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08.11.2005 17:05 Uhr

Drei Neuseeländer in Rostock

Sie kommen vom anderen Teil dieser Welt, sind mehr als 24 Stunden  Flugzeit von zu Hause weg: Ihre Namen sind Mikhail Bredeveldt, Darren-Paul White (-B-Junioren) und Cole Peverly (A-Junioren). Ihre Gemeinsamkeit, sie sind zwischen 16 und 18 Jahre und sie kommen allesamt aus Neuseeland, sind Austauschschüler in Deutschland und spielen Fußball für den F.C. Hansa. Ihr Ziel: Sie wollen Profis werden. Ihr „Zu Hause“ ist das Internat, ihre Wegbegleiter sind Paten-Eltern, „Herbergsleiter“ Gerd Ehlers, Lehrer der Real-Schule in der Heinrich-Schütz-Straße in Rostock, Trainer wie Herrmann Hagen, Thomas Finck oder Gerald Dorbritz, sind Kumpels und Landsleute wie Cameron Madley oder Mikhail Muathy, die momentan für den FSV Bentwisch kicken. Ihre Stimmung und ihr Heimweh wird von Erfolg und Misserfolg bestimmt, von guten und schlechten Zensuren, von Erfolgserlebnissen und einer abwechslungsreichen Freizeit.
Es sind Jungs mit Talent, Burschen mit Charakter, Fußballer mit Fleiß, Schüler mit ordentlichen Zensuren, aber vor allem Kicker, die für eine Zukunft am Ball große Entbehrungen auf sich genommen haben, ohne zu wissen, ob sie einmal den Lohn für den Schweiß von Training und Schule einheimsen werden.
Ein deutscher Trainer namens Brüggmann in Okland, der für seine umfangreiche Konditionsarbeit bekannt ist, und Hansa-Trainer Herrmann Hagen bei einem Turnier in Bad Herzfeld haben die Schüler auf Deutschland-Tournee gescoutet. Dann kam der Domino-Effekt Richtung Rostock, erst landete Cole 2001 hier bei Hansa, dann Darren 2003, dann Mikhail 2004.
Der neuseeländische „Hansa-Primus“ ist Cole Peverly, er wechselte gerade von den B- in die A-Junioren, er holte mit Darren-Paul White gerade die deutsche Vize-Meisterschaft.
Cole ist auch cool für sein Alter. Sein Vorbild ist Wynton Rufer, Neuseelands größter Star, ein Landsmann der es über die Bundesliga zum Ruhm im eigenen Lande geschafft hat.
Cole ist Patriot mit britischem Einschlag. In seinem Zimmer hängt die Landesfahne von Neuseeland, seine Bettwäsche ist vom FC Liverpool, ein Shirt von Celtic Glasgow, im Schrank liegt fein säuberlich das eigene Nationaltrikot mit seinem Namen. Sein Zimmer teilt er sich mit Darren, der als Fußballer auch noch einen englischen Pass hat.
Cole möchte es besser machen als sein Bruder Regan. Der hat mit 20 Jahren einst schon bei Westbromwich Albion in der Premiere League gespielt und mit 20 Jahren „seine Karriere weggeschmissen“, wie es der Hansa-Junioren-Spieler ausdrückt. Regan ist einfach zurück. Cole: „Jetzt hat er eine hübsche Freundin und ist Bademeister zu Hause…“
Cole Peverly hat auch eine Freundin. Viele Bilder zieren das Zimmer, aber der Fußballer in Ausbildung hat nur wenig Zeit für sie. Trotzdem, Cole absolviert das Schulprogramm, reist das Trainingsprogramm runter. „Ich habe hier eine große Chance. Die muss ich nutzen. Es ist nicht leicht für uns hier, die Heimat ist weit, die Probleme sind manchmal groß, aber das Ziel ist nah. Ich weiß genau: Ich muss gut in der Schule sein, sonst kann ich den Fußball knicken. In Neuseeland ginge das nicht. Da war ich ein schlechter Schüler, heute mache ich die 10 Klasse und bin besser als je zuvor.“
Cole’s Glück. Sein Vater Mathew ist Schuster und Trainer und der kannte Wynton Rufer. Mit sechs Jahren spielte er bei seinem Daddy schon bei den „Wyners“, später düste er durch Europa, kickte er für die „Fenceables“ Okland. Rufer half mit.
Im Juli 2001 dann die Frage, Cole, willst du nach Europa? Peverly sagte laut „YES!“ Erst blieb er fünf Monate zur Probe, heute ist er einer der ältesten im Jugend-Internat des Vereins, spricht perfekt deutsch wie alle Neuseeländer.
Dieser Wechsel hat ihm allerdings den Stammplatz in der Jugendnationalmannschaft zu Hause gekostet. Coach Ricky Herbert war dagegen, dem war die Distanz zu lang. Er hat ihn so einfach rausgeschmissen. Cole: „Ich war 15 Jahre, Kapitän und hatte elf Länderspiele. Plötzlich war alles aus. Ich war enttäuscht und habe nie wieder etwas von dem gehört.“
Irgendwie muss Coach Ricky Herbert aber doch von der sensationellen Entwicklung der Neuseeländer von Hansa und dem Gewinn der deutschen Vize-Meisterschaft der B-Junioren erfahren haben. Denn als Cole im Sommer zu Hause war, erfuhr er von Darren Whites Mutter, Neuseeland spiele im nächsten Jahr in Fulham und die Rostocker sollen sich dafür einmal bereithalten, also auch Peverly.
Lohn für eine tolle persönliche Entwicklung oder den Finaleinzug gegen Hertha?
Cole Peverly: „Ich weiß es nicht. Aber Fakt ist, was ich in diesem Jahr erlebt habe ist wie ein Traum. Diese Spiele, das Finale, 5000 Zuschauer im Ostseestadion, irre. Natürlich ist man enttäuscht, wenn man so nahe am Sieg ist und verliert. Aber wir waren wie auf einer Wolke des Glücks. Ich trauere nicht, dass wir verloren haben Ich freue mich, dass wir dabei waren. In den Ferien habe ich alles meinen Eltern, meiner Schwester Denise, meinem Bruder Regan, meinen Freunden erzählt. Ich war stolz und das bissel Heimweh war auch weg. Es ist schwer so jung und ohne Familie zu sein. Aber das Ziel rückt dafür umso näher…“
Und wenn ihn doch das Heimweh mal plagt? Dann nimmt Cole das Telefon, schreibt dem Papa eine SMS und der ruft zurück…

 

 

 

 

 

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