteur für Kultur und Sport im Rostocker Seehafen prägende Eindrücke der nachfolgenden Generation vermittelt. „Ich habe immer sehr gern mit Jugendlichen gearbeitet“, versichert „Sachse“. Jahrelang leitete er ehrenamtlich das Training der E- und F-Jugend beim F.C. Hansa. Heutzutage engagiert er sich im Ältestenrat des Vereins.

Am 23. November feiert Wolfgang „Sachse“ Barthels seinen 75. Geburtstag. Der F.C. Hansa wünscht ihm alles Gute!

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