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06.11.2006 11:52 Uhr

Fußball in Indien – ein Fanbericht

Hansa hat eine Serie. Eine Serie von Spielen ohne Niederlage, wie ich sie noch nie erlebt hab. Jedenfalls kann ich mich nicht dran erinnern. Und jetzt, wo Hansa so erfolgreich ist, bin ich nicht da. Ich bin im Ausland. Na ja, muss ich eben hier Fußball gucken.

Fußball hat der Engländer in Indien nicht so sehr propagiert wie Cricket, hatte er doch damals Angst, dass er sich mit den Indern einen ernstzunehmenden Gegner im Fußball aufhalst. Deshalb hat man dem Inder lieber Cricket- und Hockeyschläger in die Hand gedrückt. Allerdings sind die ganz ruhmreichen Zeiten in beiden Sportarten auch schon wieder vorbei. Im Cricket hat Australien und im Hockey Deutschland den Indern ihren Zauber genommen.
Also vielleicht doch Fußball? Genau, Fußball! Während noch bis vor ein paar Jahren, wo es nur in jedem fünften Dorf Indiens einen Fernseher gab, Fußball für Inder ein Fremdwort war (wenn man mal von den beiden Hochburgen Goa und Kalkutta absieht), fiebern heute die Massen vor den Fernsehern mit ihren hunderten Kabelkanälen Fußballspielen entgegen, wenn auch nicht gerade den Spielen der indischen Liga, aber so ist doch die Liga der ehemaligen Kolonialherren hier sehr präsent. Fast jedes Spiel der englischen Liga wird live übertragen. Auch die WM war in Indien ein Superhit.

Jeder von euch hat sicher noch vor Augen, wie die Japaner und Koreaner vor vier Jahren sich alle ein Trikot einer anderen Mannschaft angezogen haben, um die Mannschaft dann fanatischer zu unterstützen als die mitgereisten Fans der Mannschaften. So ungefähr war hier auch das Straßenbild in Indien. Überall die Farben von Brasilien, Argentinien und England (um mal die drei populärsten zu nennen).
Dies fand der indische Sportsender, der die Rechte an der indischen Liga hat, aber nicht lustig und propagierte: Lasst uns nicht mehr den anderen hinterher jubeln! Indien muss 2010 dabei sein!
Ich muss ehrlich sagen, das Ziel ist wohl mehr ein Traum als ein ernstes Ziel.
Indien liegt in der Asienrangliste auf dem 26. Platz. So ist es nicht verwunderlich, dass man in der Qualifikation für die Asienmeisterschaften 2007 gegen Saudi Arabien 7:1 und 3:0 und im Hinspiel in Japan mit 6:0 verlor. Das Rückspiel durfte ich mir dann vor kurzem hier in Bangalore antun.

Japan, bereits qualifiziert, reiste nur mit der 2. Mannschaft  (kein Takahara, kein Nakata) an und ließ trotzdem keinen Zweifel daran aufkommen, wie weit Indien noch von der Weltherrschaft im Fußball entfernt ist. Japan gewann mühelos mit 3:0. Die beste Aktion der Inder, neben einem gefährlichen Kopfball, war der Versuch, die Japaner abzulenken, indem man ihnen zeigte, dass Wirtschaftsmacht nicht bedeuten muss, dass es immer Strom gibt. Stromausfall ist hier normal und darf deshalb auch beim Fußball nicht fehlen. Verwundert hat mich, dass trotz der Bedeutungslosigkeit des Spiels für beide Mannschaften immerhin noch ca. 5000 Leute den Weg ins Stadion gefunden haben.

 

Auch der Nachwuchs Indiens ist bei der in der zurzeit im eigenen Land stattfindenden Asienmeisterschaft der U 20 bereits in der Vorrunde gescheitert. Es gibt also noch sehr viel zu tun, bis Indien vielleicht im Jahre 2018 bei einer WM dabei sein kann. Bis dahin kann man nur hoffen, dass die Inder im Cricket weiterhin zur Weltklasse gehören, damit die Inder bis zur Weltmacht im Fußball erst mal gut gelaunt sind. Und vielleicht gibt es bis dann ja auch schon private Internetverbindungen, die nicht nur Broadband heißen, sondern auch jene Geschwindigkeiten erreichen, die man eigentlich mit diesem Begriff verbindet. Dann könnten sich ja hier die Inder über Hansa-TV im Internet informieren, wie man es richtig macht. Denn wir alle wissen doch, wer die wirkliche Supermacht im Fußball ist! Hansa Rostock allez!
Aus Indien grüßt

Raik Westenberger

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