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22.05.2008 09:10 Uhr

Guido Kocer schießt Hansa in die Regionalliga

Geschafft! Der erste Matchball hat gesessen. Der F.C. Hansa II spielt in der neuen Fußball-Saison in der Regionalliga. Mit einem 2:1-Erfolg in Torgelow sind Rostocks Amateure nach Hertha II als zweites Team für die vierthöchste Spielklasse des DFB qualifiziert. Guido Kocer sorgte nach 65 Minuten vor 512 Zuschauer für das erlösende Siegtor. Ausgerechnet Guido Kocer.  Der 19-jährige Angreifer hat seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei den Rostockern gerade um zwei Jahre verlängert. Kocer, der auch schon bei den Profis mittrainierte, gilt als schneller, torgefährlicher Stürmer.

Guido Kocer im Porträt: „Ich klotze ran“

Ein neues Gesicht tauchte mitten im April 2008 an der Ostseeküste plötzlich im Kreis der Hansa-Profis auf dem Trainingsplatz neben der DKB-Arena auf: Guido Kocer. Nach den Talenten Tom Buschke und Tobias Jänicke hatte Cheftrainer Frank Pagelsdorf auf Empfehlung von Amateur-Coach Thomas Finck den torgefährlichen Stürmer von den Amateuren einmal zum Test in die Profi-Abteilung geholt.

Wer ist dieser Guido Kocer?

Der Amateur ist ein  Fußballer mit Torriecher. Er wurde am 15. September 1988 in Worms (Nationalität Türkisch/Deutsch) geboren, ist 1,79 m groß und wiegt 75 kg.
Der Wormser ist so etwas wie ein geborener Straßenfußballer. Vater Guido sen. Kocer Yilmaz Avinir, legte seinem Jungen praktisch den Fußball schon in die Wiege, begleitete seinen Sohn bis heute bei allen Herausforderungen des Lebens als liebevoller, väterlicher Freund.

Schon als kleiner Junge machte der kleine Guido auf sich aufmerksam. Kocer spielte in der E-Jugend zwei Jahre für den SV Seckar, danach wechselte er zu TUS Neuhausen. Kocer, dessen Vorbild der Portugiese Cristiano Ronaldo von Manchester United ist, absolvierte sogar mehrere Probetrainings, u.a. spielte er durch den adidas-Jugend-Cup beim Bundesliga-Verein VfB Stuttgart vor, auch der 1. FC Kaiserslautern, Worms und Mannheim waren  interessiert.

Aber im Süden klappte es mit dem Fußball nicht so wie im Norden.

Da Guidos Großeltern aus dem 70 km von Rostock entfernten Teterow stammen, zog es Vater und Sohn im Sommer oft an die Ostsee in den Urlaub. Diese Reisen waren immer mit einem Besuch beim Training des F.C. Hansa und mit den Spielen des Vereins verbunden.

„Wenn ich in Mecklenburg-Vorpommern war, bin ich auch zu jedem  Spiel des F.C. Hansa gegangen. Ich habe den Rostocker Verein schon als Kind ins Herz geschlossen. Und ich habe meinem Vater immer gesagt, Papa hier möchte ich mal spielen.“

So kam es zum Probetraining in der C-Jugend. Eigentlich waren die Trainer beim ersten Test noch nicht so von dem Burschen überzeugt. Aber als Guido Kocer dann bei einem Hallen-Turnier förmlich explodierte, bekam er schließlich doch einen Platz in der Nachwuchs-Akademie.

Amateur-Trainer Thomas Finck kann sich an diese Zeit noch ganz genau erinnern: „Guido ist ein sehr leidenschaftlicher, engagierter Fußballer, der viel Zuwendung braucht. Die haben wir ihm vom ersten Tage an gegeben. Er hat es mit Toren immer gedankt.“

Guido Kocer erinnert sich an diese Eingewöhnungszeit nach dem Wechsel von Worms nach Rostock so: „Ich fühlte mich zunächst allein. Mein Vater, von Beruf Elektriker, wechselte damals mir zu Liebe von Worms extra für ein Jahr nach Rostock und unterstützte mich. Nach einem Jahr hatte ich mich dann an die Verhältnisse hier gewöhnt.“ Von nun an wurde Hansa-Trainer Thomas Finck sein engster Wegbegleiter.

Guido und seine Entwicklung: Von Spiel zu Spiel verbesserte sich Kocer. Im zweiten B-Jugendjahr wurde Kocer 2005 unter Finck sogar als Stammspieler Deutscher Vize-Meister.

Im zweiten Jahr als A-Jugendlicher wurde Kocer 2007 als sechsfacher Torschütze bester Spieler bei einem Turnier  in Italien.

Kocer und seine Fußball-Philosophie: „Ich will spielen, spielen, spielen und ich will Profi werden. Als ich von Trainer Finck hörte, ich darf mal mit den Profis trainieren, habe ich mich mächtig gefreut. Ich sehe, mir steht die Tür zum Profi offen, jetzt will ich auch noch durchgehen. Ich weiß, es liegt alles an mir.“

In seinem ersten Senioren-Jahr ging der Wechsel auch nicht ganz problemlos vor sich. „In der 1. Halbserie in der 4. Liga habe ich zunächst oft auf der Bank gesessen, weil Spieler wie Marcel Schied, Amir Shapourzadeh oder Addy Menga von den Profis in die Oberliga kamen, Spielpraxis brauchten und ich auf meine Chance warten musste. Seit ich spielen kann, läuft es ganz gut bei mir.“

Guido ist enorm torgefährlich, hat wirklich eine gute Nase für Torraumsituationen. Auch die Trainer des DFB hatten in seiner Junioren-Zeit schon einmal ein Auge auf den Jungen geworfen.

In der laufenden Meisterschaft bewies Kocer in der 4. Liga jedenfalls wieder seine Torjäger-Qualitäten. In der ersten Halbserie machte er in zwölf Spielen vier Treffer.

In der Rückrunde fiel der Bursche am 19. Spieltag als Schütze des Goldenen Tores der Amateure im Heimspiel gegen Optik Rathenow auf, als er in der 60. Minute das 1:0 erzielte.

Sein Arbeitszeugnis in der Oberliga bislang: Er bestritt 23 Spiele, war 15mal von Anbeginn dabei, spielte sechsmal 90 Minuten, wurde acht Mal ein- und neun Mal ausgewechselt. 1338 Minuten war der Bursche im Einsatz.  Er markierte neun Treffer und sah eine Gelbe Karte.

Thomas Finck: „Guido spielte eine gute Rückrunde.“

Guido über die Zeit als Männerspieler: „Man merkt schon die Umstellung von den Junioren zu den Männern. Es geht härter, schneller im Zweikampf zu. Da muss man sich durchsetzen. Aber: Das will ich. Das ist eine große Herausforderung.“

Die Zeichen für Guido und Hansa sind positiv: Hansas Co-Trainer Timo Lange hat Guido Kocer mitgeteilt, er soll weiter ranklotzen. Auch Hansa-Vorstand Juri Schlünz hat Kocer ebenfalls ganz oben auf dem Zettel – wie der neue Vertrag zeigt. Hansa-Keeper Jörg Hahnel sagt über Guido: „Das ist ein Junge mit Fußball-Herz.“

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