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30.08.2017 16:09 Uhr

Gekommen, um aufzusteigen! Aufstiegsheld Christian Rahn im Interview

Einen Tag nach seiner Verpflichtung im Juli 2006 gab Christian Rahn auf www.fc-hansa.de, der Internetseite der Kogge, sein erstes Vereins-Interview. Angesprochen auf sein Ziel in seiner Premierensaison in Rostock antwortete der Linksverteidiger damals voller Optimismus: „Ich möchte mit dieser jungen Truppe aufsteigen und meinen Anteil dazu einbringen.“ Er hielt Wort und hatte mit zehn direkten Torbeteiligungen - darunter traumhafte Treffer per Freistoß - großen Anteil am Sprung in die Bundesliga.
Elf Jahre später stand uns Christian, der aktuell als Technik- und Individualtrainer für den Nachwuchs des HSV arbeitet, erneut Rede und Antwort.

Hansa: Hey Christian, warum warst du dir damals so schnell so sicher, dass die Truppe das Zeug zum Aufstieg hat? In der Vorsaison landete Hansa schließlich nur auf Platz 10.

Rahn: Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl, weil wir einen tollen Zusammenhalt in der Truppe hatten und dazu ein Trainerteam, das uns vor jedem Spiel super eingestellt hat. Ich war von der Qualität der Mannschaft überzeugt und kannte aus den Jahren zuvor die 2. Bundesliga bereits recht gut, sodass ich auch ganz ordentlich abschätzen konnte, wie stark wir im Vergleich sind. Mit der Rückrunde, in der wir ungeschlagen blieben, hat die Saison dann natürlich einen überragenden Lauf genommen.

Hansa: Wie groß war der Anteil von Chef-Trainer Frank Pagelsdorf?

Rahn: Sehr groß. Er hat der Mannschaft von Anfang an ein Gesicht gegeben. Wir haben unter ihm schnell als Einheit zusammengefunden und hatten Spaß am Fußball. Bei uns beiden war das ja sowieso etwas kurios. Er hat mich damals, vor seiner Zeit bei Hansa, als Trainer des HSV nach Hamburg geholt und als ich dann gewechselt bin, war Pagelsdorf bereits wieder weg. Dass sich unsere Wege dann bei Hansa erneut und diesmal auch richtig gekreuzt haben, war für mich ein Glücksfall. Denn ich habe unter ihm auch für die Zeit nach meiner Karriere einiges mitgenommen und viel für meinen aktuellen Job als Trainer gelernt, was beispielsweise Übungsinhalte und Taktik angeht. Ich glaube, dass wir alle ein gutes Verhältnis zu ihm, zum gesamten Trainerteam und zum Funktionsteam hatten - und das braucht man auch, wenn man über eine gesamte Saison hinweg zusammen erfolgreich sein möchte.

Hansa: Bist du schon aufgeregt, wenn du an diesen Sonntag denkst?

Rahn: Ich freue mich riesig auf das Spiel, auf die Jungs, die ich nach knapp zehn Jahren endlich mal wieder sehe und natürlich auf die gegnerischen Spieler, die aus früheren Hansa-Zeiten dabei sind. Ich glaube das wird für alle Beteiligten ein super Erlebnis und ich hoffe auf zahlreiche Fans.

Hansa: Hast du noch Kontakt zu einigen Spielern aus der Aufstiegsmannschaft?

Rahn: „Man hat immer mal wieder Kontakt zu ehemaligen Mitspielern. Früher hat man sich natürlich noch häufiger als Gegenspieler auf dem Platz getroffen, heute läuft man sich eher mal im Urlaub über die Füße. Ich finde es schön, dass wir uns nun alle wiedersehen und freue mich auf alle, die dabei sind - besonders auf„Paule“ Beinlich und Mathias Schober, mit dem ich noch gut befreundet bin.

Hansa: Was sind für dich die besten Spiele dieser Saison gewesen?

Rahn: Alle Spiele aus der Hinrunde - mit dem Highlight gegen Karlsruhe, wo wir nach dreifachem Rückstand noch zurückgekommen sind und am Ende ein 4:4 erreicht haben. Aber auch Rückschläge wie die Heimniederlage zum Rückrundenstart gegen Freiburg waren wichtig für uns, um daraus zu lernen. An die letzten beiden Spiele bei 1860 München und zuhause gegen Unterhaching, in denen ich auch jeweils ein Tor beisteuern konnte, erinnere ich mich natürlich auch gerne zurück.

Hansa: Es waren nicht irgendwelche Tore, sondern zwei direkt verwandelte Freistöße.

Rahn: Ich habe mich nie zu wichtig genommen, sondern immer als Teil eines tollen Teams gesehen. Aber klar: Es war nicht meine schlechteste Saison und die beiden Freistöße waren schon schön.

Hansa: Ab wann hast du gedacht, dass dein Ziel vom Aufstieg wahr werden kann?
 
Rahn: Nach unserer sensationellen Hinrunde wollten wir unbedingt aufsteigen. Zwar wurde es danach schwerer, aber das wussten wir auch. Die Gegner haben sich einfach besser auf uns eingestellt. Wir haben trotzdem in jedem Spiel versucht, an unser Maximum zu gehen. Nachdem Karlsruhe ein paar Spieltage vor Schluss bereits als Aufsteiger feststand, wollten wir dem KSC natürlich unbedingt in die Bundesliga folgen.

Hansa: Verfolgst du ab und zu noch die Spiele der Kogge?

Rahn: Nicht nur ab und zu! Seitdem ich im Januar 2009 von Hansa weggegangen bin, habe ich die Entwicklungen der Kogge genau verfolgt - meistens mit einem weinenden Auge. Ich habe mich damals sehr wohl gefühlt und hätte mir vorstellen können, noch länger in Rostock zu bleiben. Ich bin gerne hier und habe abseits des Fußballs noch viele Freunde hier. Ich hoffe, dass Hansa so schnell wie möglich zumindest eine Etage höher kommt - das haben die Fans und die Mitarbeiter verdient. Zum aktuellen Team kann ich nicht viel sagen, ich denke aber, dass es sehr ambitioniert ist, in zwei Jahren aufsteigen zu wollen. Dafür braucht man eine gewisse Erfahrung im Team, die in dieser Saison vielleicht noch nicht in der nötigen Art und Weise gegeben ist. Aber uns hat das damals auch keiner zugetraut, in die Bundesliga aufzusteigen und in diesem Jahr traut es keiner Hansa zu, in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Vielleicht gibt es da ja eine gewisse Parallele.

Hansa: Du bist aktuell als Technik- und Individualtrainer beim Nachwuchs des Hamburger SV. Was nimmst du dir für die kommenden Jahre vor?

Rahn: Mit 30 Jahren ist in mir der Gedanke gewachsen, dass ich Trainer werden möchte. Ich wurde von meinen Profi-Trainern immer darin bestärkt, dass ich meine Scheine mache. Ich glaube es war die richtige Entscheidung, vor zwei Jahren im Nachwuchsleistungszentrum des HSV anzufangen, denn mir machen die Übungen mit den Jungs sehr viel Spaß und ich lerne viel dazu. Als nächsten Schritt möchte ich natürlich eine eigene Mannschaft bekommen und schließlich die Ausbildung zum Fußballlehrer machen. Wie weit es dann nach oben geht, ist jetzt noch nicht absehbar. Auf jeden Fall ist es aber das, was ich mir für die Zukunft vorstelle.

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