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22.10.2011 05:00 Uhr

Dr. Helmut Hergesell feiert 70. Geburtstag

Unglaublich, aber wahr: Dr. Helmut Hergesell feiert nun schon seinen 70. Geburtstag.
Der Mann, den alle nur „Doktor“ oder „Metzer“ riefen, sieht dabei aus wie das blühende Leben. Wer ihn sucht, der findet ihn in der Regel auf dem Golfplatz in Warnemünde, zwischen Elmenhorst und Diedrichshagen. Mit dem Fahrrad fährt er dann von seiner Laube am Waldessaum rüber auf die Golfanlage. Frisch, erholt, immer gut drauf. Kürzlich erwischten wir ihn, als er seinen Enkel zum Feriencamp der F.C. Hansa Fußballschule brachte. Hier traf er dann auch den Mann, der für ihn eine Art Brücke zu seinem einstigen Verein ist: Stefan Beinlich. Die beiden Hobby-Golfer verabreden sich von Zeit zu Zeit auf dem „Grün“ und reden Loch für Loch nur über Hansa und den Fußball. Nun also gratuliert der F.C. Hansa dem „Doktor“ ganz herzlich zu seinem 70. Geburtstag.

Das Porträt

Der Rauswurf von Trainer Heinz Werner während der Halbzeit-Pause des Spiels F.C. Hansa Rostock – FC Carl Zeis Jena (0:2) am 8. März 1975 durch den damaligen SED-Funktionär Harry Tisch hatte Hansas Klubvorsitzender Rudi Alms in Trainer-Not gebracht. Werner musste tatsächlich seine Koffer packen und ein neuer Mann gefunden werden. Rudi Alms, erst zwei Monate im Amt, schwitzte und diskutierte. Erst mit Heinz Lange, dem 2. Sekretär der SED in Rostock, dann mit Peter Hamann, dem Vorsitzenden des Bezirksvorstandes des DTSB in der Küstenstadt.
Am 10. März 1975 stand fest: Der junge Helmut Hergesell, Trainer der B-Junioren, sollte die Aufgabe mit Werner Drews übernehmen. Ein Verteidiger und ein Angreifer aus besten Empor-Zeiten sollten die untergehende Kogge retten.
Aber: Hansa wurde 13. am Ende der Saison, stieg wie Lokalrivale Stralsund ab. So kam also Helmut Hergesell ans Ruder der Kogge. Dabei war Hergesell ein Mann, den Alms eigentlich aufgrund seiner Jugend nicht, oder besser noch nicht wollte, doch am Ende verantwortete er beim F.C. Hansa die Zeit zwischen dem 18. März 1975 und dem 30. November 1978.

Am 22. Oktober 1941 in München geboren, ging es mit elf Jahren an die Küste nach Greifswald, wo Helmut Hergesell zwischen 1952 und 1963 für Einheit Greifswald kickte. Dann der Wechsel nach Rostock, zum SC Empor! In seiner ersten Oberliga-Saison 1963/64 machte Helmut Hergesell 25 von 26 Spielen und erzielte vier Tore. Seine beiden letzten Oberliga-Spiele bestritt er im Dezember 1972 gegen Union (4:1) und Lok Leipzig (1:3). Als Helmut Hergesell seine Fußballschuhe nach 19 Jahren in Rostock an den Nagel hängte, standen 200 Spiele und 17 Tore in seiner Bilanz. Was folgte, war dann eine Achterbahnfahrt mit dem F.C. Hansa und ein Leben in vielen Jobs. Denn der promovierte Hochschul-Lehrer (Sport) blieb im Verein und half, wo Hilfe nötig war.
Es begann 1974 mit dem Job als Nachwuchstrainer. Danach war er Cheftrainer mit zwei Aufenthalten in der Liga (75/76, 77/78) und wechselte anschließend als 2. stellvertretender Vorstandsvorsitzender bzw. Vizepräsident auf die Geschäftsstelle des F.C. Hansa. Zwischenzeitlich arbeitete Helmut Hergesell allerdings auch an der Uni Rostock als Sportlehrer. Aber sein Meisterstück lieferte der „Doktor“ mit dem Ostsee-Stadion ab. Noch bevor in ganz Deutschland die Bundesligisten ihre Stadien mit Blick auf die WM 2006 aufrüsteten, hatte der F.C. Hansa die Finanzierung für das neue Stadion fertig und Präsident Eckhardt Rehberg am 2. April 2000 die Grundsteinlegung für die neue Arena vorgenommen. Die Verantwortung für den Bau legte Eckhardt Rehberg damals in die Hände von Geschäftsführer Dr. Helmut Hergesell und Marketing-Chef Ralf Gawlack, die Tag und Nacht an der Realisierung des Projekts arbeiteten. Am 25. Februar 2000 wurde nach dem 1:1 gegen Freiburg mit dem Abriss begonnen und zum Saisonanfang 2000/2001 stand zum ersten Spieltag gegen Schalke 04 schon die komplette Nordkurve (10.000 Plätze). In der sensationellen Bauzeit von nur 16 Monaten erlebte das rekonstruierte Ostseestadion zum Heimspielstart am 4. August 2001 mit dem Spiel Hansa gegen Leverkusen seine sportliche Einweihung.

10 Jahre am Stück bastelte Hergesell in der Bundesliga unter schwierigen Bedingungen für den Verein die Lizenzunterlagen zusammen, brachte sie stets selbst nach Frankfurt zum DFB bzw. zur DFL und Hansa bekam immer ohne Probleme die Lizenz! Auch die Bundesliga-Spiele in Rostock fanden im letzten Jahrzehnt nie ohne den „Doktor“ statt. Hergesell steht heute tatsächlich für einen besonderen Fall von Vereinstreue. Helmut über Hansa: „Der F.C. Hansa, der am 28. Dezember seinen 46. Geburtstag feiert, hat zwar eine relativ kurze Fußballgeschichte, aber es entwickelte sich ein Verein, der heute in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern tief verwurzelt ist.“ Bitter: Als Dr. Helmut Hergesell am Saisonende 2004/2005 in Pension ging, stieg Hansa aus der Bundesliga ab. Heute schaut er sich die Spiele im TV an oder kommt selbst noch ab und zu ins Stadion.

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