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09.08.2005 10:16 Uhr

Es geht um Stolz

„Es geht um Stolz und Selbstwertgefühl“
Rostocks Trainer Jörg Berger über den Fußball im Osten und Rostocks peinliche Niederlage zum Auftakt.

Herr Berger, zum Zweitliga-Auftakt blamierte sich Ihre Mannschaft gegen den Aufsteiger Kickers Offenbach...

... und ich habe deswegen heute früh bei unserer internen Aussprache deutliche Worte gefunden. Wir sind uns im Klaren, dass es das Schlechteste war, was uns passieren konnte. Ich hatte die Mannschaft gewarnt vor der Zweiten Liga.

Aber die Zweite Liga ist doch nicht stärker als die Erste?

Sie ist anders und deshalb schwer.

Das sehen die 26 000 Zuschauer, die Sonntag im Ostseestadion waren, vermutlich anders. Die wurden erst einmal verprellt.

Die Spieler haben auch gesehen, dass so viele Menschen da waren, und sie wussten um die Bedeutung des ersten Heimspiels. Aber vielleicht waren einige Spieler mental diesem Druck, dieser Erwartungshaltung, sofort wieder aufsteigen zu müssen, nicht gewachsen. Die Spieler, die wir dazubekommen haben, waren ja keine Stammspieler in ihren alten Vereinen, die müssen mit ihrer neuen Rolle erst einmal selber klarkommen.

Ganz offenbar gibt es im Osten eine große Sehnsucht nach erstklassigem Fußball. Wie wichtig ist eine schnelle Rückkehr in die Bundesliga?

Schon aus wirtschaftlicher Sicht ist für jeden Erstligaabsteiger ein schneller Wiederaufstieg wichtig. Das ist für Cottbus nicht anders als für 1860 München. Aber im Osten kommt noch die Besonderheit hinzu, dass es auch um Stolz und Selbstwertgefühl geht. Mit zu den Besten zu gehören, ist hier mehr wert als anderswo in der Republik.

Ist der Verein gedanklich noch nicht in der Zweiten Liga angekommen?

Der Verein faktisch schon, die Fans auch, denn die waren ja alle da. Aber leider wurde hier nur noch über die Höhe des Sieges gesprochen. Schon ein Unentschieden wäre schlecht gewesen. Aber wir dürfen nicht vergessen, was hier nach dem Abstieg passiert ist. Die Mannschaft befindet sich im Umbruch. Ich will nicht sagen, der Verein auch, aber Hansa war zehn Jahre hintereinander in der Bundesliga und steht jetzt vor einer neuen Herausforderung.

Wie viel Zeit hat die Mannschaft, um sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen?

Die Mannschaft wird wohl mehr Zeit bekommen als ich. Aber ich kenne das. Hier ist der Druck, sofort wieder aufsteigen zu müssen, sehr hoch. Die Ungeduld ist da, aber man muss der Mannschaft schon etwas Zeit geben. Wir haben fünf neue Spieler, die so noch nicht zusammengespielt haben. Aber an der bitteren Niederlage gegen Offenbach gibt es wirklich nichts zu beschönigen. Dieses Alibi habe ich den Spielern schon entzogen.

Es ist zu hören, dass der Verein noch zwei neue Spieler holen will.

Dass wir noch zwei Spieler verpflichten, ist klar. Wenn ich nur das Spiel gegen den Aufsteiger bewerte, in dem es zu viele Schwachpunkte gab, bräuchten wir noch mehrere. Eigentlich suchen wir noch Verstärkungen für das Mittelfeld und für die Abwehr. Aber bei aller Enttäuschung können wir nach einem Spieltag nicht alles in Frage stellen. Selbst wenn Schalke gegen Kaiserslautern verloren hätte, wäre Schalke für mich weiter ein Meisterschaftsaspirant. Auch für uns ist noch nichts verloren, aber bei 1860 München müssen wir anders auftreten.

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