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09.09.2010 14:51 Uhr

Der Erzgebirgler blieb Hansa in der Not treu

Fast 45 Jahre logierte der F.C. Hansa immer in den beiden höchsten Spielklassen des deutschen Fußballs. Das war so in der DDR und das war so im vereinten Deutschland.
Im Sommer 2010 wurde alles anders. Die Rostocker mussten den Weg in die 3. Liga antreten.
Einer der wenigen Spieler, die der Vorstandsvorsitzende Bernd Hofmann, Manager Stefan Beinlich und Trainer Peter Vollmann unisono behalten wollte, war Torwart Jörg Hahnel. Das war eine gute Entscheidung. Heute ist „Jockel“ in der 3. Liga als älterer Keeper einer der Leistungsträger der neuen Hansa-Mannschaft.

Jörg Hahnel wurde in Erla-Crandorf im Erzgebirge geboren. Seine Fußballwiege ist gewissermaßen Eisen-Erla-Crandorf. Hier kümmerten sich Papa Bernd und Bruder Frank sowie Trainer Armin Günther um den kleinen, umtriebigen „Jockel“. An seinem ersten Trainingstag wurde er als Feldspieler gesichtet. Aber: Bis zur C-Jugend war er plötzlich nur Torwart. In der A- und B-Jugend vom FC Erzgebirge Aue war Hahnel dann jedoch Torwart und Feldspieler. In der A-Jugend spielte er noch Torwart und Libero. Sogar in der Amateurmannschaft setzte ihn Trainer Holger Erler dreimal als Feldspieler der zweiten Mannschaft ein. Erst danach stand Hahnel nur noch zwischen den Pfosten und unter Gerd Schädlich wurde er im Erzgebirge schließlich Fußballprofi und avancierte dort zum gestandenen Zweitliga-Spieler. Im 13. Jahr als „Lila-Weißer“ suchte „Jockel“ eine neue Herausforderung. Hahnel folgte den Urvätern des F.C. Hansa, folgte nach fast 50 Jahren Kurt Zapf und Co. und ging vom Erzgebirge an die Küste.

Hahnel hat es nicht bereut. Hahnel hat an der Küste eine neue Lebensqualität entdeckt und eine andere Mentalität vorgefunden. Auch sportlich war der Wechsel vom F.C. Erzgebirge Aue zum F.C. Hansa ein richtiger Schritt. Obwohl es für ihn und die Mannschaft eine richtige Berg- und Talfahrt wurde.

Im ersten Jahr war er hinter Mathias Schober die Nummer 2 in der Aufstiegssaison. Im zweiten Jahr war er hinter Stefan Wächter Nummer 2 in der letzten Bundesliga-Saison. In der Abstiegs-Saison 2009/2010 stand er im Schatten von Alexander Walke. Mittendrin war er immer ein zuverlässiger 2. Mann!

Das war eine schwierige, aber keine verlorene Zeit. „In Aue habe ich unter DDR-Nationaltorwart Jörg Weißflog viel gelernt, in Rostock habe ich mich unter DDR-Nationaltrainer Perry Bräutigam weiterentwickelt. Natürlich trainiert man jeden Tag, um ins Spiel zu kommen. Natürlich nervt es, immer auf der Bank zu sitzen und auf seine Chance zu warten. Aber in all dieser Zeit habe ich mich immer als ein Teil der Mannschaft gesehen und so trainiert, um am Tag X fit und wertvoll für den Verein zu sein.“

Tatsächlich passierte dann das, was sich Torhüter bei allem Ehrgeiz nie wünschen, nämlich, für einen erkrankten bzw. verletzten Kollegen zwischen die Pfosten zu müssen.

Diesbezüglich gibt es für Hahnel zwei markante Tage. Am 9. Dezember 2007 machte der Torwart sein erstes Bundesligaspiel - weil Stefan Wächter erkrankte. Am 27. April 2008 zog sich Stefan Wächter einen Kreuzbandriss in Cottbus zu. Seither trat Hahnel aus dem Schatten einer Nummer 2 und rückte auch an der Küste in den Fokus der Öffentlichkeit.

Heute sieht Jörg Hahnel diese Zeit mit sehr gemischten Gefühlen: „Natürlich war ich seither froh, damals Kasten zu stehen. Dafür trainierst du ja. Ich habe gezeigt, was ich kann. Ich glaube, ich habe nicht schlecht gehalten und durch mein Leistungsvermögen bis heute oft auch ausgeschöpft. Aber letztlich zählen im Fußball keine Einzelschicksale sondern nur Erfolg und Misserfolg der Mannschaft und des Vereins. Diesbezüglich müssen wir konstatieren, dass wir in dieser Zeit abgestiegen sind und sich die Mannschaft als Kollektiv in der Bundesliga und der 2. Liga nicht dort etablieren konnte, wo ich sie gerne sehen hätte, nämlich nach dem Abstieg wieder auf dem Weg zum abermaligen Aufstieg. Das ist für mich bitter und ein richtiger Wermutstropfen in meiner Karriere hier in Rostock. Noch schlimmer aber, und das zum zweiten Mal völlig unnötig, war der Abstieg in die 3. Liga.“

In der Saison 2008/2009 avancierte Hahnel jedenfalls vor Wächter und Kenneth Kronholm zum Stammkeeper, absolvierte alle 34 Meisterschaftsspiele für den F.C. Hansa. Er gewann mit jeder Begegnung im Abstiegskampf mehr Spielsicherheit und war so als Leistungsträger der Mannschaft eine zuverlässige Stütze.

In der Spielzeit 2009/2010, dem traurigen Abstiegsjahr, hatte Hahnel in der 2. Bundesliga, keinen Einsatz.

In seiner bisherigen Laufbahn brachte es Jörg auf sechs Bundesliga-Spiele, 70 Begegnungen in der 2. Liga.

In Rostock arbeitete Hahnel bislang unter den Torwart-Trainern Perry Bräutigam, Marco Kostmann und Jo Stock.

Jörg Hahnel lebt heute nicht mehr wie einst als Single in Warnemünde, sondern mit Freundin Conny und deren Kindern Juli, der auch bei Hansa spielt, und Frieda nur noch einen Steinwurf von der DKB-Arena.

Nach den verlorenen Duellen ums Hansa-Tor gegen Mathias Schober, Stefan Wächter und zuletzt Alexander Walke will der gebürtige Sachse endlich beweisen, dass er eine würdige Nummer eins ist. „Ich habe mir vorgenommen, so wenig Gegentore wie möglich zu bekommen. Das ist mein Hauptziel. Dafür bin ich da, dafür bekomme ich mein Geld. Ich bin aber auch einer der bestimmten Führungsspieler. Das will ich natürlich gerne ausfüllen, hätte ich auch schon in den vergangenen Jahren gerne gemacht. Da durfte ich es nur bedingt. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr mehr Einfluss nehmen kann, hoffentlich guten, damit wir erfolgreich spielen."

Immerhin, für Hansa hat er ein lukratives Angebot aus der 2. Liga ausgeschlagen.

Allerdings: Ausruhen ist nicht für den Vize-Kapitän. Mit U-20-Nationaltorwart Kevin Müller und Andreas Kerner sitzen dem Erzgebirgler Jörg Hahnel schon zwei große Talente im Nacken.

 


 

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