Offizielle Website des F.C. Hansa Rostock - Unsinkbar seit 1965

28.04.2010 21:38 Uhr

Die Internus-Kolumne – Thema heute: Ostsee-Anzeiger

Guten Abend liebe Kolleginnen und Kollegen. Die Zeit ist wieder einmal gekommen für Grey's Anatomy auf Pro7. Nein. Ganz gewiss nicht. Heute trägt die Horror-Vorstellung einen anderen Namen: Der Ostsee-Anzeiger aus Rostock.

Warum? Hier der Artikel auf Seite 1:

Aufsteigen ohne Hansa

Hansa hat gewonnen. Aber sie werden absteigen. Alles andere wäre ungerecht. Schade nur um diese Megawattstunden an Fan-Energie. Selbst schuld, wer sich mit Hansa in den vergangenen Jahren identifizierte. Auf die Dauer lähmt das mental, macht impotent und zerstört Familien. Wer es noch nicht gemerkt hat: Die Entwicklung der Region hat weder mit dem Misserfolg noch mit dem miserablen Image von Hansa etwas zu tun. Von Jahr zu Jahr kommen mehr Touristen nach M-V, obwohl das Nazi-Pack, das sich unter den Fans breit gemacht hat, seit Jahren bei Auswärtsspielen mit rechtsradikalen Äußerungen und Prügeleien Negativ-Schlagzeilen produziert, obwohl ehemalige Hansa-Spieler beim Kokaindealen erwischt werden. Obwohl Spieler, Trainer und Vorstände unter undurchsichtigen Umständen rausgeschmissen oder kaltgestellt werden.
Liebe Leute, macht mal halblang und holt die Kirche wieder zurück ins Dorf: Die Dinge, auf die man hier stolz sein kann, sind schon seit Jahren woanders. FS

Eins vornweg: Mutti hat sich noch nie beschwert – in Bezug auf Blumen und Bienen. Und ich fiebere mit Hansa seit Jahren mit.

Ich habe unseren Pressesprecher Lehmann gleich mal angerufen und gefragt, wer denn dieses FS ist. Lehmann sagte: „Wer?“ Meine Antwort: „Na dieser Hansa-Experte vom Ostsee-Anzeiger.“ Lehmann schüttelte darauf den Kopf. Meinte aber, er wolle sich schlau machen. Und weil der Lehmann ja alle seine Freunde kennt, musste ich nicht lange warten. Der gute Mann, der sich so nett hinter seinen Initialen versteckt, heißt Frank Schlößer. Lehmann: „Der hat aber konsequent noch nie eine Pressekonferenz von uns besucht. Und als Journalist hat der sich auch noch nie für ein Spiel akkreditiert.“ Ich darauf zu Lehmann: „Und nun?“ Und welche Antwort kriege ich von Lehmann? „Es ist Zeit für Internus. Konsequent.“

Und da sitze ich nun hier in meiner Küche – Mutti ist gerade auf ihrem Fitnessgerät. Lese immer wieder diese Verbalakrobatik des Ostsee-Anzeigers und versuche, mir diesen Herrn Schlösser vorzustellen. Mein Bild? Habe keins. Und da ich keine Ahnung von diesem netten Zeitgenossen habe, erlaube ich mir auch nicht, über ihn zu schreiben. Denn: Wir sind ja hier bei Expertengesprächen. Und ich bin kein Schlößer-Experte.

Dennoch: Warum hat der gute Mann nicht mal mit einem von Hansa gesprochen? Muss man das nicht mehr im heutigen Journalismus? Wenn ich beispielsweise Mutti einen Rat über Blutflecken am Hemdkragen geben soll, dann geh ich vorher zu den Zeugwart-Experten Onko und Andy. Ohne Hintergrundinfos könnte ich auch zu Mutti sagen: „Schmeiß einfach einen Ostsee-Anzeiger mit in die Waschmaschine“ Das Ergebnis: Keine saubere Wäsche, Ärger mit Mutti und eine schöne Rechnung des Waschmaschinenmonteurs…braucht kein Mensch, genau so wie diesen geistigen Erguss des Herrn Schlößer.

Oh Telefon klingelt, Lehmann ist am Apparat. Der hat doch glatt noch mit Herrn Schlößer gesprochen. Und, frage ich? Lehmann erklärt: „Herr Schlößer war seit zwei Jahren nicht im Stadion. Nach seiner Aussage macht er es nicht, da er sich da ja nur die Beine in den Bauch steht und Hansa eh nur immer verliert. Ihn nervt es auch, dass mehr über Hansa geschrieben wird als über die Werftenkrise. Zudem kann er es nicht verstehen, dass jetzt schon Spieler aus dem Ausland gekauft werden für so viel Geld, das versteht seiner Meinung nach kein Mensch, wenn man sieht, was dabei am Ende rauskommt. Und dann sagte er auch noch: Wenn jemand denkt, das ist ein seriöser Artikel, dann muss man sagen, es ist Satire. Angesprochen auf die rechtsradikalen Äußerungen meinte er, das steht doch in der Zeitung und Freunde würden das auch sagen.“

Lehmann schweigt plötzlich am anderen Ende der Leitung. Lebst du noch, frage ich unseren Pressesprecher. Lehmann: „Konsequent. Überlege mir gerade, ob ich Herrn Schlößer zum Spiel einladen sollte oder nicht.“ Ich zu Lehmann: „Konsequent nie aufgeben. Das hilft auch immer bei Mutti…“

Mutti ist gerade vom Fitnessgerät gestiegen und lächelt mich so verführerisch an. Zum Glück ist das mit der Impotenz ja auch nur Satire von Herrn Schlößer.

Zurück