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18.03.2014 14:47 Uhr

Ein rührendes Lebewohl: Hansa-Fan Heinz Gast nimmt Abschied

Viele Menschen haben zum Ende ihres Lebens einen großen Wunsch, etwas, dass ihnen Kraft gibt und auf das sie sich freuen. Der letzte Wunsch von Heinz Gast war ein Besuch bei „seinem Herzensklub“, dem F.C. Hansa Rostock. Und er ging in Erfüllung.

In dem Moment, in dem das Fahrzeug der niederländischen Stiftung „Ambulance Wens“ am Dienstagvormittag den Hansa-Trainingsplatz an der Kopernikusstraße erreicht, wird es kurz ganz still, als Fahrer Thijs Geuze und sein Kollege Hees Mertens einen Mann auf einem Krankenbett auf das Trainingsgeläuf schieben. Heinz Gast ist zu schwach zum Gehen, doch sein Wille, noch einmal dem F.C. Hansa nahe zu sein, ist umso größer. Der 66-jährige Anhänger der Kogge hat Krebs - und wollte sich verabschieden.

„Mein Vater ist gebürtiger Rostocker und seit seiner frühesten Kindheit ein absoluter Hansa-Fan. Mit einem Besuch der Hansestadt wollten wir ihm etwas Gutes tun, jetzt, wo es ihm durch den Krebs immer schlechter geht. Aus einer spontanen Idee, auch das Hansa-Gelände zu besichtigen, wurde dann kurzerhand noch viel mehr. Ich habe gesehen, wie glücklich mein Vater war, als die Spieler und Trainer nach dem Training zu uns kamen und wir danach sogar ins Stadion durften“, sagt Sohn Ronny, der seinen Vater nach Rostock begleitet hat.

Die innige Verbindung zur Hansestadt und ihrem bekanntesten Fußballverein wurde 1992 unterbrochen, als es die weiß-blaue Seele arbeitsbedingt in die Niederlande verschlug, wo er bis heute lebt. Doch die Trennung, so weiß Sohn Ronny, war und ist nur räumlicher Natur: „Mit dem Herzen ist er immer bei der Kogge gewesen. Dieser Abschied bedeutet ihm viel.“

Mithilfe der niederländischen Stiftung „Ambulance Wens“ wurde dieser auch möglich. Das Unternehmen hilft todkranken Menschen dabei, ihre letzten Wünsche zu erfüllen. „Fast 1300 waren es allein im vergangenen Jahr“, erklärt der Fahrer Thijs Geuze und ergänzt: „Manche möchten an die Nordsee oder ins Gebirge. Heinz wollte nach Rostock, zu Hansa.“

Für Heinz Gast, der mit seinem Vater schon zu Empor-Zeiten den Ostseekickern zujubelte, ist es der erste Besuch im Stadion seit fast sieben Jahren. Damals erlebte er nach dem 3:1-Sieg gegen Unterhaching die Aufstiegsfeier und die damit verbundene Rückkehr in die Bundesliga hautnah mit. Seine Stadionankunft am vergangenen Dienstag stellt einen weiteren besonderen Moment in der Beziehung zwischen dem Anhänger und seiner Liebe zur Kogge dar. Einen, der sogar von ganz oben entsprechend hofiert wird: Denn als der todkranke Hansa-Fan von seinem Chauffeur Thijs Geuze in die heutige DKB-Arena geschoben wird, durchbricht die Sonne den wolkenbedeckten Himmel und erleuchtet das Grün.

„Hansa“, ruft er dort unten am Spielfeldrand, immer wieder „Hansa“ und hebt dabei seinen Arm und ballt eine Faust. Es ist der letzte Besuch von Heinz Gast auf dem Gelände des F.C. Hansa und in der Hansestadt, in der er vor 66 Jahren das Licht der Welt erblickt hatte. Vor zwei Jahren wurde beim treuen Fan der Kogge Lungenkrebs diagnostiziert. Seit zwei Wochen ist er in einem niederländischen Hospiz, raus aus dem eigenen Zuhause. Den letzten Moment mit „seinem Herzensklub“ kann ihm jedoch keiner nehmen.

Der F.C. Hansa Rostock wünscht Ihnen das Beste Herr Gast.

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