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01.12.2009 14:18 Uhr

Hansa Rostock lädt Peter Mainka zum Gespräch

Der Fußball-Zweitligist F.C. Hansa Rostock hat den Leiter der Polizeiinspektion Rostock, Peter Mainka, zu einem Gespräch eingeladen. Hintergrund ist ein Interview von Peter Mainka, in dem er den Vorstand des Vereins kritisiert. „Es gab jahrelang nie großen Anlass zur Kritik, aber mittlerweise hat sich das Verhältnis verändert – um es ganz vorsichtig auszudrücken“, wird Peter Mainka in der Ostsee-Zeitung (Dienstag) zitiert. In der Klubführung habe sich „leider ein gewisser Wandel vollzogen“, habe Peter Mainka erklärt. Wann das Gespräch stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Ostseezeitung vom 01.12.2009
  
OZ: Hat die Gewaltbereitschaft im Umfeld des F.C. Hansa zugenommen, Herr Mainka?

Mainka: Ich glaube, dass wir es mit ein paar neuen Phänomenen zu tun haben. Die Gangart ist rauer geworden.

OZ: Ein Rostocker Problem?

Mainka: Nicht nur, in anderen Bundesländern haben sie ähnlich gelagerte Schwierigkeiten. Es scheint sich gesellschaftlich etwas zu verschieben.

OZ: Hat sich die Form der Gewalt verändert?

Mainka: Ja, es wird gezielt Jagd auf gegnerische Fans gemacht. Es geht nicht mehr nur darum, irgendwelche Fan-Utensilien wegzunehmen, sondern es wird ganz gezielt Gewalt ausgeübt. Beim St. Pauli-Spiel zum Beispiel sollten auch Polizisten in Fallen gelockt werden; das hat Gott sei Dank nicht geklappt.

OZ: In Sachsen-Anhalt hat ein Polizist nach Krawallen Anzeige wegen versuchten Mordes erstattet. Müssen Polizisten bei bestimmten Einsätzen um ihr Leben fürchten?

Mainka: Wenn ein Polizist von vielen Leuten bedrängt und gerufen wird: ,Schlagt ihn tot!’, kann manch einer schon zu dem Schluss kommen: Hier war mein Leben bedroht.

OZ: Wie groß ist das Potenzial so genannter Problemfans rund um den F.C. Hansa?

Mainka: Bei den gewaltbereiten und den latent gewaltbereiten Leuten gehen wir von einer Größenordnung von 450 plus X aus.

OZ: Aus welchem sozialen Umfeld kommen sie?

Mainka: Das geht durch alle gesellschaftlichen Bereiche. Personen aus sozial schwachen Schichten sind im Endeffekt etwas stärker vertreten.

OZ: Wie sieht die Altersstruktur aus?

Mainka: Auch vom Alter ist es gemischt. Es gibt Ältere, die genauso gewaltbereit sind wie die ganz Jungen. Gegenwärtig ist Bewegung in der Szene, es findet offensichtlich eine Verjüngung statt.

OZ: Was heißt ganz jung?

Mainka: Es sind zum Teil 14- bis 15-Jährige, die versuchen, in bestimmte Gruppierungen reinzukommen und durch Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Nur so finden sie Zugang zu den entsprechenden Szenen.

OZ: Sind die Gewalttäter einer bestimmten Fangruppierung zuzuordnen?

Mainka: Im Bereich Rostock spielen die ,Suptras’ eine gewisse Rolle, aber das sind nicht die einzigen. Es verteilt sich bundesweit bis nach Hamburg, Berlin oder Bayern. Bei uns im Land gibt es speziell im Raum Wolgast und Anklam Gruppierungen, die sehr gewaltbereit sind.

OZ: Ist der Anteil gewalttätiger Fans in der Ultraszene größer als in anderen Gruppierungen?

Mainka: Die Ultraszene ist in Teilen gewaltbereit. Diese Leute suchen geradezu einen Anlass, um aktiv zu werden. Aber man muss auch klar und deutlich sagen: Es stehen zwischen 800 und 1000 Personen im Block 27/27 A, das sind natürlich nicht alles Gewalttäter. Viele finden es einfach nur toll, dazuzugehören. Aber sie lassen sich während des Spiels für bestimmte Dinge instrumentalisieren.

OZ: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der Polizei mit Hansa?

Mainka: Es gab jahrelang nie großen Anlass zur Kritik, aber mittlerweile hat sich das Verhältnis verändert – um es ganz vorsichtig auszudrücken. Im Bereich der Führung, also dem Vorstand und dem Aufsichtsrat, hat sich leider ein gewisser Wandel vollzogen. Wir dürfen uns abernicht auseinanderdividieren lassen durch eine Fangruppierung, die ihre eigenen Ziele durchsetzen will. Ein erstes Ziel haben sie bereits erreicht, indem der Sicherheitschef (Jörg Hübner/d. Red.) zurückgetreten ist.

OZ: Sie sind der Meinung,dass das auf Druck der Ultras geschehen ist?

Mainka: In Personalentscheidungen des Vereins mische ich mich nicht ein. Aber wir hatten mit Herrn Hübner einen sehr guten Partner; der fehlt uns jetzt. Ein Ziel der Suptras war: Hübner muss weg. Hier liegt die Vermutung nahe, dass der Rücktritt von Herrn Hübner mit dieser mehr als ein Mal transportierten Forderung in irgendeiner Form in Zusammenhang steht.

OZ: Und das bedauern sie.

Mainka: Ja sicher, weil Herr Hübner ein verlässlicher Partner war. Die meisten wissen gar nicht, was hinter der Bezeichnung Sicherheitschefsteht. Herr Hübner war ein Ehrenamtlicher, der sich um die Sicherheitsfragen des Vereins gekümmert hat und ein Großteil seiner Arbeitszeit darauf verwendet hat, um für Hansa Sicherheit zu produzieren. Und das hat er ausgezeichnet gemacht.

OZ: Finden Sie, dass sich die Klubs an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligen müssten?

Mainka: Das ist eine politische Diskussion, aus der ich mich heraushalten will. Fakt ist: Wir müssenmittlerweile einen Aufwand betreiben, der nicht mehr verhältnismäßig ist.
 

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