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30.04.2007 09:05 Uhr

Frank Pagelsdorf: „Aus dem wenigen müssen wir viel machen“

Der Rostocker Trainer Frank Pagelsdorf über den mühsamen Kampf um den Aufstieg, Hansas Sparkurs und seine Zukunft


Herr Pagelsdorf, trotz eines zwischenzeitlich komfortablen Vorsprungs steht die Rückkehr von Hansa Rostock in die Bundesliga nicht fest. Heute tritt Ihr Team in Essen an. Wie stimmen Sie die Spieler auf den knappen Endspurt ein?

Ich erinnere die Spieler immer wieder daran, dass sie bislang Hervorragendes geleistet haben. Wir stehen seit dem vierten Spieltag auf einem Aufstiegsplatz. Das Wichtigste ist, dass wir weiterhin selbstbewusst spielen. Dann haben wir eine große Chance, den Aufstieg aus eigener Kraft perfekt zu machen.

 

Vor allem gegen vermeintliche schwächere Gegner wie Augsburg, Burghausen, Offenbach oder Braunschweig ließ Ihre Mannschaft Punkte liegen. Bekommen Sie nicht das Nervenflattern?

Nein, denn gegen starke Gegner haben wir meist sehr gut gespielt. Wenn sich Gegner komplett hinten reingestellt haben, dann haben wir Probleme bekommen. Da fehlten uns die Mittel, um zum Torerfolg zu kommen. Das muss sich künftig ändern.

 

Hansas Aufsichtsratsvize Wolfgang Holz hat gesagt, dass die Mannschaft nicht so gut spiele, wie es ihr Tabellenplatz nahelegt. Teilen Sie die Auffassung?

Da halte ich es doch eher mit der Fußballweisheit: Die Tabelle lügt nicht. Viele Spieler haben sich in dieser Saison gut entwickelt – Torhüter Mathias Schober etwa oder aber unser Abwehrchef Gledson. Keine Defensive der Zweiten Liga ist in dieser Spielzeit besser als unsere.

 

Ist die Mannschaft erstligatauglich?

Ich habe großes Vertrauen in diese Mannschaft.

 

Aber Leistungsträger wie Schober und Gledson werden den Verein zum Saisonende in Richtung Schalke und Stuttgart verlassen ...

Der Weggang von Schober ist ohne Zweifel sportlich und menschlich ein großer Verlust. Und um einen Spieler wie Gledson zu holen, muss man normalerweise drei bis fünf Millionen Euro in die Hand nehmen.

 

So viel Geld für Neuverpflichtungen hat der Verein nicht. Der Vorstand setzt seinen Sparkurs fort. So soll der Kader um drei Spieler verkleinert werden. Können Sie angesichts dieser Vereinspolitik Ihre Vorstellungen überhaupt umsetzen?

Fragen Sie mich das zu einem späteren Zeitpunkt. Generell gilt, dass wir auf junge Spieler und den eigenen Nachwuchs setzen. Das ist die einzige Chance, die der Verein auch langfristig hat. Aus dem wenigen, das er im Vergleich zu anderen Klubs hat, muss er viel machen. Wir brauchen eine gute Mannschaft. Und damit meine ich nicht nur die auf dem Platz.

 

Sie sagten, dass es am damaligen Vorstandschef Wimmer und Manager Maronn gelegen hat, dass sie im August 2005 wieder bei Hansa eingestiegen sind. Mittlerweile stehen Dirk Grabow als Vorstandschef und Manager Stefan Studer dem Verein vor. Welche Bedeutung hat dieser Wechsel in der Führung für Sie?

Ja, das ist eine neue Situation für mich. Es geht aber nicht um mich oder einzelne Personen, sondern um den Verein. Erst kommt der Verein, und dann lange nichts.

 

Stefan Studer war einst in Rostock unter Ihnen Spieler. Heute ist er als Manager Ihr Vorgesetzter. Was bedeutet diese neue Konstellation für Sie?

Ich habe damit, anders als vielfach behauptet wird, kein Problem. Unser Verhältnis ist professionell.

 

Was wäre, wenn Hansa ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga bleiben würde?

Selbst wenn Rostock nicht aufsteigen sollte: Als ich 2005 wieder bei Hansa anfing, spielte die Mannschaft in der Zweiten Liga. Von daher wäre das keine neue Situation für mich. Aber ich konzentriere mich auf meine gegenwärtigen Aufgaben. Warum soll ich mir ständig über ungelegte Eier den Kopf zerbrechen?

 

Äußerungen wie diese, dass Sie sich auf kurzfristige Ziele konzentrieren, werden als Indiz dafür gewertet, dass sie den Verein im Sommer verlassen könnten.

Derartige Interpretationen kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe einen Vertrag bis 2009. Damit ist doch wirklich alles gesagt.

 

Hätten Sie sich nicht eindeutiger positionieren können?

Ich verstehe nicht, warum ich mich ständig zum Verein bekennen muss.

 

Vielleicht deshalb, weil man sich trotz des Aufstiegsplatzes dem Gefühl einer Krise bei Hansa nicht erwehren kann. Die Mannschaft tritt seit Wochen auf der Stelle.

Ich finde, dass die Mannschaft in der Öffentlichkeit viel zu negativ dargestellt wird. Es wird übersehen, was sie bereits geleistet hat. Die Fans scheinen in dieser Hinsicht sensibler zu sein: Wer hätte gedacht, dass wir mehr Zuschauer haben als zu Erstligazeiten?

 

Haben sich Ihre Erwartungen an die Rückkehr zu Hansa Rostock erfüllt?

Nein, wir sind ja noch nicht aufgestiegen. Aber im Einzelnen habe ich mir über meine Erwartungen keine großen Gedanken gemacht. Dass mich viel mit dem Verein verbindet, ist ja hinlänglich bekannt. Meine Rückkehr war eine spontane Entscheidung.

 

(Quelle: Tagesspiegel)

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