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13.10.2011 17:43 Uhr

Die Löwen im Check – Eine Saison im Auf und Ab

Noch im Frühjahr dieses Jahres war die Zukunft des Münchner Traditionsvereines 1860 sehr ungewiss. Der finanzielle Kollaps drohte, die Lizenzerteilung war alles andere als sicher.  Nach zähen Verhandlungen mit Gläubigern und Investoren, einigen Spielertransfers und Personalwechseln in der Führungsetage, konnte zum 31.Mai 2011 ein Geldgeber überzeugt werden, die Hauptanteile des Clubs zu übernehmen. Dass man die vorangegangene Saison im gesicherten Mittelfeld abschloss, trug sicherlich dazu bei, dass sich der Jordanier Hasan Ismaik überzeugen ließ, bei 1860 finanziell „einzusteigen“. Der Geschäftsmann übernahm 60% der Anteile, da die 50+1-Regel jedoch eingehalten werden musste, nur 49% der Stimmanteile des Vereins.
Seitdem hat sich die Situation bei den angeschlagenen „Sechzgern“ deutlich entspannt. Auch sportlich läuft es wieder besser, auch wenn noch nicht alle Wogen geglättet scheinen, denn in dieser Saison gab es ein fast ständiges Auf und Ab.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Münchner entweder die Spiele oftmals klar für sich entschieden (5 Siege, 18:2 Tore) oder recht deutlich verloren geben mussten (5 Niederlagen, 6:16 Tore). Eine Punkteteilung gab es bislang noch nicht, Sechzig spielte nach dem Motto: „Hop oder Top!“.

Blickpunkt Offensive & Defensive: Vorne Hui, hinten Pfui

Die Mannschaft um Trainer Reiner Maurer besitzt vor allem eine Stärke: den Angriff. Mit 24 Treffern besitzen die Bayern gemeinsam mit Fortuna Düsseldorf den zweitbesten Angriff der Liga. Doch so stark wie sich die Münchner Offensive bislang präsentierte, so schwach waren mitunter auch die Leistungen in den Defensivreihen.

Torhüter Gabor Kiraly, der mit Unterbrechungen schon seit 1997 in den deutschen Bundesligen unterwegs ist, musste bereits 18 Mal hinter sich greifen und machte nicht immer den sichersten Eindruck. Der 35-jährige Ungar, dessen graue Jogginghose sein Markenzeichen ist, wurde aber nicht selten von seinen Vorderleuten im Stich gelassen.
Dabei handelt es sich vor allem um die mitunter schwache Abwehrreihe der Löwen. Mit Collin Benjamin (32 Jahre), Stefan Buck (31), Necat Aygün (31), aber auch Kai Bülow (25) verfügen die Münchner eigentlich über erfahrenes Personal, die ihr Können mitunter auch schon in der ersten Liga unter Beweis stellten. Gerade bei Stefan Buck, der mit einem Kicker-Notenschnitt von 4,58 und bereits zwei Platzverweisen aufwartet, muss man von einem Unsicherheitsfaktor sprechen. Genau wie das Rostocker Eigengewächs Kai Bülow, der am vorletzten Spieltag „Rot“ sah, kann er, weil gesperrt, nicht gegen den F.C. Hansa auflaufen. Doch die Alternativen sind für den Coach der „Sechzger“, nicht reich gesät. Auch der etatmäßige Rechtsverteidiger Antonio Rukavina (27), der für Borussia Dortmund auf 19 Bundesligaeinsätze verweisen kann, war bislang nicht in der Lage der instabilen Viererkette der Münchner Löwen Halt zu geben.
Problematisch sind für Reiner Maurer natürlich auch die zahlreichen Platzverweise, die seine Abwehrspieler bereits hinnehmen mussten, denn so muss der 51-jährige häufig die Formation umstellen und kann sich nicht auf eine abgestimmte Verteidigung verlassen.

Vorne läuft es: Torhunger in der Offensive

In dem von den Löwen praktizierten 4-4-2- System stellen Daniel Bierofka (32) und der 23-jährige Dominik Stahl die beiden „Sechser“. Doch diese Formation existiert vornehmlich auf dem Papier, denn Daniel Bierofka, der seine Qualitäten auch als Spielgestalter hat, stößt häufig in die sich ergebenen Räume hinter den Spitzen und kann so seine Torgefahr nachweisen. In dieser Spielzeit traf der Routinier bereits zweimal, legte 1 weiteres Tor auf und überzeugte mit einem starken Notenschnitt von 2,83. Dominik Stahl hingegen übernimmt vornehmlich defensivere Aufgaben und sichert die „Ausflüge“ seines Nebenmannes ab. Auf den Flügelpositionen verfügen die Löwen über zwei sehr schnelle Akteure. Links, Daniel Halfar (23) und rechts, Stefan Aigner (24) verfügen sowohl über die Fähigkeit sich in 1-gegen-1- Situationen durchzusetzen, als auch gefährlich selbst zum Abschluss zu kommen. Halfar traf bislang dreimal, Aigner sogar einmal mehr.
Insgesamt ist die Offensive der „Sechzger“ das Prunkstück und stich klar gegenüber der Defensive heraus. Ein Grund dafür ist sicherlich,  dass die Positionen prinzipiell fest vergeben sind, Laufwege sind den Mitspielern bekannt und viele Spielzüge wirken sehr verinnerlicht.

Ein Juwel im Sturm – aber nicht auf Dauer

Im Sturm gibt es mit Kapitän Benjamin Lauth (30) und dem Shooting-Star Kevin Volland (19) auch patente Abnehmer für die Zuspiele aus dem Mittelfeld. Gemeinsam haben die beiden bereits zehn Treffer markiert, Volland steuerte derer sechs bei. Der U-20 Nationalspieler beeindruckt mit überdurchschnittlicher Schnelligkeit, hoher Flexibilität auf den Offensivpositionen und seinem guten Auge für den Mitspieler. Zu seinen Toren bereitete er noch vier weitere Treffer vor und überzeugte stets mit hohem läuferischem Einsatz, ließ sich fallen, agierte so als hängende Spitze und war mit seinem starken linken Fuß für kreative Momente und überraschende Aktionen verantwortlich. Doch leider haben die Fans der Löwen nicht mehr lange Freude an dem Jungen, da er nur auf Leihbasis von 1899 Hoffenheim bis Juni 2012 an die Münchner gebunden ist und sogar darüber spekuliert wird, dass er schon in der Winterpause zu den Kraichgauern zurückkehren könnte. Nichtsdestotrotz wird er sein Potential auch am Freitag gegen Hansa in die Waagschale werfen. Aber auch Lauth müssen Rostocks Verteidiger auf dem Zettel haben. Letzte Saison mit 16 Toren erfolgreich, stellt er auch in dieser Saison immer wieder unter Beweis, wie wertvoll er für 1860 ist.

Heimstärke gebrochen – Dresden überrascht die "Löwen"

Auffällig ist bei den Bayern sicherlich die mangelnde Konstanz in dieser Saison. Auf starke und überzeugende Siege folgten teils heftige Niederlagen und gerade gegen die vermeintlich „Großen“ in der Liga zog man den Kürzeren (St. Pauli, Düsseldorf, Fürth). Zuletzt verlor man aber auch zu Hause erstmals und das gegen Hansas Mitaufsteiger Dynamo Dresden. Dabei überrumpelten die Dresdner die unterlegenen Münchner mit veränderter Taktik. Mit einem eher defensiveren 3-5-1-1 nutzten die Dresdner die sich bietenden Räume eiskalt aus und konterten die hilflos wirkenden Münchner aus. Zwischenzeitlich führte man sogar mit 4-0. Die Dresdner zeigten sich stets bissig und mit großer Bindung zum Gegenspieler - Mittel, mit denen man jeden Gegner in Bedrängnis bringen kann.

Investor Hasan Ismaik, der zum Teil die Heimspiele „seines“ neuen Clubs auch auf der Tribüne miterlebt, hat noch großes  vor. Die 1. Bundesliga soll da nur ein mittelfristiges Ziel sein. Doch zuerst müssen die „Sechzger“ erst einmal bei uns Rostockern bestehen und auswärts taten sich die Löwen bislang schwer.

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