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17.05.2007 08:04 Uhr

Hansa-Nostalgie: Schon zwei Mal ist der F.C. Hansa in die Bundesliga aufgestiegen!

Am 20. Mai 2007 kann der F.C. Hansa Rostock zum dritten Mal in der Geschichte der Bundesliga ein Achtungszeichen im deutschen Berufs-Fußball setzen. Mit einem Sieg über die SpVgg Unterhaching würde sich die Profielf des Vereins nach 1990/1991 und 1994/95 im Spieljahr 2006/2007 hierzulande für die Beletage der Balltreter qualifizieren.

 

Die Wende-Jahre 1989-92 und der erste Aufstieg 1990/91

Die DDR in der Wende-Zeit. Für den F.C. Hansa war es ein Wechsel auf die Zukunft: DHfK-Übungsleiter Werner Voigt ging zurück nach Berlin, der Bremer Uwe Reinders kam aus seinem Wohnort Achim nach dem Mauerfall an die Küste.
Welchen Stellenwert der Fußball-Lehrer Uwe Reinders für den F.C. Hansa Rostock in der Geschichte des Vereins hat, bringt sein einstiger Schüler Heiko März auf diese kurze Formel: „Uwe Reinders war zur rechten Zeit am richtigen Ort. Wahrscheinlich hätte aber auch jeder andere Trainer kommen können. Wir waren doch einfach eine gute Truppe…“
Tatsache: Uwe Reinders steht mit seinem damaligen Co-Trainer Jürgen Decker im Geschichtsbuch des Vereins für drei Dinge:
Er führt die Hanseaten zum ersten und einzigen Meistertitel in der DDR-Oberliga.
Als NOFV-Meister qualifiziert sich der F.C. Hansa nach der Wiedervereinigung mit dem 1. FC Dynamo Dresden in die Bundesliga.
Hansa hatte die DDR-Oberliga in 26 Spielen mit 13 Siegen, neun Unentschieden und vier Niederlagen sowie 44:25 Toren abgeschlossen, gefolgt vom 1. FC Dynamo Dresden und dem FC Rot-Weiß Erfurt. Henri Fuchs war hinter dem Dresdner Gütschow (20) und dem Hallenser Schülbe (13) mit elf Treffern bester Rostocker Schütze und ging anschließend zum 1. FC Köln in den Westen.
Hansa gewann vor dem Ende der DDR auch endlich einmal den Pokal!
Mehr ging damals nicht!
Der damalige Kapitän Juri Schlünz gestand später über die Zeit von Reinders in Rostock: „Im ersten Jahr haben wir ihm alles geglaubt. Er hat alles geändert, das Training, die Intensität, die Ernährung. Er hat uns gezeigt, wo es im Profifußball lang geht…“
Was Reinders wiederum wunderte: Beim ersten Training haben sich alle Spieler vor ihm aufgebaut und mit „Sport frei“ ihr Training begonnen. Sie kannten das aus der alten DDR, Reinders schaffte das Ritual ab.
Auch der gut gemeinte Rat des Mannes aus Aurich bei Bremen, ihn jederzeit anrufen zu können, ging damals noch völlig ins Leere. „Trainer, von uns hat keiner ein Telefon…“
Immerhin, Reinders war im Neptun-Hotel oder in Kühlungsborn tatsächlich für seine Spieler erreichbar und hatte ein offenes Ohr für seine Jungs. „Ich spreche eine deutliche Sprache, die jeder versteht. Und in der Kabine spreche ich Klartext", sagt der gebürtige Essener immer.
Seine Maxime damals: „Ich verlange nichts Ungewöhnliches", so der vierfache A-Nationalspieler. „Ich verlange, dass meine Spieler wie Profis leben, und dass sie ihren treuen Fans ein Signal geben, indem sie Gas geben."
Reinders Glück: Der Berliner Werner Voigt hatte ihm eine komplett funktionierende Mannschaft hinterlassen. Technisch gut ausgebildet, taktisch glänzend geschult, moralisch gefestigt, aber vor allem waren die Spieler Heimat noch verbunden.
Während die Sammers und Kirsten, Doll und Thom aus Dresden oder Berlin in den Westen verschwanden, blieb der Stamm des Aufgebots des F.C. Hansa zusammen und erfolgreich.
Für den illegalen Transfer von Axel Kruse gab es auf FIFA-Beschluss nun das erste Westgeld und auch Profiverträge für die neuen Spieler.

Die Premiere in der Bundesliga war gigantisch.
4:0 gegen Nürnberg, 2:1 bei Bayern München, 5:1 gegen Borussia Dortmund!
Der Bundesliga-Aufsteiger von der Ostsee stand plötzlich an der Tabellenspitze, aber mit den ersten Niederlagen schwand die Euphorie, wuchs Streit und Missgunst.
Vor allem die Situation zwischen Präsident Gerd Kische und dem Trainer eskalierte.
Der „kicker“ enthüllte damals plötzlich, mit Jörg Berger stünde schon der Nachfolger für Reinders bereit. Derweil lies sich Kische so zitieren: „Als die Rückschläge kamen, wurde immer weniger trainiert, die Spieler beschwerten sich bei mir. Mit Beleidigungen und Sprüchen war der Absturz nicht aufzuhalten. Reinders hatte dafür keinerlei Konzepte.“
Das Denkmal Reinders bröckelte, „Uns Uwe“, „unser Heiland“ „Garant des Erfolges“ geriet bei Kische in eine peinliche Dauerfehde.
Die Folge: Am 9. März 1992 löste der höchst seriöse Kölner Fußball-Lehrer Erich Rutemöller den Volks-Menschen Uwe Reinders unter dem Protest vieler Fans ab und stieg am Saisonende mit der Mannschaft auch ab…

 

Sie waren die Helden des ersten Aufstiegs:
Babendererde, Andreas (26 Einsätze/4 Tore), Alms, Gernot (25/3), Dowe, Jens (24/4), Fuchs, Henri (24/11), Röhrich, Volker (24/4), Schlünz, Juri (24/6), März, Heiko (23), Caliguri, Paul (22), Weilandt, Hilmar (22/4), Rillich, Frank (19), Weichert, Florian (19/7), Hoffmann, Daniel (13), Kunath, Jens (13), Wahl, Jens (13/1), Werner, Mike (9), Lässig, Thomas (6), Finck, Thomas (4), Reif, Thomas (4), Schulz, Axel (4), Arnoldt, Bernd (2), Kirchner, Uwe (2), Gansauge, Thomas (1). Trainer Uwe Reinders/Jürgen Decker.


Das Jahr des zweiten Aufstiegs 1995

 

Nach dem ersten Aufstieg und dem ersten Abstieg nach nur 365 Tagen folgten für den F.C. Hansa Rostock drei Jahre in der 2. Bundesliga.
Aber: Im vierten Anlauf gelang 1995 der zweite Aufstieg zwei Spieltage vor Schluss der Fußballsaison. Am 11. Juni 1995 siegten die Hanseaten mit 3:0 im eigenen Stadion gegen Hannover 96. Rocco Milde, Steffen Baumgart und Stefan Beinlich sorgten vor 25 600 Zuschauern im Ostseestadion für die Tore. Der Aufstieg wurde eine Woche später am 34. Spieltag auch noch mit einem 1:0 in Nürnberg bejubelt. Nach der Rückkehr aus Franken feierten die Profis ihren Triumph im Volksstadion in Rostock mit einer zünftigen Aufstiegsparty.
Verrückt: Sechs Spieler ließen sich damals Glatzen schneiden. Doch wer vorbeugt, ist clever. So auch Frank Pagelsdorf, der Trainer. Er kam um eine Kurzharr-Frisur herum.
Frank Pagelsdorf war seinerzeit der „Baumeister“ einer neuen jungen Truppe. Am 34. Spieltag stand der F.C. Hansa nach 34 Spielen, 19 Siegen, acht Remis und sieben Niederlagen mit 66:30 Toren und 46:22 Punkten vor dem FC St.Pauli sowie Fortuna Düsseldorf und dem VfL Wolfsburg als Zweitliga-Meister auf Platz 1.
Als Union-Coach scheiterte „Pagel“ zweimal wegen einer gefälschten Bankbürgschaft am Zweitliga-Aufstieg. Mit der jüngsten Truppe (Durchschnittsalter 24 Jahre) marschierte er dann aber mit dem F.C. Hansa in die Bundesliga. Und Verhandlungs-Fuchs Pagelsdorf ließ sich neben einer Nicht- Abstiegsprämie auch eine UEFA-Cup-Prämie in seinen Vertrag schreiben.
Für Aufsehen sorgt Cheftrainer Pagelsdorf erstmals mit einem 3:2-Sieg gegen Meister Dortmund. Allerdings gibt es auch einen negativen Höhepunkt: Im Spiel gegen St. Pauli (2:0) bricht der Hamburger Torwart Klaus Thomforde nach einem Rauchbombenwurf zusammen. Der DFB verknackt Hansa zu 7000 Mark Geldstrafe plus einem Spiel Platzsperre.
Dieses „Strafspiel“ wird für Hansa allerdings zum Zahlspiel. Im Berliner Olympiastadion wollen 60000 fußballhungrige Fußballfans Hansa gegen Eintracht Frankfurt sehen.
Das Spiel endet 1:1. Pagelsdorf ist gerührt: „Am liebsten würde ich alle Fans in mein Auto einladen und mit nach Rostock nehmen.“ Klappt natürlich nicht. Aber Hansa kam noch mal nach Berlin zurück: Im März 96 holten die Rostocker ein 0:0 gegen Fortuna Düsseldorf – vor diesmal 50000 Fans.
Die gute Vorrunde und das Spiel in Berlin spülte etwas Geld in die Kasse. Im Winter holt Hansa zwei  neue Offensivspieler: Toni Micevski aus Mazedonien und den Nigerianer Jonathan Akpoborie aus Mannheim.
Mit einem 2:0 gegen den HSV packt Hansa schon Mitte April den Klassenerhalt. „Jetzt wollen wir in den UEFA-Cup“, verspricht Pagelsdorf den Fans. Leider klappt das nicht. Durch ein 0:1 gegen Köln verpasst Hansa das Ziel, hat aber trotzdem eine überragende Saison gespielt.
Und am Saisonende macht Hansa den ersten von weiteren Millionen-Deals
klar: Verteidiger René Schneider, Europameister ohne Spiel, wird nach Dortmund verkauft.
Nach zehn Jahren Bundesliga stieg der F.C. Hansa vor zwei Jahren ab. Für Fußball-Lehrer Jörg Berger kam dessen Freund und Kollege Frank Pagelsdorf ein zweites Mal zurück. Von seiner Aufstiegs-Mannschaft holte Pagelsdorf zu Saisonbeginn einen Helden von damals zurück und machte ihn zum Kapitän: Stefan Beinlich.
Wie er „Pagel“ damals erlebte, erzählte er uns am Saisonbeginn  schon einmal so: „Frank Pagelsdorf steht für mich als Symbol des zweiten Aufstiegs in die Bundesliga. Als er aus Berlin kam, war Hansa wohl nur Elfter in der 2. Liga. Wir alle waren blutjung und ein Mannschaft, die in Worten so zehn neue Spieler hatte. Und was macht der Trainer: Er sagt, Jungs, unser Ziel ist der Aufstieg in die Bundesliga. Und dann verlieren wir 0:1 gegen Mannheim. Und was macht Pagel? Der sagt zu uns: Jungs, ich korrigiere das Ziel: Wir wollen nicht aufsteigen, wir wollen Erster werden und aufsteigen. Wir haben uns dann völlig ungläubig angeschaut und sind um unser Leben gerannt. Ein Glück war auch: Wir hatten unter Pagelsdorf kaum Verletzungen. Jeder hat Gas gegeben, alles aus sich herausgeholt. Natürlich wollten wir aufsteigen. Aber man musste das alles erst einmal auch im Kopf aufnehmen. Wir waren unter einander Konkurrenten, aber wir waren auch eine Mannschaft mit einem hohen Teamgeist. Wir haben auch außerhalb des Platzes viel gemacht. Was will ich sagen: Der Trainer Frank Pagelsdorf kann eine Mannschaft großartig motivieren. Ich hoffe, diese Geschichte wiederholt sich noch einmal. Zumal der Trainer technisch-taktisch auch große Stärken hat…“
Macht’s noch einmal, Männer!


Sie waren die Helden des zweiten Aufstiegs: Beinlich, Stefan (34/15), Hoffmann, Daniel (34), Baumgart, Steffen (33/10), Weilandt, Hilmar (32), Zallmann, Marco (32), Lange, Timo (31/6), Schneider, Rene (31/6), Breitkreutz, Matthias (29/1), März, Heiko (27/1), Chalaskiewicz, Slawomir (25/5), Werner, Mike ((25), Ehlers, Uwe (24/1), Mnecel, Jacek (21/6), Milde, Rocco (21/9), Hofschneider, Andre (15), Gottwald (9), Persigehl, Stefan (5), Küntzel, Marco (4/1), Bodden, Olaf (3/1), Hannemann, Dirk (3), Kunath, Jens (1), Majunke, Aldo (1), Wenschlag, Kay (1). Trainer: Frank Pagelsdorf/Andreas Zachhuber.

 

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