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02.07.2006 17:00 Uhr

Frank Pagelsdorf: „Ich möchte die Saison genießen!“

Endlich! Am Sonntag ging mit dem Trainingsauftakt die neue Saison los. Cheftrainer Frank Pagelsdorf gab Hansa-Online dazu das erste Saison-Interview.

Hallo, Herr Pagelsdorf. Wie war der Urlaub?
Frank Pagelsdorf: Von Urlaub im ursprünglichen Sinne konnte eigentlich gar keine Rede sein. Ich habe mich eine Woche erholt und dann bin ich in die Beobachtung der WM eingestiegen. Am Ende des Turniers werde ich tatsächlich alle 64 Spiele entweder live, im TV oder auf Kassette gesehen haben. Neun Spiele sah ich bislang schon direkt im Stadion, ein Viertelfinale und das Finale in Berlin schaue ich mir dann noch vor Ort an.

Was sind die ersten Lehren dieser Messe des Fußballs?
Frank Pagelsdorf: Alle Mannschaften spielen auf einem hohen Niveau. Die Viererkette hat sich bei fast allen Teams durchgesetzt. Erstaunlich wie auffällig die hohe Zahl von Toren  aus großer Distanz. Fernschüsse wie die von Torsten Frings gegen Costa Rica oder des Argentiniers Rodriguez, die zu Toren wurden.

Liegt das an den Bällen?
Frank Pagelsdorf: Vielleicht spielen die neuen Bälle auch eine Rolle, aber in erster Linie ist die gute Technik der Spieler dafür verantwortlich. Auch die Effektivität bei Standards war interessant, es wurde unheimlich schnell gespielt und es wurde sehr viel geflankt. Lange Bälle wurden kaum gespielt.

Wer hat Sie denn am meisten beeindruckt?
Frank Pagelsdorf: Die Offensive der deutschen Mannschaft mit Klose und Podolski und das Mittelfeld um Schneider, Ballack und Frings haben mich begeistert. Das Highlight der Vorrunde aber war für mich das Spiel Argentinien gegen Elfenbeinküste sowie die erste Halbzeit Deutschlands gegen Schweden im Achtelfinale. Grundsätzlich habe ich nicht sehr viel Neues, aber sehr viel Positives gesehen. Es gibt keine Großen und Kleinen mehr. Mannschaften wie die Schweiz, wie Australien oder Ghana sind gewachsen, halten prima mit.

Was hat Sie überrascht?
Frank Pagelsdorf: Diese WM hat in Deutschland ein neues Gemeinschaftsgefühl und eine Euphorie und Begeisterung ausgelöst, die ich so nie erwartet hätte. Die Deutschen haben sich hier als offene, freundliche, respektvolle Menschen gezeigt. Wie die Leute aus allen Kontinenten miteinander umgegangen sind, wie sie gemeinsam gelitten und gefeiert haben, das hat mich begeistert. Für mich ist es die bisher schönste WM. Die Fanmeilen – gigantisch. Es gibt keine Anfeindungen, keinen Zoff. Die Atmosphäre ist wirklich phantastisch. Deutschland hat für ein neues Weltbild seine Chance genutzt, sich offen, freundlich und zugänglich gezeigt. Ich hoffe sehr, wir können diese neue Qualität auch in Zukunft beibehalten und so wieder mehr Anerkennung und Respekt finden.

Kommen wir zu Hansa, mit welchen Gefühlen gehen Sie in die neue Saison?
Frank Pagelsdorf: Mit viel Freude und Begeisterung, mit Leidenschaft und Akribie. Nachdem ich die Mannschaft im August vorigen Jahres übernommen hatte, kann ich die Saison jetzt komplett nach meinen Ideen vorbereiten. Ich werde meine Gedanken darin einbringen und sicherlich auch einiges Neue machen. Wir müssen ab Sonntag die sechs Wochen Vorbereitung, die wir haben, effektiv und 100 Prozent nutzen.

Wie geht es los?
Frank Pagelsdorf: Nach dem Showtraining am Sonntag steigen wir Montag schon mit dem Laktat-Test, der einige Aufschlüsse über den körperlichen Zustand unserer Spieler geben wird, in die neue Saison ein.

Wie groß ist Ihr Kader?
Frank Pagelsdorf: Der besteht aus 23 Spielern. Dazu werden die ersten drei Monate auch noch die Amateure Dirk Jonelat, Zafer Yelen, Patrick Jahn, und Felix Dojahn bei uns trainieren.

Es gibt sechs neue Profis, werden noch weitere Spieler die Mannschaft verstärken?
Frank Pagelsdorf: Dies ist momentan nicht vorgesehen.

Sind Sie mit den bisherigen Neuverpflichtungen denn zufrieden?
Frank Pagelsdorf: Unter unseren ökonomischen Voraussetzungen sind jene Spieler gekommen, die ich mir gewünscht habe und die wir uns leisten konnten. Ich bin einstweilen so zufrieden.

Wer wird in der neuen Saison der Kapitän sein?
Frank Pagelsdorf: Wie vor jeder Saison lasse ich von der Mannschaft einen Mannschaftsrat wählen. Dies wird ab 20. Juli im Trainingslager in Kühlungsborn sein. Aus diesem Rat werde ich den Kapitän und seinen Stellvertreter bestimmen.

Mit Mathias Schober, Jörg Hahnel und Patric Klandt haben Sie drei ziemlich gute Torhüter. Dies erinnert an Ihre erste Saison bei Hansa, als Ihnen mit Bräutigam, Hoffmann und Kunath auch drei gleichwertige Keeper zur Verfügung standen.
Frank Pagelsdorf: Tatsächlich sind wir jetzt auf dieser Position in einer sehr komfortablen Situation. Ich werde in der Vorbereitung genau zuschauen und dann entscheiden, wer von den dreien die Nummer 1 sein wird.

Können Sie uns einmal Ihre Motive für die Neuverpflichtungen verraten? Was versprechen Sie sich von Stefan Beinlich?
Frank Pagelsdorf: Stefan ist ein erfahrener Führungsspieler, der diese Rolle auch in Rostock zu 100 Prozent ausfüllen soll. Er ist ein großartiger Fußballer, ein feiner Techniker, ein guter Stratege. Er wird uns helfen, Struktur in unser Spiel zu bringen, er kann junge Leute führen. Nach seinen Operationen an beiden Leisten befindet er sich nach einer Reha im Lauftraining und steht uns so von Anbeginn zur Verfügung. Stefan steht für Leidenschaft und Spielwitz, er ist ein richtiger Straßenfußballer, der sich bei Leverkusen, in Berlin und beim HSV durchgesetzt hat.

Was erwarten Sie von Maik Wagefeld?
Frank Pagelsdorf: Maik ist jünger als „Paule“, aber auch ein Führungsspieler. Auch er wird uns als Stratege helfen. Er spielte schon bei Dresden und in Nürnberg sehr mannschaftsdienlich, übernimmt Verantwortung und passt deshalb genau in mein Anforderungsprofil. Auch bei Standards hat er Qualitäten. Nach einer Knieoperation ist er noch im Reha-Programm, wird deshalb von uns langsam aufgebaut. Ob er am ersten Spieltag schon zum Einsatz kommen kann, wird sich aber erst in der letzten, der 6. Trainingswoche zeigen.

Warum haben Sie Dexter Langen geholt?
Frank Pagelsdorf: Dexter steht sowohl als rechter Verteidiger in der Viererkette als auch für die Position davor zur Verfügung und damit in Konkurrenz  zu Stein, Rydlewicz und Shapourzadeh. Er ist ein großer Athlet, bereitete in der letzten Saison in Dresden vier Treffer vor und machte zwei Tore.

Wie kamen Sie auf Jörg Hahnel?
Frank Pagelsdorf: Jörg war vor einem Jahr noch bei Borussia Dortmund im Gespräch. Eine Krankheit brachte ihn in Aue aus dem Kasten. Unser Torwarttrainer Perry Bräutigam hielt schon lange Kontakt zu ihm, hat ihn oft beobachtet und ist überzeugt von ihm. Er hat Steigerungspotential und ich hoffe, er zeigt dies in Rostock. Er hat früher auch im Feld gespielt und Experten sagen, er ist einer der besten mitspielenden Torhüter der 2. Bundesliga.

Warum verpflichteten Sie Patric Klandt?
Frank Pagelsdorf: Der Junge ist ein Riesentalent vom SV Wehen, wo er in Liga 3 mit dem Verein Dritter wurde und einer der besten Torsteher war. Auch er spielte einst als Feldspieler und ist dementsprechend ein mitspielender Torwart. Ich werde ihn in aller Ruhe aufbauen. Er ist ein Keeper, der Ruhe ausstrahlt und aus meiner Sicht eine große Zukunft hat. Ich hoffe, er zeigt es uns bald.

Mit Sebastian Hähnge haben sie schließlich auch einen Joker im Ärmel?
Frank Pagelsdorf: Sebastian hat mit 28 Jahren sicherlich sein Talent in der Vergangenheit verschenkt. In diesem Alter musst du als Spieler mit dieser Qualität eigentlich schon längst in der Bundesliga spielen. Er ist ein schneller Linksfuß, hat ein Auge für Mitspieler, ein gutes Kopfballspiel, einen präzisen Schuss. Ich hoffe, bei uns explodiert er jetzt…

Auffällig ist, dass der F.C. Hansa mit Enrico Kern aus Regensburg und Sebastian Hähnge aus Jena die beiden torgefährlichsten jungen  Stürmer der beiden deutschen Regionalligen unter Ihrer Regentschaft verpflichten konnte?
Frank Pagelsdorf: Richtig, dafür möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal unserem bisherigen Lizenzchef Herbert Maronn danken. Zumal wir ja auch im Winter mit Tobias Rathgeb schon den torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Regionalliga Süd verpflichten konnten. Dies bedeutet für mich, dass Hansa nach wie vor eine gute Adresse im deutschen Fußball ist.

Mit welchen Hoffnungen verbinden Sie die Saison 2006/2007?
Frank Pagelsdorf: Ich will jedes Spiel und jeden Spieltag genießen, jedes Spiel gewinnen und ich will Freude an meiner Arbeit mit der Mannschaft haben!

Wie lautet Ihre Zielstellung für dieses Spieljahr?
Frank Pagelsdorf: Wir wollen zu den sieben oder acht Mannschaften gehören, die um den Aufstieg in die Bundesliga spielen. Also müssen wir uns direkt mit den drei Absteigern aus Kaiserslautern, Duisburg und Köln messen, mit Greuther Fürth, Karlsruhe  und Freiburg vergleichen und dürfen auch München 1860 nicht aus den Augen lassen. Das wird eine spannende Sache.

Ihre Trainingsspiele finden ausschließlich im Norden und auswärts statt, wollen Sie damit auch den Fans in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg eine Freude machen?
Frank Pagelsdorf: Natürlich ist das auch eine Botschaft an unsere Fans. Wir wissen, was wir an ihnen haben und sie sollen sich auch mit uns identifizieren können. Aber wir wollen in der Vorbereitung auch große Reisen vermeiden und unsere ganze Konzentration auf sechs Wochen Training fokussieren.

Dann viel Glück für die neue Saison und alles Gute! Danke für dieses ausführliche Interview.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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