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05.03.2007 08:47 Uhr

Gledson und Dexter Langen: Wir sind gegen Gewalt und Rassismus

Der Fußball ist bunt wie die Welt. Fußball ist international. Im Team des F.C. Hansa Rostock gibt es so auch Fußballer verschiedener Hautfarben, aus verschiedenen Ländern und verschiedener Religionen. Der Brasilianer Gledson da Silva Menezes kommt aus Südamerika. Dexter Langen erblickte in Hessen das Licht der Welt und hat einen amerikanischen Vater. Jungs, die sich dem Fußball verschrieben haben, die gegen Gewalt und Rassismus im und außerhalb des Stadions sind und diese Meinung überall offen vertreten.  Für „Kogge“ trafen wir uns mit den beiden populären und beliebten Hansa-Verteidigern zu einem Interview über den Fußball hinaus. 


Wann haben Sie Ihren ersten Fußball bekommen?
Gledson: Man mag es einem Brasilianer wie mir kaum glauben, aber es war erst mit 14 Jahren. Mein Onkel Eleno hat ihn mir geschenkt. Meine Eltern Francesco und Maria wollten nie, dass ich Fußballer werde, ich sollte Jura studieren.
Dexter Langen: Meine ersten Ball habe ich mit sechs Jahren draußen gefunden und schnell mit ihm Freundschaft geschlossen…

 

Wann wollten Sie Profi werden?
Gledson: Ich war 16 Jahre, als mich mein Vater auf die höhere Schule nach Natal schickte. Dort hatte ich Freunde, die mich schließlich mit zum Probetraining nahmen und die Trainer haben mir sofort beim Zweitligisten FC ABC Natal einen Profivertrag zur Unterschrift vorgelegt. Von diesem Tag war Fußball meine Liebe, mein Leben, mein Job. 
Dexter Langen: Das muss zwischen sechs und acht Jahren gewesen sein. Erst hatte ich nur Freude am Spiel. Dann habe ich schließlich realisiert, dass es große Mannschaften und große Spieler gibt. Danach wollte ich auch ein berühmter Spieler werden. Im Prinzip ging es seither immer bergauf. Nur in Gladbach hatte ich ein Tief, da hatte ich Heimweh mit 19…


Wie sicher fühlen Sie sich in Deutschland?
Gledson: Ich mag die deutsche Mentalität, ich fühle mich hier wie in Brasilien zu Hause und ich habe hier auch meine Freundin Serina und deren Tochter Elisa kennen gelernt. Ich arbeite hier als Profi, ich trage stolz das Trikot des F.C. Hansa. Ich habe schon von Rassismus und Gewalt in Deutschland gehört. Aber ich selbst hatte nie Probleme und hoffe, dass dies für immer so bleibt. Ich bin ja auch ein friedliebender Mensch und ich fühle mich hier in Deutschland auch durchaus sicher. Ich glaube, das Gewaltproblem war hier schon größer, auch im Sport.
Dexter Langen: Im Prinzip sicher. Deutschland ist meine Heimat, in keinem anderen Land fühle ich mich sicherer. Dabei meine ich nicht, dass alles gut ist. Konfrontationen zwischen Menschen – aus welchen Gründen auch immer – wird es wohl auch immer geben.

 

Hatten Sie schon einmal Probleme wegen Ihrer Herkunft oder Hautfarbe?
Gledson: Einmal hat man mir beim Verlassen eines Lokals mal beleidigend hinterher geschaut. Aber sonst kenne ich zum Glück keine Probleme hier in Deutschland bzw. in Rostock.
Dexter Langen: Ich bin in meiner hessischen Heimat multikulturell aufgewachsen. Mein Freundeskreis besteht aus Menschen aus verschiedenen ethnischen Gruppen und Nationen. Das ist das Normalste der Welt für mich. Für mich zählt nicht die Farbe und nicht die Religion, für mich zählt der Mensch. Ich habe vor jedem Achtung und ich wünsche mir, alle Menschen würden sich mit Achtung und Respekt gegenüber stehen. Ich gestehe aber: Als Kind hatte ich in meinem Heimatort Langgoens und Gießen auch einige „Hakeleien“ und gewisse Argumente, gegen Ungerechtigkeiten anzugehen.

 

Haben es farbige Sportler in Brasilien oder in den USA leichter als in Deutschland?
Gledson: Ich kann von zu Hause nur so viel sagen: Brasilien ist ein multikulturelles Land, in dem Menschen vieler Farben und Rassen leben. Wir haben Mulatten, wir haben Weiße, wir haben Schwarze. Unsere Nationalmannschaft ist da ein Spiegelbild des Landes. Das größere Problem von Brasilien ist sicherlich die Kluft zwischen arm und reich…
Dexter Langen: Im Sport entscheidet nicht die Hautfarbe, es entscheidet die Leistung, das Leistungsprinzip. Ich selbst verehre einen Thierry Henry oder Ronaldinho auch nicht, weil sie dunkelhäutig sind, sondern weil sie tolle Fußballer sind.

 

Sind Sie in einem Spiel schon einmal beleidigt worden?
Gledson: Nein, Fußball ist zwar ein Kampfspiel und da geht es immer hart zur Sache. Aber aus rassistischen Gründen bin ich noch nie beleidigt worden. Ich könnte es auch nicht nachvollziehen. Der Fußball ist bunt…
Dexter Langen: Ja. Ein Gegenspieler hat mich mal im Trikot von Dynamo Dresden als Stasi-Schwein tituliert. Ich komme aus Hessen, wusste damit gar nichts anzufangen.

 

Gibt es in Deutschland ein Rassismus-Problem?
Gledson: Der Alltag zeigt, dass dies wohl so ist. Ich sehe solche Sachen ja oft im Fernsehen. Ich werde mich immer gegen Rassismus stellen. Für mich gilt im Leben und auf dem Platz als Sportler: Fairplay!
Dexter Langen: Ich denke schon. Der Alltag zeigt es Woche für Woche. Ich habe es schon am eigenen Leib erlebt. Als ich im ersten Jahr in der Regionalliga in Dresden gespielt habe, bin ich mit meinen Mannschaftskameraden und meiner Freundin Caro weggegangen. Da wurden meine Freundin und ich sehr massiv beleidigt. Was willst du mit dem Affen, hatte da einer gesagt. Wir Männer hätten am liebsten mit schlagenden Argumenten reagiert. Aber Caro reagierte cool. Da war ich sehr stolz auf sie!

 

Gibt es in Deutschland ein Gewalt-Problem?
Gledson: Gewalt ist kein guter Berater, keine Lösung. Die Hemmschwelle ist sicherlich nicht sehr hoch. Soziale Probleme mögen dafür die Ursache sein. Aber Gewalt ist keine Lösung. Ich selbst – so sagte ich schon - bin Christ und dementsprechend verhalte ich mich.
Dexter Langen: Ja, die Hemmschwellen werden immer geringer. Aber das ist kein Problem des Rassismus. Obgleich mich berührt, dass die NPD immer offensiver wirkt und sogar in Landtagen sitzt.

 

Wie beurteilen Sie die Fans des F.C. Hansa?
Gledson: Sie sind sehr leidenschaftlich und begeisterungsfähig. Im Ostseestadion sind sie sehr enthusiastisch, auf Reisen begleiten sie uns auch auf den längsten Wegen. Das fasziniert mich. Dexter Langen: Es ist ein anderes Völkchen als die Dresdner Jungs. Ich glaube, die Hansa-Fans sind verwöhnter, kritischer. Was mich total negativ berührte, war die Sache mit Gerald Asamoah im Spiel unserer Amateure gegen Schalke 04. Das war unterste Schublade. Jeder unserer Fans, der einen Sportsmann wie Gerald, der wie ich in Deutschland geboren und groß geworden ist, so beleidigt, brüskiert und demütigt auch Menschen wie mich. Ich habe mich in diesem Moment von unseren eigenen Fans auch beleidigt und angegriffen gefühlt und ich fand es gut, wie unser Lizenzchef Stefan Studer im Namen des Vereins sofort Gesicht gezeigt hat. Das war ein Bärendienst, den uns diese Leute mit ihren Rufen erwiesen haben. Es kostete den Verein viel Geld. Aber ich habe diese Strafe vom DFB verstanden. Allerdings wünsche ich mir die Konsequenz in allen Fällen, nicht nur bei uns.

 

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Fans des F.C. Hansa?
Gledson: Ich habe den Eindruck, die Fans mögen mich und ich möchte ihre Sympathie zurückgeben, sie nicht enttäuschen. Ich achte jeden Fan und respektiere ihn. Das erwarte ich auch von ihm.
Dexter Langen: Ich gehe auf die Menschen zu, freue mich über Ihre Unterstützung.

 

Wer steigt in diesem Jahr auf?
Gledson: Ich hoffe, wir sind dabei. Das wird ein schweres Stück Arbeit. Ansonsten sind für mich KSC, Duisburg und Kaiserslautern Favoriten für den Aufstieg.
Dexter Langen: Auf jeden Fall Hansa, ziemlich sicher der KSC, den dritten Platz machen drei Mannschaften hinter uns aus.

 

Ein Geheimnis der Renaissance des F.C. Hansa in der 2. Liga ist die gute Abwehr. Wie erklären Sie sich das gute Abwehrverhalten?

Gledson: Es ist eine Sache des Trainings. Trainer Frank Pagelsdorf trainiert gut und intensiv mit uns, wir Spieler kennen uns immer besser. Das gesamte Abwehrverhalten der Mannschaft stimmt einfach. Wir sind eine harmonische Mannschaft.
Dexter Langen: Das ist eine Frage des Trainings, des Zusammenhaltes, der Kameradschaft, der Disziplin.

 

Wie beurteilen Sie Ihre neue Heimat Rostock?
Gledson: Ich bin jetzt fast zwei Jahre hier. Es ist wie ein zweites zu Hause für mich geworden. Ich habe hier eine neue Familie, ich habe hier eine hohe Lebensqualität und ich habe hier – wie in Brasilien – ein Meer.
Dexter Langen: Meine erste Station im Osten war Dresden. Dresden ist ein Ort der Kunst und Kultur, eine Stadt mit großer Geschichte. Rostock und Umgebung sind eher eine Urlaubsoase. Hier hat man eine große Lebensqualität. Das ist gut für meine Freundin und mich.

 

Was machen Sie nach dem Fußball?
Gledson: Ich weiß es nicht, vielleicht bleibe ich in Deutschland, vielleicht gehe ich nach Brasilien zurück. Ich sollte ja mal studieren. Vielleicht tue ich es ja nach meiner Karriere. Ja, vielleicht studiere ich nach dem Fußball noch einmal.
Dexter Langen: So weit denke ich eigentlich noch nicht. Aber seit einem Monat mache ich ein Fernstudium für Sportmanagement in Düsseldorf. Ich will nicht nur meine Beine, ich will auch meinen Kopf trainieren.

 

Vielen Dank für dieses Interview.

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