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29.09.2011 15:48 Uhr

Erzgebirge Aue – Auf der Suche nach Konstanz

Schaut man auf die Homepage des FC Erzgebirge Aue, sieht man auf den ersten Blick mit welchem Image der Verein aus Sachsen kokettiert. Es ist das der Bergbau-Stadt und der harten Arbeit. Spieler und Trainer posieren im Dress der Erzgebirgler mit kohleverschmierten Gesichtern und den Werkzeugen eines Arbeiters „unter Tage“. Auch wenn von der Bergbau-Tradition der Stadt nicht mehr viel geblieben ist, die Mannschaft des FC Erzgebirge lebt diese Werte weiter, kürzlich erst geschehen beim sensationellen 3-2-Auswärtssieg beim FC St. Pauli. Dort konnte Aue mit großem Kämpferherz, aber auch mit einigen schönen Spielzügen den ersten Auswärtssieg landen und sich damit ein wenig aus dem Tabellenkeller befreien. Doch zuvor hatte die Überraschungsmannschaft der letzten Saison auch ihre Probleme in die Saison zu finden. Zwischen Spieltag drei und acht konnten nur drei Punkte eingefahren werden (3 Remis). Noch ist das Team von Trainer Rico Schmitt auf der Suche nach Konstanz und der Heimstärke der letzten Saison. Die Gegneranalyse untersucht Kaderstruktur, Taktik und Potenzial der "Veilchen".

Überraschung der Vorsaison - schweres zweites Jahr

In der letzten Saison, in der die Auer als Neuaufsteiger direkt auf Platz fünf landeten und gerade die Defensive mit lediglich 37 Gegentreffern auf sich aufmerksam machen konnte, dachte man, die Spieler der Sachsen würden Begehrlichkeiten anderer Klubs wecken. Doch ihre Stärke war das eingeschworene und stabile Kollektiv und so herrschte in der Sommerpause nur geringe Fluktuation im Kader. Wo andere Teams circa 20 Spieler kommen und gehen ließen, musste der FC Erzgebirge lediglich auf acht Akteure verzichten und holte derer fünf. Bemerkenswert dabei: Vier dieser fünf Neuzugänge sind gelernte Stürmer mit denen versucht werden sollte, die etwas schwächere Offensive zu stärken, denn mit nur 40 Treffern, war diese, für die Tabellenregion in der sich die Auer am Ende der Saison befanden, eigentlich zu harmlos. Den starken Tabellenplatz der Auer verdankten sie nicht zuletzt elf Siegen mit nur einem Tor Differenz und der großen Heimstärke (10 S, 4 U, 3 N).
Dass die zweite Saison, auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Auer, schwieriger wird, war allen Beteiligten klar. Denn gerade an der Heimstärke (nur 1 Sieg bislang) und dem einstigen Defensiv-Bollwerk, muss Rico Schmitt noch arbeiten.

Abwehr – Gewohnte Formation mit Standardschwäche

Wie auch im Jahr zuvor hütet Torwart Martin Männel (23 Jahre) den Kasten der Lila-Weißen und macht weiterhin mit guten bis starken Leistungen auf sich aufmerksam. Diese Konstanz setzt sich gerade in der Viererkette fort. Sie besteht mit Thomas Paulus (29) Pierre le Beau (25), dem Tunesier Adli Lachheb (24) und Kapitän René Klingbeil (30) aus exakt denselben Stammkräften. Gerade Thomas Paulus, auf den die Erzgebirgler beim letzten Spiel verzichten musste, ist häufig der „Turm in der Schlacht“ und dass nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,91m. Insgesamt besticht die Abwehr durch Kopfballpräsenz, denn auch Lachheb misst stolze 1,94m. Anfällig zeigen sich die Auer jedoch bei Standards. Insgesamt sieben Gegentore kassierten sie nach ruhendem Ball. Vielleicht liegt für den FCH hier eine Gelegenheit die eigene Standardschwäche zu überwinden und zum Torerfolg zu gelangen. Bisweilen zeigte sich die Abwehr auch in ihrer Gesamtheit nicht so kompakt und stabil, zumal 14 Gegentore zu Buche stehen. Auffällig war in der letzten Saison auch die Torgefahr der eigentlichen Defensivspezialisten. So steuerten sie insgesamt zwölf der 40 Tore bei. Diese Saison sind es derer null.

Bekannte Gesichter und viel Kampfgeist – das Auer Mittelfeld

In Schmitts 4-2-3-1-System, was heutzutage von der Mehrheit aller Teams gespielt wird, sind Marc Hensel (25) und der Ex-Rostocker Oliver Schröder (31) gesetzt. Hensel, der in der Vorsaison noch offensiver agierte und neun Tore und vier Assists beisteuerte, konnte seine Torgefahr in der laufenden Spielzeit noch nicht andeuten. Vor den beiden „Sechsern“ im offensiven Mittelfeld herrscht da schon etwas mehr Bewegung. Ist Kevin Schlitte (29), der auch ein Jahr für die Kogge auflief, noch auf seiner rechten Mittelfeldbahn gesetzt, spielt in der Zentrale mal der ehemalige Rostocker Torjäger Enrico Kern (32) oder der junge, aufstrebende Tobias Kempe (22). Auf der linken Bahn ist wiederum Jan Hochscheidt gesetzt, der nur im letzten Spiel auf die linke Seite wich und Schlitte dabei, als Ersatz für Paulus, auf die rechte Verteidigerposition zurückdrängte. Für ihn lief Guido Kocer (23) auf, der bekanntermaßen ebenfalls eine Rostocker Vergangenheit hat.

Vier Akteure also, die eine direkte Hansa-Historie aufweisen, aber hoffentlich Trainer Rico Schmitt nicht zu viele hilfreiche Tipps zur Gegnervorbereitung geben können.
Insgesamt gibt sich das Mittelfeld nicht so spiel- und vor allem offensivstark wie noch in der erfolgreichen vergangenen Runde. 19 Treffer sprangen durch die Angriffsbemühungen der etatmäßigen Mittelfeldspieler damals heraus, bislang sind es nur drei. Derzeit zeichnet sich das Mittelfeld eher durch ihre Kampfstärke aus und besinnt sich etwas zu häufig darauf, lediglich die Angriffe des Gegners zu unterbinden und deren Spielaufbau zu stören. Dies gelang aber, wie bei der 2-4-Heimnniederlage gegen Düsseldorf gesehen, auch zu selten.

Der Sturm in der Pflicht – Aue braucht Tore

Die mangelnde Entlastung durch das Mittelfeld, scheint bei den Sachsen eines der Hauptprobleme zu sein . Im letzten Jahr täuschte ihre Treffsicherheit noch über die mangelnden Torjägerqualitäten der gelernten Stürmer hinweg, heute sind diese stärker in der Pflicht. Im letzten Jahr gab es insgesamt nur acht (!) Stürmertore, sieben davon erzielte Enrico Kern, der noch als alleinige Spitze agierte. Sprich neben Kern, traf mit Alban Ramaj (25) nur noch ein gelernter Angreifer. In dieser Saison trafen immerhin schon vier verschiedene Stürmer. Neben Kern, Ramaj und dem vom VfL Wolfsburg gekommenen Mike Könnecke (23), traf der neue Stürmer Nummer eins Ronny König (28) immerhin zweimal. Die Auer Sturm-Hoffnung, die bereits für Wehen Wiesbaden und Rot-Weiß Oberhausen auf Torejagd ging, definiert sein Spiel vor allem über seinen wuchtigen Körper (1,90m, 96 Kg) und seine Kopfballstärke. Technisch beschlagen kann man den gebürtigen Sachsen jedoch nicht nennen.

Trainer Rico Schmitt, der als aktiver Spieler Ende der  80er Jahre für die BSG KKW Greifswald in der DDR-Liga auflief, kann mit der bisherigen Torausbeute nicht zufrieden sein und will im Heimspiel gegen Hansa Rostock weiter an der Offensivkraft feilen. Personell stehen ihm bei diesem Vorhaben prinzipiell alle Spieler zur Verfügung. Lediglich Paulus, der noch an einer Sprunggelenksverletzung laboriert ist fraglich. Auch auf den „12.Mann“, das treue Auer Publikum muss, im Gegensatz zu Hansa Rostock, der unter der Woche 43 Jahre alt gewordene Fußballlehrer nicht verzichten.
Hansa muss im Sparkassen-Erzgebirgsstadion hingegen auch ohne Fans zeigen, dass Sie auswärts punkten können. Morgen gegen 20 Uhr wissen wir mehr.

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