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03.05.2012 10:22 Uhr

Ex-Hanseat Christian Rahn in Fürth: Zum Abschied der 4.Aufstieg

Christian Rahn – mit seinem Namen verbinden sich in Deutschland fünf Länderspiele, 117 Bundesliga-Begegnungen, 134 Zweitligaspiele sowie 22 Regionalligaspiele in den Staffeln Nord und Süd. Aber vor allem verbinden sich mit dem Blondschopf und Familienvater Christian Rahn (32) vier Aufstiege in die Fußball-Bundesliga. Erst mit St. Pauli, dann mit dem 1. FC Köln, mit dem F.C. Hansa und schließlich in diesem Jahr mit der SpVgg Greuther Fürth.

fc-hansa.de sprach mit Christian vor dem letzten Zweitligaspieltag in Rostock zwischen den Ostseestädtern und dem Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth am Sonntag um 13.30 Uhr in der DKB-Arena.

fc-hansa.de: Glückwunsch zum vierten persönlichen Aufstieg in die Bundesliga!
Christian Rahn: Danke, Danke. Das ist schon eine tolle Sache. Meine Freude ist nur etwas getrübt, da ich nur in der 1. Halbserie dreimal im Spiel war und das für 15 Minuten insgesamt. Das war nicht mein Anspruch. Aber, wer kann schon sagen, vier mal mit vier Teams aufgestiegen zu sein. Und eines wird nicht passieren: Ich kann nicht wie mit St. Pauli, Köln und Hansa mit Fürth nicht noch einmal direkt wieder absteigen. Denn ich gehe ja weg…

fc-hansa.de: Der Aufstieg mit der SpVgg bedeutet also gleichzeitig der Abschied vom Ronhof. Du bist ja am 33. Spieltag auch schon mit Stephan Schröck, Christian Rahn, Dani Schahin und Christian Dorda sowie Franco Flückiger ganz offiziell verabschiedet worden…
Christian Rahn: Ja, das stimmt. Mein Vertrag läuft hier aus. Ab Montag machen wir eine kleine Reise nach Mallorca mit dem Team, dann sind noch zwei Spiele und dann ist hier Schluss.

fc-hansa.de: Wie geht es nun bei Dir persönlich weiter?
Christian Rahn: Gute Frage. Mein Berater sucht gerade einen neuen Verein für mich. Aber ich werde im Sommer 33 und habe fast drei Jahre kaum Spiele im Profifußball gemacht. In diesem Jahr 2012 war ich ja nicht einmal im Kader der Mannschaft. Da wird es schwer, einen Verein zu finden. Dennoch bin ich optimistisch.

fc-hansa.de: Was traust Du Eurer Mannschaft in Rostock zu?
Christian Rahn: Unsere Jungs sind durch die letzten Monate in großer Euphorie, wollen die „Felge“, wollen den Titel der 2. Bundesliga, da ist dann schon ein Sieg Pflicht. In keinem Fall wird die Mannschaft das Spiel in Rostock abschenken. Wobei es mir leid tut, dass Hansa nun wieder abgestiegen ist.

fc-hansa.de: „Rahner“, Du warst von 2006 bis 2009 bei Hansa, hast mit 30 Spielen Anteil am Aufstieg in die Bundesliga unter Frank Pagelsdorf, hast danach 28 Bundesligaspielen und den Abstieg aus dem Oberhaus erlebt und schließlich noch einmal acht Zweitligaspiele und ein Regionalligaspiel gemacht. Wie siehst Du die Zeit an der Küste?
Christian Rahn: Ich habe mich mit meiner Familie hier sehr wohl gefühlt. Der Schritt, hier weg gehen zu müssen, war schwer. Es war ein schönes erstes Jahr mit dem Aufstieg in die Bundesliga, ein persönlich auch gutes zweites Jahr, trotz des Abstiegs. Dann ging es aber bergab und kurz vor Weihnachten bekam ich nach dem Trainerwechsel von Frank Pagelsdorf auf Dieter Eilts gesagt, ich werde ab sofort nicht mehr gebraucht. Das war bitter. Aber dadurch öffnete sich nach Weihnachten die Tür zu Fürth…

fc-hansa.de: Du bist von Frank Pagelsdorf praktisch aus der Arbeitslosigkeit auf die Erfolgskogge geholt worden?
Christian Rahn: Ja, das war kurios. Ich stand ohne Verein da, ich traf den Trainer Frank Pagelsdorf in Hamburg auf dem Volksfest, wir sprachen, ob ich mit trainieren könne, machte ein Probetraining, bekam einen Vertrag und stand plötzlich sofort in der Startelf. So etwas vergisst man in seiner Karriere natürlich nicht.

fc-hansa.de: Hast Du heute noch Kontakt zu den damaligen Kollegen?
Christian Rahn: Ja, mit der Familie Schober sind wir befreundet, mit Paule Beinlich habe ich ab und zu Kontakt. Auch mit René Rydlewicz telefoniere ich noch ab und zu.

fc-hansa.de: In den Statistiken findet man Deinen Namen im laufenden Spieljahr nur dreimal in der 1. Halbserie bei der SpVgg. Warum?
Christian Rahn: Es begann hier noch alles gut. Ich hatte im ersten halben Jahr jedes Spiel gemacht. Dann kam eine Knieverletzung und es wurde schlechter. Mit dem Trainerwechsel von Benno Möhlmann auf Mike Büskens ging es für mich dann ganz bergab. Ich kann das nicht erklären, da muss man die Trainer fragen. Aber für mich war es bitter. In meiner Verzweiflung, habe ich mich dann schon freiwillig Woche für Woche zu den Spielen der Amateure in der Regionalliga gemeldet. Ich wusste, ich muss was für mich tun. Diese Eigeninitiative hielt mich am Laufen. So wurden dreieinhalb Jahre Fürth für mich eine Zeit der Höhen und Tiefen – so wie eigentlich meine ganze Karriere. In den letzten beiden Jahren habe ich von 68 Einsätzen nur elf gehabt. Da hätte ich mir mehr Chancen gewünscht. Aber so ist das Leben.

fc-hansa.de: Die  SpVgg aus Fürth galt viele Jahre als „unaufsteigbar“. Wo liegt das Geheimnis des Aufstiegs 2012?
Christian Rahn: Unser Plus war, dass wir nicht viele Spielerwechsel vor der Saison hatten, der Stamm blieb zusammen und es kamen gute Leute dazu. Auf meiner Position Heinrich Schmidtgal, der eine tolle Saison spielte, Oliver Oceean und am Ende auch Gerald Asamoah. Wir hatten einen Kader, wo jeder Stammspieler Druck von einem Konkurrenten hatte und sich keiner ausruhen konnte. Dieser Druck von hinten machte viel aus.

fc-hansa.de: Du hast im abgelaufenen Spieljahr vor allem in der Regionalliga-Mannschaft gespielt, die im Mittelfeld der Tabelle steht. Hast Du dort in der SpVgg-Reserve bei den Spielen wie gegen Freiburg II oder Ingolstadt eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen gehabt?
Christian Rahn: Nein, ich war auch nicht der Kapitän. Ich habe für mich gespielt, mich so fit gehalten und es hat mir Freude gemacht, mit den jungen Burschen zusammen zu arbeiten.

fc-hansa.de: Man sagt, Du hast in über zehn Jahren mehr als 300 Trikots Deiner Gegenspieler gesammelt…
Christian Rahn: Das stimmt. Die habe ich schön eingepackt bei meinen Schwiegereltern in Hamburg in vielen Kartons und es sollen noch nicht alle sein. Ich plane schon noch, zwei, drei Jahre zu spielen. So lange die Knochen halten. Es ist so herrlich, den Beruf zum Hobby zu haben.

fc-hansa.de: Was steht als Bilanz nach dieser Zeit unter dem Strich Deiner Laufbahn?
Christian Rahn: Fünf Länderspiele, 15 U-21-Begegnungen, vier Bundesligaaufstiege und drei direkte Abstiege in die 2. Liga. Also ein Auf und ein Ab.

fc-hansa.de: Du bist inzwischen 32 Jahre, weißt Du heute schon, wohin Dich der Weg nach dem Fußball führt?
Christian Rahn: Meine Zukunft ist noch nicht so absehbar. Erst einmal ist demnächst Urlaub, meine Tochter soll in Herzogenaurach die dritte Klasse abschließen. Ich habe ein Fernstudium als Fußballmanager gemacht, ich habe den B-Schein und ich werde den A-Schein in der Trainerausbildung machen. Am Ende wird es wohl irgendetwas im Fußball sein und unser Lebensmittelpunkt könnte wieder Hamburg werden…

fc-hansa.de: Danke für das Gespräch.

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