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04.11.2011 11:42 Uhr

Der FSV will den ersten Heimsieg: Eine Gegneranalyse

Klammheimlich hält sich der FSV Frankfurt aus dem Stadtteil Bornheim in der zweiten deutschen Spielklasse. In der Saison 2006/2007 noch in der Oberliga Hessen beheimatet, konnten sich die kleinen Frankfurter kontinuierlich verbessern und befinden sich nunmehr in ihrem vierten Jahr in der 2.Bundesliga. Trotzdem fällt einem immer noch nicht viel ein, wird man mit dem Namen der „kleinen“ Frankfurter konfrontiert. Zu groß scheint die Übermacht des Stadtrivalen Eintracht Frankfurt. Mittlerweile spielen beide in derselben Liga und damit seit langem auch wieder gegeneinander.
Am kommenden Sonntag sind sie nun Hansa Rostocks nächster Gegner, nicht zuletzt deswegen sollte man sich etwas genauer mit dem Team vom Bornheimer Hang beschäftigen. Die folgende Gegneranalyse tut genau das, in dem sie den Blick auf Kader, Spielweise und Ambitionen der Frankfurter richtet.

Abstiegskampf und Kapitänswechsel – unruhige Zeiten am Bornheimer Hang

Eines wissen die Verantwortlichen und das Umfeld des FSV genau, es geht, wie in den letzten drei Jahren, gegen den Abstieg aus der zweithöchsten Liga. Kurios: es reichten bislang immer jeweils 38 Punkte um den Nichtabstieg zu sichern, auf mehr sind die Frankfurter in Liga 2 noch nicht gekommen. Derzeit sind es elf Zähler und die Spieler von Trainer Hans-Jürgen Boysen werden versuchen das eigene Punktekonto am Sonntag aufzustocken.
Dabei wird es auf alle Mannschaftsteile ankommen, gerade auch auf die Abwehr, die bislang immerhin schon 22 Tore zuließ. Daran war Patrick Klandt (28 Jahre), der erste von insgesamt fünf ehemaligen Rostockern relativ unbeteiligt, er hielt zumeist, was zu halten war und kommt auf einen annehmbaren Kicker-Notenschnitt von 3,08.
Blickt man auf seine Vorderleute, trifft man bereits den zweiten Rostocker. Gledson (32), spielte viele Jahre für die Rostocker unter anderem in der 1.Bundesliga und ist jetzt in seinem dritten Jahr bei den Frankfurtern, zeigt sich etabliert und die zuverlässigsten Leistungen aller Defensivspieler, was er seiner Robustheit im Zweikampf und seiner Kopfballstärke zu verdanken hat. Neben ihm in der Innverteidigung spielt Marc Heitmeier (26) und die Außenverteidiger bildeten zuletzt Marcel Gaus (22, links) und Alexander Huber (26). Eigentlich spielte Björn Schlicke (30) auf der Innenverteidigerposition neben Gledson, bis vor kurzem war der Routinier sogar Kapitän. Doch vor einer Woche legte er sein Amt aus freien Stücken nieder, da er sich auf die sportliche Leistung konzentrieren wolle. Gerüchteweise soll er sich auch mit Trainer Boysen überworfen haben, in jedem Fall hat der 1,91m große Abwehrrecke im letzten Spiel, bei der 2-5 Niederlage gegen Düsseldorf, auf der Bank Platz nehmen müssen. Schon Wochen zuvor, hatte er sich lautstark über die negativen Ausreißer seiner Mannschaft beschwert und mahnte mangelnde Konstanz an. Damit lag der Ex-Kapitän gar nicht so falsch, zwar konnte der FSV auswärts schon zweimal gewinnen, ist zu Hause aber noch ohne Sieg und kassierte schon drei Niederlagen mit mindestens vier Gegentreffern.

Rotation im Mittelfeld und der Torjäger

Sein Nachfolger im Kapitänsamt ist Sami Cinaz (25), der auf einer der beiden defensiven Mittelfeldpositionen im 4-2-3-1- System Boysens gesetzt ist, gegen Hansa allerdings nicht auflaufen wird, da er eine Gelbsperre absitzen muss. Neben ihm spielte zuletzt Yannick Stark (21), der für Heitmeier auf diese Position rutschte.
Im offensiven Mittelfeld ist ein für Hansa-Fans bekanntes Gesicht in dieser Saison unangefochten gesetzt. Zafer Yelen (25), der zwischenzeitlich eine unglückliche Zeit in Trabzon erlebte, ist jetzt der Spielmacher des FSV und glänzt mit starken Standardsituationen. Dass er seine Stärken bei ruhenden Bällen hat, konnte Yelen schon während seiner Rostocker Zeit unter Beweis stellen, aber auch am vergangenen Sonntag als er gegen Düsseldorf zur 1-0 Führung per sehenswerten Freistoß traf .
Die beiden offensiven Außenpositionen waren in der Vergangenheit nicht immer klar besetzt, auf diesen Positionen experimentiert Boysen verhältnismäßig viel. Zuletzt spielte der gelernte Rechtsverteidiger Nils Teixiera (21) auf der vakanten Mittelfeldposition auf dem rechten Flügel, doch zuvor standen dort auch schon Vyacheslav Hleb (28), der jüngere Bruder von dem erfolgreichen Aleksandr Hleb oder auch der Senegalese Momar N'Diaye (24). Auf der linken Mittelfeldposition beziehungsweise als hängende Spitze agiert der starke Macauley Chrisantus. Der erst 21-jährige Nigerianer erzielte in neun Spielen bislang sechs Treffer und ist somit bester FSV-Torschütze. Als Joker kann sich bislang Babacar Gueye bezeichnen, der häufig in der zweiten Hälfte eingewechselt wird, aber noch kein Tor markieren konnte. Auch Mario Fillinger (27), der schon für Rostock aktiv war, ist nach einer mehrwöchigen Verletzungspause wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und steht Boysen wieder zur Verfügung. Am Anfang der Saison ist der linke Mittelfeldmann regelmäßig zu Einsatzzeiten gekommen und würde sicherlich gerne wieder gegen seinen Ex-Klub ran.
Im Sturm gibt der von Union Berlin geholte Karim Benyamina sein Können zum Besten. Auch wenn er in manchen Spielen sehr unauffällig agierte, konnte er schon dreimal treffen und ist die feste Größe im Frankfurter Angriff. Eine Alternative ist der junge Marcel Gaus, der immerhin schon ein Saisontor verbuchen konnte. Allerdings erzielten Benyamina und Chrisantus neun der 14 Frankfurter Saisontore, die Verantwortung lastet vor allem auf den beiden Top-Scorern.

Boysen im Zugzwang – kein „Freifahrtschein“ für den Trainer

Trainer Hans-Jürgen Boysen steht in Frankfurt zuletzt immer mehr in der Kritik, wie der Kicker berichtete, lasten ihm die öffentlich geäußerten Rücktrittsgedanken am Ende der Vorsaison an, zudem legt er häufig einen sehr rauen Umgangston an den Tag. Nach dem 0-1 am 11. Spieltag gegen Cottbus tätigte er folgende Aussage: „Wir schießen aufs Tor mit einer Wucht, da erschrickt nicht mal ein Schulmädchen auf der Linie“. Das kam bei den Spielern und Offiziellen des Vereins weniger gut an und auch der Geschäftsführer Clemens Krüger äußerte gegenüber dem Kicker, dass es keinen „Freifahrtschein“ für Boysen gäbe. Um die Stimmung im Team nach zuletzt drei Niederlagen wieder zu erhöhen berief Boysen ein Kurz-Trainingslager im Sporthotel Erbismühle. Die intensive Phase in dem im Taunus liegenden Hotel, soll die Mannschaft auf das wegweisende Spiel gegen Hansa am Sonntag einstimmen und die Fehler der letzten Wochen analysieren und auszumerzen. Gerade in der Rückwärtsbewegung zeigten die Schwarz-Blauen Schwächen und waren anfällig für Konter.
Motiviert sind auch die Rostocker, die natürlich auch versuchen werden den nächsten Sieg zu landen. Auf die Unterstützung der ehemaligen Rostocker Kollegen in Diensten des FSV Frankfurt können Sie indes sicher nicht hoffen. Doch seien wir optimistisch, in diesem garantiert engen Spiel auf Augenhöhe ist für Hansa in jedem Falle etwas zu holen.

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