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23.05.2007 13:30 Uhr

Hansa verabschiedete acht Spieler im „Borwin“

Sie haben viele Jahre das Gesicht des F.C. Hansa Rostock geprägt, über Spieljahre das Niveau des Bundesliga-Teams bestimmt. Nun laufen am Monatsende die Verträge der Profis aus, trennen sich die Wege von acht Spielern und dem Verein an der Küste. Die einen wissen bereits wo sie in Zukunft kicken werden, die anderen suchen noch nach neuen Herausforderungen. Schon jetzt wünschen wir Mathias Schober, Gledson, Kim Madsen, Anton Müller, Kevin Hansen,  Michael Hartmann, Dirk Jonelat sowie Martin Pohl und deren Familien viel Glück für die Zukunft. Bei einem gemeinsamen Mannschafts-Essen im Rostocker Nobel-Restaurant „Borwin“ wurden die Profis am Mittwochmittag im Namen von Aufsichtsrat und Vorstand ganz offiziell verabschiedet. Jeder erhielt Fußballer erhielt dabei traditionsgemäß eine „Kogge“ mit auf den Weg. Anschließend ging die Mannschaft auf eine Freundschaftsspielreise Richtung Magdeburg und Hamburg.

 

Mathias Schober: Zurück zu den Wurzeln
Als Publikums-Liebling Martin Pieckenhagen im Jahre 2001 das Tor des F.C. Hansa verließ und zum Hamburger SV wechselte, fragten sich viele Fans, wer soll den „Piecke“ in Zukunft in der Bundesliga nur ersetzen? Trainer Friedhelm Funkel bekam damals einen Tipp von einem gewissen Frank Pagelsdorf. Der damalige HSV-Trainer und heutige Hansa-Coach empfahl seinem Trainer-Kumpel Funkel seinerzeit den vom FC Schalke 04 an die Hamburger ausgeliehen Mathias Schober. Der Deal mit Schalke klappte. Ein Glücksgriff. „Schobi“ ersetze „Piecke“ relativ schnell. Der Junge aus dem kleinen Marl bei Schalke kam aus dem „Pott“ an die See und blieb bis heute die Nummer 1 im Hansa-Tor.
Hatte er im Trikot des FC Schalke noch die Rückennummer 22 und im Trikot des Hamburger SV die 31 getragen, so bekam er bei Hansa als Nachfolger von Pieckenhagen die Nummer 1. Seinen ersten Einsatz für den FC Hansa absolvierte Schober bei der Eröffnung des neuen Ostseestadion gegen Leverkusen in der Bundesliga. In den ersten vier Jahren beim FC Hansa absolvierte er 126 Bundesliga-Spiele und 8 Spiele im DFB-Pokal; in der Saison 2004/2005 trug Schober sogar die Kapitänsbinde.
Schober setzte sich gegen Konkurrenten wie Daniel Klewer und Carsten Busch stets durch. Nur eine Schulterverletzung zwang ihn kurzeitig zur Pause. Zur neuen Saison setzte sich Schober auch gegen die neue Konkurrenz von Patric Klandt und Jörg Hahnel durch und war einer jener Keeper mit den wenigsten Gegentreffer in der Spielzeit 2006/2007.
Hansa hätte Schober gerne behalten. Aber: Der Torhüter hat den Verein am 17.04.2007 darüber informiert, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. „Mathias hat uns mitgeteilt, dass er unser Angebot nicht annimmt und sich für den FC Schalke 04 entschieden hat. Wir bedauern diese Entscheidung, müssen sie aber akzeptieren", so Hansa-Manager Stefan Studer.
Schober selbst unterschrieb inzwischen einen Vertrag bis 2011 beim deutschen Vizemeister FC Schalke 04. Mathias dazu: „Ich bin in Marl groß geworden und Schalke ist mein Heimatverein, bei dem ich schon einmal zehn Jahre war. Daher bin ich sehr froh darüber, dass ich hier noch einmal die Chance erhalten habe. Mit nunmehr 31 Jahren habe ich so die Möglichkeit, in der Champions League und um Titel zu spielen. Das ist etwas, worauf ich mich freue.“ Mit Manuel Neuer und Ralf Fährmann trifft Schober in Gelsenkirchen auf zwei talentierte Nachwuchskeeper. Mathias Schober hat sich in den letzten 18 Monaten nebenbei weitergebildet und steht beim IST-Institut in Düsseldorf vor dem Abschluss in Sportmanagement. Danach will er vor der IHK sein Diplom als Sport-Fachwirt absolvieren.

 

Gledson: Von der See nach Schwaben
Er war der erste Brasilianer des F.C. Hansa. Er hat seinem Land alle Ehre gemacht. Gledson – er ist ein Muster an Einsatz. Er ist einer der besten Abwehrspieler der 2. Liga geworden. Er war neben Mathias Schober einer der wichtigsten Leistungsträger von Frank Pagelsdorf im fast abgelaufenen Spieljahr. 2003/04 bestritt „Gledi“ 27 Spiele unter dem Fußball-Lehrer  für den in Osnabrück. 2004/05 spielte er 28 Begegnungen für Ahlen. Im Sommer 2005 wechselte er schließlich als Nobody  an die Küste. In Rostock entwickelte sich der Brasilianer im Gegensatz zu seinem Landsmann Faroni zu einem der besten Abwehrspieler der Liga. Ein neues Vertragsangebot von Rostock hat Gledson nach zwei tollen Spielzeiten im Frühjahr abgelehnt.
„Es ist mein Prinzip, als Fußballer immer alles zu geben. Das habe ich in Rostock getan. Ich bin nicht mehr 21 Jahre, dann wäre ich vielleicht noch bei Hansa geblieben. Aber ich habe neben dem Sport hier in Rostock privat meine Liebe und meine Glück gefunden. Es ist an der Zeit sich um die Familie zu kümmern.“ Nach eigenen Aussagen wechselt Gledson nun zur Sommerpause 2007 ablösefrei zum VfB Stuttgart, wo man ihm erstklassiges Angebot gemacht hat. Er spielt für drei Jahre beim neuen deutschen Meister!

 

Kim Madsen: Der Däne geht nach Hause
Es war der 27.02.2004, Hansa Rostock spielte gegen SC Freiburg (4:1). Es war der Tag des ersten Spiels des Dänen Kim Madsen, der vom VfL Wolfsburg nach Rostock kam und zeitweilig mit den Kollegen Thomas und David Rasmussen in der Bundesliga für „Danish Dynamit“ an der Küste sorgte. Er wurde damals in der 84. Minute für René Rydlewicz eingewechselt. Kurios daran, ein Nienhagener Bewohner ging für den anderen. Über drei Jahre bildeten die beiden auch eine Fahrgemeinschaft ins Stadion, wurden  hier Nachbarn und Freunde. Nun sucht sich Kim Madsen mit seiner Freundin Sandrina, die schon fleißig dänisch gelernt hat, eine neue Herausforderung. Nach eigenen Aussagen liegt seine Zukunft wieder in Dänemark. Hier spielte er ja früher schon für FC Kopenhagen, KB Kopenhagen, B 1906 Roskilde, Svogerslev BK.
Für Trainer Frank Pagelsdorf war Kim Madsen jederzeit in Abwehr und Mittelfeld eine wichtige wie zuverlässige Option als Defensivspieler. Trainer mögen solche Spieler, die so flexibel einsatzfähig sind. Nur einen Stammplatz hat Kim so in der Mannschaft leider nie ganz gefunden. Aber zuverlässig war er als Profi immer.

 

Kevin Hansen: Neun Op’s in acht Jahren
Insider wissen es: Kevin Hansen ist unter den Hansa-Spieler einer der technisch besten Spieler. Kaum ein anderer Spieler hat eine solche Schusstechnik wie der „Hamburger Jung“.
Der einstige Amateur-Trainer Peter Ränke hatte Kevin Hansen in Hamburg bei Vorwärts-Wacker Billstedt entdeckt und ihn 1999 nach Rostock geholt und in seiner Mannschaft zu einer festen Größe aufgebaut. So wurde der Konstruktionsmechaniker langsam aber sicher Profi des F.C. Hansa. Am 4. Mai 2002 gab der Mittelfeldspieler Kevin Hansen beim Spiel FC Bayern München gegen den F.C. Hansa Rostock (3:2) einen traumhaften Einstand in der Bundesliga. Hansa-Coach Armin Veh hatte „Hansi“ erst in der 70. Minute für Steffen Baumgart eingewechselt. 12. Minuten später erzielte er schon mit einem Rechtsschuss das 1:2 und somit seinen ersten Bundesliga-Treffer. Aber schnell war das Glück aufgebraucht. „Ich hatte hier in acht Jahren neun Operationen. Das hat mich immer wieder zurückgeworfen.“ Physiotherapeut Steffen Rische machte Hansen nach vielen Operation bei Dr. Segesser in Basel immer wieder Mut, arbeitete viel mit ihm. Eigentlich war Hansen kurzzeitig auch schon in Aue. Aber Hansa holte ihn zurück. Jetzt ist Kevin gesund, aber kaum im Einsatz. „Diese Saison ich für mich schon eine Enttäuschung. Aber ich bereue die Zeit in Rostock nicht.“ Mehrere Zweitligisten wollen  Hansen nun.

 

Michael Hartmann: Vom Spieler zum Pädagogen
Er kam 2005 mit Jari Litmanen um den F.C. Hansa vor dem Abstieg zu retten. Aber das Unternehmen gelang nicht. Doch der Musterprofi aus Brandenburg wurde lange Zeit für Trainer Frank Pagelsdorf eine wichtige Stütze und dessen jungen Kader. Spieler wie Marc Stein, Tobias Rathgeb und  auch Christian Rahn waren seine Kontrahenten im internen Wettbewerb um die Positionen auf der linken Abwehrseite. „Harty“ gab immer alles, unterstützte als Mitglied des Mannschaftsrates die Truppe vorbildlich wo er konnte. Auch wenn er in den letzten Monaten wenig spielte, gab es von ihm nie ein böses Wort. Jetzt will sich Michael im Verein eine neue Existenz aufbauen. Über den Weg der Amateur-Mannschaft möchte er in den Job des Trainers reinschnuppern. Diese Gelegenheit gibt ihm der Verein nun. Er ist aber auch noch Stand-by-Profi. Kunststück bei der Fitness und Erfahrung.

 

Anton Müller, Dirk Jonelat und Martin Pohl: Suche nach Alternativen
Die Laufbahn von Anton Müller? Der Berliner kann sie am besten selbst kurz erzählen: „Also ich habe mit zwei Jahren bei den Minis in Lichtenfelde angefangen, dort spielte mein Bruder Felix und dem bin ich hinterher. Mit der D-Jugend wurde ich Berliner Meister, in der C-Jugend 1997 bin  ich zu TeBe, danach war ich Austausch-Schüler, machte mein Abi, meldete mich bei den Reinickendorfer Füchsen 2001 an und wechselte nochmals zu Tennis Borussia. Hier war Peter Ränke mein Trainer und der hat mich schließlich nach Rostock geholt.“ Das war vor vier Jahren. Stefan Böger und Timo Lange waren bei den „Amas“ seine Trainer. Als Frank Pagelsdorf vor zwei Jahren kam, holte der ihn in den Profikader, gab in der 2. Liga in Karlsruhe relativ fix sein Debüt. Aber der Durchbruch gelang nicht. Stattdessen fand „Toni“ immerhin privat in seiner Frau Nadine sein Glück, sein Töchterchen Gisele ist als kleine Rostockerin sein ganzer Stolz. Sportlich klappte es nicht so. Schon in der Winterpause plante „Pagel“ nicht mehr mit dem Mittelfeldspieler. Bei mehreren Vereinen war er damals auch zum Probetraining. Ohne Erfolg. Hoffentlich hat der sympathische, erfolgreiche langjährige Kapitän der erfolgreichen Amateur-Mannschaft bei der neuen Job-Suche in der Sommerpause mehr Glück.
So wie Anton Müller plant der Trainer Frank Pagelsdorf aber nun in der Beletage des deutschen Fußballs auch nicht mehr mit Antons langjährigen Mitspielern Martin Pohl und Dirk Jonelat. Alle drei stehen für Meisterschaften und Pokalsiege in Mecklenburg-Vorpommern bzw. in der 4. Liga. Aber: Auch sie schauen sich nun nach neuen Herausforderungen um. Martin Pohl als echter Rostocker Junge und Kind des Vereins machte gerade im ersten Abstiegsjahr auf sich aufmerksam, war in der Abwehr oft eine wichtige Figur für den Trainer bei den Spielen in Liga 2. Den Durchbruch schaffte er jedoch nicht komplett, musste zuletzt oft auf die Tribüne. Ähnlich ging es Dirk Jonelat. Als er auf dem Sprung in die erste Mannschaft war, setzten ihm Knie-Verletzungen ein Stopp. Davon erholte er sich nicht so schnell. Der freundliche Berliner Junge spielte so zuletzt mehr in der Amateurelf als das er bei den Profis kickte.

 

Jungs, es war eine schöne Zeit mit Euch! Viel Glück in der Zukunft! Jeder Abschied ist ein kleiner Schmerz. Aber niemals geht man ja so ganz…

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