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22.11.2006 08:27 Uhr

Der Wahnsinn hat einen Namen: F.C. Hansa

Denkwürdig, sensationell, Wahnsinn! Die Vorstellung des F.C. Hansa am vorigen Montag beim Giganten-Gipfel in Karlsruhe in Worte zu fassen, ist fast unmöglich. 0:3 und 1:4 lag das Team von Frank Pagelsdorf beim Tabellenführer KSC im Hintertreffen und schien im Offensiv-Wirbel des besten Angriffs der Liga ausgerechnet im 13. Spiel der Saison die erste Niederlage zu kassieren. Doch dann wurde aus der Unglückszahl eine Glückszahl, denn innerhalb der letzten 13 Minuten traf unsere Mannschaft noch dreimal und erkämpfte noch ein 4:4!

„Mit uns ist immer zu rechnen. Das hat die Mannschaft schon in Köln gezeigt und jetzt hier“, lobte Kapitän Stefan Beinlich seine Kollegen. Schließlich hatten die den fulminanten Endspurt sogar ohne „Paule“ durchgezogen, den Frank Pagelsdorf schon ausgewechselt hatte. „Wenn er mich fünf Minuten eher rausgenommen hätte, dann hätten wir vielleicht sogar noch gewonnen“, scherzte Stefan Beinlich, der nach dem Schlusspfiff mit der Mannschaft den Punktgewinn wie einen Sieg feierte. Im Mittelpunkt des Jubel-Kreises stand dabei Amir Shapourzadeh, der mit zwei Toren die märchenhafte Wende eingeleitet hatte.

Als Retter fühlte sich der 24-Jährige nach seinem ersten Profi-Doppelpack aber nicht. „Das wäre eindeutig zu vermessen. Diese Energieleistung war natürlich nur möglich, weil die gesamte Mannschaft eine tolle kämpferische Leistung geboten hat“, meinte Amir Shapourzadeh: „Am Ende war das einfach Wahnsinn. Daran sieht man, was für eine tolle Truppe wir haben.“

 

Diese Truppe hatte zwar in der ersten Halbzeit bis zum Strafraum ganz ansehnlich mit den Karlsruhern mitgespielt, die Gastgeber schossen aber mit einer fast schon beängstigenden Effizienz drei Tore. Das erste fiel schon in der sechsten Minute. Nachdem im KSC-Strafraum Hansa-Torjäger Enrico Kern mit einem Kopfball das Ziel verfehlt hatte, machte es sein Karlsruher Gegenüber Edmond Kapllani besser. Nach einer Flanke von Florian Dick nutzte er ein Abstimmungsproblem in der Hansa-Deckung per Kopf zum 1:0, womit er die Torschützenliste jetzt mit acht Toren gemeinsam mit seinem Teamkollegen Giovanni Federico vor Enrico Kern (7 Tore) anführt. Zehn Minuten später folgte der nächste KSC-Paukenschlag, als Massimilian Porcello einen unglaublichen Freistoß aus fast 40 Metern zum 2:0 ins Netz hämmerte.

Der F.C. Hansa zeigte sich aber nicht geschockt. Vier Minuten später hätte Enrico Kern nach einer Ecke von Stefan Beinlich fast den Anschlusstreffer erzielt, doch Federico wehrte den Schuss auf der eigenen Torlinie ab. Die Karlsruher hatten mehr Schussglück. Bradley Carnell drückte in der 28. Minute einen Abpraller zum 3:0 über die Linie. Damit hatte der F.C. Hansa in gerade einmal einer halben Stunde halb so viele Gegentreffer erhalten wie zuvor in 12 Spielen. Und es hätte auch noch ein vierter sein können, doch Mathias Schober wehrte einen Kapllani-Kopfball mit einer Glanzparade noch ab (34.).

Nach der Pause schickte Frank Pagelsdorf Kim Madsen für Tim Sebastian ins Abwehrzentrum, und es schien, als könnte der F.C. Hansa ins Spiel zurückkommen. Als Amir Shapourzadeh eine Unachtsamkeit in der KSC-Deckung ausnutzte und den Ball aus acht Metern zum 3:1 ins Tor spitzelte (54.), kam Hoffnung auf. Aber zunächst nur für neun Minuten, bis Stefan Freis bei einem Konter den alten Drei-Tore-Abstand wiederherstellte.

„Danach haben wir im Spiel nach vorne überdreht und waren zu naiv“, meinte KSC-Trainer Edmund Becker später. Denn im Rostocker Schluss-Sturm gingen die Badener noch baden. Erst traf Shapourzadeh nach einer zu kurz abgewehrten Ecke aus dem Hinterhalt zum 4:2 (78.), drei Minuten später hämmerte Christian Rahn den Ball nach Vorarbeit von Enrico Kern aus 14 Metern in den Winkel.

 

Und als Joker Djordjije Cetkovic nach einem Konter eine Rahn-Flanke zentimetergenau an KSC-Keeper Markus Miller vorbei über die Linie spitzelte, kannte der Jubel beim F.C. Hansa in der 87. Minute keine Grenzen mehr. Durch das 4:4 blieben beide Teams als einzige Mannschaften in Deutschlands Profi-Ligen ohne Niederlage. Sowohl der KSC als auch der F.C. Hansa haben sieben Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz und liegen sogar 13 Zähler vor dem einstigen Aufstiegsfavoriten und Liga-Krösus 1. FC Köln, der jetzt mit Star-Trainer Christoph Daum die Wende schaffen will.

„Wir haben jetzt zum zweiten Mal in Folge vier Tore geschossen, obwohl man uns immer nachgesagt hatte, wir würden nicht nach vorne spielen“, kommentierte Hansa-Manager Stefan Studer nach dem Spiel zufrieden die Energie-Leistung des Teams. In der Tat: Mit jetzt 24 Treffern stellt der F.C. Hansa hinter dem KSC (34) jetzt den zweitbesten Angriff der Liga – und trotz jetzt 10 Gegentreffern immer noch die beste Abwehr.

Zehn Tage vor dem Wahnsinnsspiel in Karlsruhe war unsere Mannschaft nämlich auch zu Hause richtig auf Torejagd gegangen und hatte Schlusslicht Eintracht Braunschweig mit einer 4:0-Packung auf die Heimreise geschickt. Zweimal Christian Rahn (8. und 54.), Enrico Kern (41.) und Sebastian Hähnge (88.) schossen den höchsten Saisonsieg heraus.

 

Daran wollen unsere Jungs auch gegen den abstiegsbedrohten Aufsteiger Rot-Weiß Essen anknüpfen. Auf die leichte Schulter nehmen werden die Spieler RWE dabei aber nicht. „Das wird ein ganz anderes Spiel. Es hat sich in dieser Saison schon oft gezeigt, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann“, meinte Amir Shapourzadeh. Mit der richtigen Einstellung springt dann vielleicht auch der erste Sieg gegen Essen heraus. In der Saison 1993/94 setzte sich nämlich der damalige Pokalfinalist gleich zweimal 2:0 gegen den F.C. Hansa durch.

 

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