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19.04.2010 15:09 Uhr

Gerd Kostmann: „Hansa ist ein Stück unseres Lebens.“

Er war einst Hansas Torjäger: Gerd Kostmann (68). In den Spielzeiten 1967/68 und 1970/71 ballerte er sich an die Spitze der Torschützenliste der DDR-Oberliga. Insgesamt erzielte er in den Jahren von 1964 bis 1972 in 89 Spielen 43 Tore. Später arbeitete der „große Kerl“ (1,84 m) mit dem Stoppelhaar viele Jahre in der Geschäftsstelle des F.C. Hansa. Am 29. Juli 2004 verabschiedete sich Gerd Kostmann als Organisationsleiter der Nachwuchs-Abteilung in die Pension. Seit einiger Zeit ist er nun Kassenwart des Klubs und sitzt jeden Spieltag mit im Stadion.

Jetzt umso mehr, denn Sohn Marco ist seit mehreren Wochen Hansa-Cheftrainer. Die KOGGE-Redaktion traf Gerd Kostmann zum Interview.

KOGGE: Herr Kostmann, Sie waren in Rostock einer der bekanntesten Spieler der 1970er Jahre. Wie hat sich der Fußball an der Küste verändert?

Gerd Kostmann: Vom Gesamtbild ist heute alles schneller, dynamischer und professioneller. Natürlich gab es auch früher schon Tore und den Ball haben wir auch ganz gut gespielt. Aber die körperliche Fitness ist höher, die Technik unter höchstem Tempo ist besser geworden.

KOGGE: Würden Sie heute noch gern auf dem Rasen stehen?

Gerd Kostmann: Wenn ich jung wäre, ja. Aber jede Zeit steht ansonsten für sich.

KOGGE: Haben Sie sich gefreut, als Marco im Sommer den Job des Torwart-Trainers übernahm?

Gerd Kostmann: Ja, klar. Wenn man sieht, wie er sich fortgebildet, wie er sich profiliert hat und dann noch nach Hause kommt, dann freut man sich als Vater.

KOGGE: Aber Sie sollen die Hände über den Kopf geschlagen haben, als Marco die Chance bekam, Cheftrainer zu werden?

Gerd Kostmann: Ja, das war so.

KOGGE: Gehen Sie jetzt mit anderen Gefühlen ins Stadion, wenn der F.C. Hansa um den Klassenverbleib kämpft?

Gerd Kostmann: Mein Herz schlägt 46 Jahre für diesen Verein. Seither bin ich Mitglied, jetzt noch Kassenwart. Aber plötzlich hat dein Junge da unten die Last und die Verantwortung. Da schlägt das Herz doch noch höher als sonst. Man fiebert mit, drückt die Daumen, dass er alles richtig macht, die Punkte kommen, der Abstieg vermieden wird. Schließlich ist Hansa bislang noch nie in Liga 3 angekommen und das ist gut so.

KOGGE: Wann haben Sie denn Ihren Söhnen den ersten Fußball geschenkt?

Gerd Kostmann: Marco war zwei, sein Bruder Jörg vier Jahre. Jörg war der bessere Fußballer, aber der wollte immer zu Bau, war auch mal Mittelfeldspieler bei Bau Rostock. Aber dann erlernte er einen Beruf mit Abitur in Wismar, heute ist er Ingenieur für Bauwesen und Geschäftsführer in Hamburg. Marco hat bei Dynamo Rostock Mitte angefangen. Er war Stürmer, dann im Mittelfeld, dann Stopper, am Ende im Tor. Er wollte nicht so viel laufen…

KOGGE: Waren Sie traurig, als Marco ins Tor wollte?

Gerd Kostmann: Nein, warum auch. Da konnte er unbelastet aufspielen.

KOGGE: Wie beurteilen Sie die sportliche Entwicklung Ihres Sohnes aus heutiger Sicht?

Gerd Kostmann: Er hat alles richtig gemacht. Seine Frau Kirsten hat ihn dabei stark unterstützt, sich immer wieder fortzubilden.

KOGGE: Was bewundern Sie an Marco besonders?

Gerd Kostmann: Er ist gerade aus und ehrlich, er verfolgt seine Ziele. Er sagt, was er denkt, Intrigen sind ihm fremd. Diese Offenheit hat ihm auch einige Beulen eingebracht.

KOGGE: Mal zurück zum F.C. Hansa. Welche Rolle hat dieser Verein für Sie und Ihre Familie gespielt?

Gerd Kostmann: 1963 kam ich von Motor Wolgast zum Probetraining. Durch Hansa sind wir 1964 damals als Familie von Wolgast nach Rostock gekommen. Ich habe hier Fußball gespielt, meinen Beruf als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau im Seehafen ausüben können, bei Hansa bis zur Pension gearbeitet. Ich bin in der Hansa-Ehrengarde und nun ist auch noch Marco hier. Für meine Frau und mich ist Hansa ein Stück Leben.

KOGGE: Wird bei den Kostmanns viel über Fußball gesprochen?

Gerd Kostmann: Ja, aber nur, wenn Marco nicht da ist oder er darüber reden will…

KOGGE: Viele Vereine im Osten sind den Bach runtergegangen. Was war der Vorteil von Hansa?

Gerd Kostmann: Bei uns waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Robert Pischke, Gerd Kische, Uwe Reinders. Die Vorstände wechselten, aber es war immer ein Heimatbezug da. Wir wurden im richtigen Moment Meister und Pokalsieger und landeten damit in der Bundesliga. Wir hatten auch dann wieder die richtigen Spieler, kaum einer verließ den Verein in den Westen.

KOGGE: Sie kennen den Verein auch von der Basis. Wird jetzt geerntet, was mit dem Internat bzw. dem Stadion angepflanzt wurde?

Gerd Kostmann: Im Prinzip, ja. Die Jugend-Ausbildung ist sehr gut, die Scouts haben eine gute Nase. Aber: Es reicht nicht, elf gute Spieler zu haben und Tabellenführer zu sein. Du musst jedes Jahr zwei sehr gute Spieler ausbilden, dann hast Du über vier Jahre
sechs oder sieben Spieler, die eine gute Grundausbildung haben und dem Verein im Profibereich helfen.

KOGGE: Träumten Sie damals von den heutigen Bedingungen?

Gerd Kostmann: Ja. Toll, welche Möglichkeiten heute unsere jungen Spieler hier haben. Wir haben seinerzeit unter Trainer Walter Fritsch morgens trainiert, die nassen Sachen mittags auf die Leine gehangen, haben uns einmal geschüttelt und sind nachmittags mit den klammen Klamotten raus und haben uns wieder nass geschwitzt.

 

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