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21.11.2008 15:57 Uhr

Dieter Eilts: Ich muss die Bereitschaft zu Höchstleistungen und den Willen zum Erfolg sehen!

Ein einstiger Europameister ist neuer Trainer des F.C. Hansa Rostock: Dieter Eilts (43). Der Ostfriese, der einen Kontrakt bis 2010 unterzeichnen wird, kommt mit der Erfahrung von 390 Pflichtspielen für Werder Bremen und 31 Länderspielen als neuer Hansa-Trainer an die Ostseeküste. Hansa-Online gab Dieter Eilts sein erstes Interview nach der Vertragsunterzeichnung. 

Als in Deutschland die Mauer fiel, kam Vize-Weltmeister Uwe Reinders aus Achim bei Bremen nach Rostock und machte den F.C. Hansa Rostock zum letzten NOFV-Meister sowie Pokalsieger der DDR und führte den Verein erstmals in die Bundesliga. Sie kommen auch aus Bremen. Was ist Ihr Ziel?

Dieter Eilts: Jeder kennt unsere Tabellensituation. Ziel kann es nur sein, sofort die Talfahrt der Mannschaft zu stoppen. Danach müssen wir uns stabilisieren und aus den unteren Tabellenregionen schnell wieder wegkommen. Dann müssen wir sehen, was möglich ist.

Herr Eilts, welche Bedingungen haben Sie beim Rundgang durch die DKB-Arena vorgefunden?

Dieter Eilts: Die Bedingungen des F.C. Hansa sind absolut die eines Bundesligisten. Was ich hier gesehen habe, ist wirklich imponierend. Das Umfeld ist tatsächlich sehr gut.

Wie sehen die nächsten Tage für Sie aus?

Dieter Eilts: Ich habe hier noch einige Dinge in Bremen abzuklären, bin dann ab Sonntagabend in Rostock. Zwischenzeitlich stehe ich in ständigem Kontakt zu Interimstrainer Juri Schlünz. Wir besprechen schon jetzt alles auf dem kurzen Dienstweg.

Wie und wann kam der Kontakt zwischen Ihnen und Hansa zu Stande?

Dieter Eilts: Lizenzchef Herbert Maronn hat mich vor einer Woche angerufen und mir die Aufgabe angetragen. Ich gestehe ehrlich: Ich war Feuer und Flamme. Wirklich. Denn ich wusste ja, die Strukturen des Vereins sind gut. Alles andere müssen wir wieder in die richtigen Bahnen kriegen.

Eben noch ranghöchster Nachwuchstrainer des DFB, nun Fußball-Lehrer des Zweitligisten F.C. Hansa Rostock. Wie beurteilen Sie diesen Wechsel?

Dieter Eilts: Die Aufgabe ist absolut reizvoll für mich. Ich habe als Spieler und Trainer gezeigt, dass ich mit schwierigen Situationen klar komme. Ich sehe in diesem Wechsel keine Probleme. Ich kenne die Arbeit an einer Mannschaft aus Bremer Zeiten und ich kenne die Arbeit mit jungen Profis aus der DFB-Zeit. Ich sehe wirklich keinerlei Probleme in diesem schnellen Wechsel.

Als DFB-Trainer waren Sie einige Male in Rostock zur Spielbeobachtung. Sie haben den Ex-Rostocker Toni Kroos ebenso in die U21 geholt wie Kai Bülow, Kevin Schindler und Fin Bartels.

Dieter Eilts: Als DFB-Trainer reist man zu vielen Spielen. Klar, Bülow, Schindler, Bartels kenne ich gut. Die anderen werde ich schnell kennenlernen. Ich bin hier in Rostock neugierig auf alles. Im Übrigen hatte ich die Begegnung der Rostocker gegen Mainz in Rostock gesehen und kein schlechtes Spiel damit erwischt.

Sie werden am Sonntag um 17 Uhr in Rostock vorgestellt und sitzen am nächsten Tag gegen den TSV 1860 München auch schon auf der Hansa-Bank. Ist das nicht sehr problematisch, eine Mannschaft zu betreuen, die Sie noch nicht kennen und die momentan in der Tabelle der 2. Liga relativ schlecht steht?

Dieter Eilts: Ich sagte ja schon, ich habe einen ganz kurzen Draht zu Juri Schlünz und ich habe mich über die aktuelle Situation im Verein und in der Mannschaft sehr gut informiert.

Wo haben Sie das 0:6 der Mannschaft gegen den 1. FC Kaiserlautern erlebt?

Dieter Eilts: Am Fernsehgerät.

Waren Sie da immer noch Feuer und Flamme von der neuen Aufgabe?

Dieter Eilts: Das Spiel hatte auf meine Entscheidung für die Aufgabe keinen Einfluss. Die Mannschaft und die Spieler haben doch alle mehr Potenzial, als es dieser Abend gezeigt hat.

Sie unterschreiben einen Vertrag bis 2010 in Rostock. Welche Ziele haben Sie?

Dieter Eilts: Erst einmal müssen wir die Lage stabilisieren. Ich sage bewusst wir. Hier ist absolut jeder gefordert, der Trainer, der Spieler, jeder Mitarbeiter, jeder Fan. Schwierige Situationen kann man im Sport nicht allein, sondern nur in der Gemeinschaft bewältigen. Wichtig ist doch, dass wir jetzt alle an einem Strang ziehen und unsere Lage verbessern. Wir müssen so schnell wie möglich das Optimum für Hansa rausholen.

Mit welchem Anspruch und mit welcher Art Fußball wollen Sie Ihre neue Aufgabe angehen?

Dieter Eilts: Wer die Spiele unserer U21 gesehen hat, der weiß, dass wir dort gepflegten Offensivfußball gespielt haben. Ich tendiere also zum Angriffsfußball.

Welche Ansprüche haben Sie an einen Spieler?

Dieter Eilts: Ich erwarte von jedem, dass er seinen  Beruf ernst nimmt, sich in die Aufgabe kniet, sein Bestes gibt und leidenschaftlich hinter der Aufgabe der Mannschaft steht. Ich möchte die Bereitschaft sehen, dass sich jeder jeden Tag weiterentwickeln will. Diese Bereitschaft muss zu 100 Prozent da sein. Fehler kann man machen. Aber man muss die Bereitschaft zu Höchstleistungen und den Willen zum Erfolg jeden Tag, jede Minute sehen. Das erwarten auch die Fans von uns und die haben ein gutes Gespür für die Situation.

Was erwarten Sie von den Hansa-Fans?

Dieter Eilts: Dass sie hinter uns stehen und uns Sicherheit geben. Der Funke muss aber dazu von uns unten nach oben zünden. Ich bin optimistisch, dass dies passieren wird.

Haben Sie eine Zusicherung, dass Sie die Mannschaft in der Halbserie verstärken können?

Dieter Eilts: Darüber haben wir in der Kürze der Zeit noch nicht geredet. Wir werden dieses Thema aber ganz sicher noch besprechen und unsere Möglichkeiten ausschöpfen.

Sie haben als Stürmer begonnen und sind als Abwehrspieler berühmt geworden. Stehen sie für „Die Null muss stehen“, wie es Huub Stevens immer sagte, oder für Otto Rehhagels „kontrollierte Offensive“?

Dieter Eilts: Als Mannschaft müssen wir kompakt stehen. Ganz klar. Aber wir müssen auch mutig nach vorne agieren. Aber nochmals, unsere erste Aufgabe ist es jetzt, Stabilität in der Mannschaft und in der Liga zu schaffen.

Apropos Otto Rehhagel, was war das Wesentliche, was Sie von ihm haben lernen können?

Dieter Eilts: Das ruhige, besonnene Arbeiten!

Wie kamen Sie auf Mike Barten als Co-Trainer?

Dieter Eilts: Ich kenne Mike aus meiner Zeit bei Werder, er ist ein engagierter, junger, ehrgeiziger Arbeiter mit viel Entwicklungspotenzial.

Erinnern Sie sich noch an 1990 und das Vereinigungsspiel in Stuttgart, als Sie wie Ihr jetziger Torwarttrainer Perry Bräutigam gegen die Schweiz nicht zum Einsatz kamen?

Dieter Eilts: Ja, das war damals unter Berti Vogts ein historisches Spiel.

Werden Sie mit Ihrer Familie jetzt auch von Bremen nach Rostock ziehen?

Dieter Eilts: Erst einmal werde ich allein nach Rostock kommen.

Haben Sie Kontakt zu Ihrem Vorgänger Frank Pagelsdorf gehabt?

Dieter Eilts: Nein, er ist, so viel ich weiß, im Urlaub. Ich habe einst aber mit Andreas Zachhuber, einem ehemaligen Hansa-Trainer, meinen Trainerschein gemacht. Mit dem stehe ich seit 2002 immer in Verbindung. Ihn habe ich auch jetzt kontaktiert.

Bislang haben Sie nur die Werder-Raute und den Bundes-Adler auf dem Trikot bzw. auf der Jacke gehabt. Mit welchem Gefühl werden Sie nun die Sachen mit der Kogge überstreifen?

Dieter Eilts: Ich kann meine Gefühle im Vorfeld nicht beschreiben. Man wird es sehen. Aber es wird ein ungewohntes Gefühl sein. Doch ich sagte schon, ich bin Feuer und Flamme für diese Aufgabe.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie am Montag in das Spiel gegen den TSV 1860 München und wie haben Sie sich auf diese Aufgabe vorbereitet?

Dieter Eilts: Auch hier kann ich noch nicht über meine Gefühlslage sprechen. Ich weiß nur: Mit Juri, den ich ja schon lange kenne, werden wir alles tun, um gut auf unsere Aufgabe vorbereitet zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim F.C. Hansa.

 

 

 

 


 

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