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24.04.2012 16:27 Uhr

Die Partie beim FC St. Pauli: (K)ein normales Fußballspiel

Am vergangenen Sonntag (22. April 2012) fand am Millerntor-Stadion zu Hamburg das Zweitligaspiel des FC St. Pauli gegen den F.C. Hansa Rostock statt.

Statt lautstark ihre Mannschaft im Abstiegskampf im Stadion unterstützen zu können, waren die Hansa-Fans nach dem Verbot des Kartenerwerbs gezwungen, auf den Straßen Hamburgs für ihr ureigenes Recht zu demonstrieren: Als Fußball-Fan ein eminent wichtiges Spiel live im Stadion sehen zu dürfen. Die im Vorfeld von der ortsansässigen Polizei und diversen Medien prophezeiten „Horrorszenarien“ sind auf Rostocker Seite ausgeblieben. Stattdessen demonstrierten 2.700 Hansa-Fans vorbildlich, friedlich und laut für ihr Recht, gegen Pauschalisierung und den Ausschluss aus dem Stadion.

In Auswertung dieser oben genannten Begegnung, stellen wir hinsichtlich der damit einhergehenden juristischen, moralischen und öffentlichkeitswirksamen Begleiterscheinungen fest:

1. Die Hamburger Polizei hatte dem FC St. Pauli im Vorfeld der oben genannten Partie per Unterlassungsverfügung untersagt, seinen Gästen ihr definiertes Kartenkontingent zur Verfügung zu stellen. Hier sei die Anmerkung gestattet, dass es wünschenswert gewesen wäre, die beteiligten Vereine vor solch einer weitreichenden Verfügung in diese Überlegung einzubeziehen, bevor öffentlich eine Faktenlage von solch enormer Tragweite für den Fußballsport in Deutschland geschaffen wird.

In der Begründung wurde dabei auf die nicht unerheblichen Vorkommnisse in der Vergangenheit, wenn diese beiden Mannschaften und ihre Fanlager aufeinander getroffen sind, abgestellt. Ohne diesen Fakt zu negieren, bleibt es insofern bedauerlich, als dass beide Vereine unisono im Vorfeld darauf hingewiesen haben, dass es probatere Mittel gegeben hätte, um für ein friedliches Fußballfest zu sorgen.

Statt auf einer Datei mit selbst für den Urheber offensichtlich unbekanntem Inhalt zu beharren, wäre es unseres Erachtens klüger gewesen, die bekannten potentiellen Gewalttäter mit Stadion- bzw. Hausverbot mit Hilfe personalisierter Eintrittskarten auszuschließen. Eine zentrale Anreise hätte dieses Maßnahmenpaket seriös abgerundet, ohne pauschal Tausende Menschen zu kriminalisieren und auszugrenzen.

Das Verwaltungs- und das Oberverwaltungsgericht in Hamburg bestätigten die Verfügung der Hamburger Polizei. Allerdings zeigte das Oberverwaltungsgericht rechtliche Zweifel auf, die sowohl uns als auch den FC St. Pauli optimistisch stimmen, dass der FC St. Pauli im Hauptsacheverfahren obsiegen wird.

So wurde die gesamte Bundesrepublik am vergangenen Sonntag Zeuge, dass der „Alleingang“ der Hamburger Polizei sowohl überflüssig, kostenintensiv als auch wenig zielführend war. Es bleibt also festzuhalten, dass nach unserer Meinung die Polizei Hamburg den Sachverhalt nicht differenziert genug und letztendlich falsch bewertet hat.

2. Bedenklich und in hohem Maße irritierend waren für uns ebenso die Äußerungen einiger Mitarbeiter des Deutschen Fußball-Bundes. Die Gefahr, dass dieses Novum des pauschalen Ausschlusses von Gästefans einen Präzedenzfall schafft und die Rechte der Vereine und auch des Verbandes in Zukunft entscheidend beschneiden könnte, wurde nicht erkannt und stillschweigend toleriert. Statt die Verfügung öffentlichkeitswirksam abzunicken und tatenlos mit anzusehen, wie in die Belange der Vereine eingegriffen wurde, hätte es dem Verband als Interessenvertreter der Vereine gut zu Gesicht gestanden, sich schützend vor seine Clubs zu stellen, selbst aktiv zu regulieren, zu intervenieren oder zumindest zwischen den Parteien zu moderieren.

3. Wir fordern auch die Medien und die Öffentlichkeit dazu auf und bitten darum, künftig differenzierter und verantwortungsvoller mit den angesprochenen Themen umzugehen. Vereine und ihre in der weit überwiegenden Mehrheit friedlichen Fans unreflektiert an den Pranger zu stellen, birgt eine hohe Gefahr der Stigmatisierung. Aus diesem Grund bitten wir Sie in Zukunft das gesamtgesellschaftliche Problem in seinem ganzen Umfang zu bewerten. Ihnen wird ebenso ein hohes Maß an Verantwortung zu Teil, um den schleichenden Prozess des Sittenverfalls aus unserer Mitte zu verbannen.

Lassen Sie uns alle zusammen, jeder für sich, einen Teil dazu beitragen, dass die einzelnen Straftäter aus unserer Gesellschaft und somit aus den Stadien verbannt werden. Wir sollten es uns nicht zu einfach machen und pauschal eine Vielzahl von Menschen in „Sippenhaft“ nehmen, nur weil es bequemer zu sein scheint. Wir müssen den Weg des geringsten Widerstandes verlassen und den viel zitierten politischen Schulterschluss nun auch mit Leben füllen.

Wir bedanken uns bei den Organisatoren der friedlichen Demonstration für die verantwortungsvolle Durchführung und hoffen, dass diese autonome Entscheidung von höchster Stelle und die damit verbundenen Folgen ein „Mahnmal“ und Einzelfall in der Geschichte des deutschen Fußballs bleibt.

Der Vorstand
F.C. Hansa Rostock

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