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07.04.2006 12:41 Uhr

Hansa-Vorstand Bernd Ziemer zur Lage der Nachwuchs-Abteilung

Niemals zuvor in der Geschichte des F.C. Hansa Rostock war die Nachwuchs-Abteilung des Vereins individuell und mannschaftlich so erfolgreich wie heute. Viele Amateure wechselten zu den Profis, talentierte junge Spieler kicken oft schon eine Spielklasse höher. Ein Dutzend Fußballer stehen in den Sichtungsbüchern des DFB. Die A-, B- und C-Jugendlichen spielen in ihren Spielklassen eine dominierende Rolle und stehen im oberen Tabellenfeld. Nach zwei Dritteln der Saison äußert sich Hansa-Vorstand Bernd Ziemer über die Lage der Amateur-Abteilung.

Herr Ziemer, der Winter war kalt und hart. Sind Sie froh, dass der Rasen wieder grün ist?

Ziemer: Ehrlich, es wurde höchste Zeit. Manche unserer Mannschaften hatten ja schon bis zu vier oder gar fünf Nachholspiele auf dem Konto. Die Jungs waren genervt. Wir wussten schon gar nicht, wie und vor allem wo wir mit den Burschen noch trainieren sollten. Spieler, Trainer, Betreuer und sogar die Leute vom DRK haben hier Massen von Schnee geschippt. Oft haben die Jungs mehr Schnee als Bälle gesehen, so vereist und verschneit waren die Plätze. Aber letztlich haben wir alles gemeistert und freuen uns auf jedes neue Spiel.

Seit dem 1. April ist Matthias Sammer Sportdirektor des DFB. Hatten Sie schon Kontakt zu dem gebürtigen Dresdner?

Ziemer: Nein. Aber wir freuen uns natürlich, dass so ein großartiger Spieler und Trainer jetzt im DFB neue und einheitliche Strategien für den Nachwuchsfußball entwickeln will. Er kennt schließlich gute Nachwuchsarbeit aus seiner Heimat Dresden. Ich hoffe, die neuen Strukturen in Frankfurt helfen auch uns. Ähnliche Weitsicht und Einheitlichkeit versuchen wir ja auch beim F.C. Hansa mit unseren Mannschaften durchzuziehen. Egal ob individuelle Nachwuchsförderung oder einheitliche taktische Ausbildung.

In den letzten drei Jahren kamen zwölf Spieler über das eigene Internat bzw. über die zweite Männermannschaft in den Profi-Fußball. Ist das der Sinn der Ausbildung?

Ziemer: Klares Ja. Erste, zweite oder dritte Plätze sowie Siege sind schön. Aber die Ziele an der Basis sind eine gute technische und athletische Ausbildung, eine taktische Schulung und eine individuelle Entwicklung. Einst haben wir so einen Uwe Ehlers oder Marco Vorbeck bis oben durchgebracht. In der Bundesliga haben wir das vor zwei Jahren mit Tim Sebastian geschafft. Nach dem Abstieg in die 2. Liga bekamen Jungs wie Bülow, Hansen, Schied, Stein, Pohl, Shapourzadeh sowie Yelen, Müller, Jonelat, Lange, Jahn oder Dojahn ihre Chance. Die einen sind schon Profis, die anderen dürfen abwechselnd schon einmal  bei Cheftrainer Frank Pagelsdorf vorspielen. Allein das Training bei den Profis härtet ja schon ab, bringt Erfahrungen mit sich. Um ehrlich zu sein: Es ist natürlich heute leichter, sich in der 2. Liga anzubieten. Das verkennen wir nicht. Aber wir freuen uns über Frank Pagelsdorfs Entwicklungsprogramm über Jahre.

Mit Toni Kroos qualifizierte sich gerade ein Rostocker Spieler für die U17-EM. Damit setzt er Traditionen von Spielern wie Thomas Doll, Axel Kruse, Maik Zimmermann fort. Wie beurteilen die Trainer seine Leistungen in der Qualifikation in Holland?

Ziemer: Toni hat in kurzer Zeit als jüngerer Jahrgang neun Spiele und vier Tore gemacht. Er ist bei DFB-Trainer Bernd Stöber in eine Spielmacherrolle gewachsen. Sein Vater Roland, der ja bei uns die B-Junioren trainiert, hat die Spiele vor Ort in Holland gesehen und hörte nur Lob über Toni. Ich hoffe nun, er ist auch bei der EM im Mai dabei und vertritt Hansa in alter Tradition würdig.

Mittlerweile spielen auch schon einige Junioren in der 2. Mannschaft…?

Ziemer: Ja, auch das gehört ja zu unserem einheitlichen Konzept. Man muss die Jugend fordern und fördern. Durch die Tatsache, dass wir eine zwar junge, aber stabile zweite Mannschaft haben,  konnten wir schon mal talentierte Junioren wie Hannes Grundmann und  Sebastian Albert oben testen. Aber ich sage es noch einmal: Im Vordergrund dieser Mannschaft steht nach wie vor die Ausbildung! Hier geht es darum, sich individuell, physisch und  psychisch auf den Profifußball vorzubereiten. Auch für die A-Junioren kicken schon einige B-Junioren. Bei den B-Junioren spielt mit Felix Kroos ein C-Junior usw…

Die B-Junioren sind Deutscher Vize-Meister, haben als Zweiter hinter Hertha BSC in der Regionalliga die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft fast sicher. Was erwarten Sie von der Mannschaft?

Ziemer: Sie sollen versuchen – wie im Vorjahr – so weit wie möglich zu kommen.

Die A-Junioren sind jüngst durch Siege gegen Bremen (4:1) und den HSV (2:0) aufgefallen. Ist das ein gutes Zeichen?

Ziemer: Wir freuen uns, klar. Aber wir bewerten das nicht über.

Nach dem Abschied von Jörg Berger aus Rostock gab es in den Mannschaften durch Umstrukturierungen auf Trainerebene etwas Unruhe. Aber am Tabellenbild merkt man das nicht…

Ziemer: Tatsächlich: Thomas Finck hat in der 2. Mannschaft Timo Lange gut vertreten. Durch Timos Wechsel zu Frank Pagelsdorf ist das Verhältnis zwischen Profi- und Amateurmannschaft sogar intensiver denn je geworden. Gerald Dorbritz hat sich schnell an die A-Junioren gewöhnt. Der Doppelwechsel in den B-Junioren durch den Abschied von Thomas Finck nach oben und Robert Roelofsen nach Wolfsburg wurde von Roland Kroos eben so gut kompensiert wie sich Hermann Hagen bei den C-Junioren eingelebt hat. Alle Mannschaften spielen im oberen Tabellenfeld und haben ihre Auswahlspieler…

Im Sommer steht freilich noch spektakulärer Wechsel an. Wer kommt?

Ziemer: Wir haben uns jetzt einmal mit unserem einstigen Bundesliga-Trainer Juri Schlünz zusammengesetzt und ihm angetragen, ab Sommer die C-Junioren zu trainieren, damit Herrmann Hagen wieder in seinen alten Bereich wechseln kann. Juri hat Ja gesagt. Bislang ist er Scout im Nachwuchs. Das bleibt er auch weiterhin. Aber er bekommt eben auch noch eine eigene Mannschaft. Es ist ein Glück für den Verein, dass so eine Legende sich um unseren Nachwuchs kümmert. Der einstige Bundesliga-Trainer kommt ja auch aus dem Bereich und hat damals mal die B-Junioren trainiert. Er kennt also alle Abläufe bei uns. Wir freuen uns auf seine Mitarbeit. Ich glaube, er wird große Vorbildwirkung bei den Jungs haben.

Individuell steht Hansa ja auch toll da. Welche Spieler sind denn momentan in der Sichtung des DFB?

Ziemer: Bei der U19 haben wir Sebastian Albert, bei der U18 Tom Buschke. In der U17 sind wir im erweiterten Kader mit Toni Kroos, Stefan Person, Tobias  Jänicke und Felix Drecoll vertreten. Bei der U16 haben wir Stefan Gusche,  Maximilian Rausch und Felix Wieprecht dabei. In der U15 stehen Felix Kroos, Kevin Müller, Florian Brügmann und Marcel Georg im Focus des DFB. Diese Jungs könnten im Herbst ihre ersten Länderspiele für Deutschland machen…

Wo hapert es?

Ziemer: Prinzipiell sind wir auf einem positiven Weg und gut aufgestellt. Aber alles kann man besser machen. So suchen wir für unseren Nachwuchs nach wie vor u.a. an der Uni junge Trainer und Sportstudenten, die unsere Philosophie in den Mannschaften vertreten. Wir suchen auch junge, ehrgeizige Burschen, die bei uns Schiedsrichter werden wollen. Und: Wir suchen immer besonders talentierte Rostocker Jungs, die schon von klein auf unsere Jugendmannschaften durchlaufen und die wir hier vor Ort zu guten Fußballern entwickeln können. Was nicht ausschließt, dass wir auch weiterhin nach talentierten Jungs über unsere Landesgrenzen hinaus suchen. So wie wir jetzt gerade wieder mit Florian Brügmann aus Hornbek oder Denis Simdorn aus Greifswald zwei Talente aufgespürt und zu uns ins Internat geholt haben, von denen wir uns einiges versprechen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.

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