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03.08.2011 11:04 Uhr

Historie: 3. August 1991 - das erste Hansa-Tor in der Bundesliga

Der Mann hat mit seinen Füßen Historie „geschrieben“: Florian Weichert erzielte am 25. Mai 1991 im Heimspiel gegen den 1. FC Lok Leipzig (1:4) den letzten Treffer für Hansa Rostock in der letzten DDR-Meisterschaft. Am 3. August 1991 besorgte er für seine Farben im Ostseestadion beim Bundesliga-Debüt der Ostseestädter den ersten Treffer gegen den 1. FC Nürnberg (4:0) in der Bundesliga und geht damit in die Geschichte des F.C. Hansa Rostock ein. Zu diesem Anlass sprach fc-hansa.de mit dem einstigen Stürmer und heutigen Fernsehreporter des MDR.

fc-hansa.de: Herr Weichert, erinnern Sie sich noch an Ihre historischen Treffer?
Florian Weichert: Schön, dass Sie mich an das letzte Tor in der Oberliga erinnern - das ist mir schon beinahe wieder entfallen. An meine beiden Tore beim Bundesliga-Debüt erinnere ich mich unterdessen sehr wohl. Den ersten Treffer legte mir Stefan Böger zum 1:0 von der rechten Seite auf. Ich traf auch mit rechts. Torwart Andreas Köpke war ohne Chance. Den zweiten Treffer zum 3:0 machte ich später mit links.

fc-hansa.de: Wie war Ihr Eindruck vom ersten Bundesliga-Spiel?
Weichert: Oh, mir war ganz mulmig. Vor der Saison hatten wir als Ost-Meister am Holsten-Cup teilgenommen und eine Klatsche vom 1.FC Kaiserslautern, mit Trainer Feldkamp, Bruno Labbadia und Stefan Kuntz, bekommen. Juri Schlünz sah die erste gelb-rote Karte, war in der Folge gesperrt.
Was sollte das dann erst gegen den Club nur werden? Aber genau das war damals vor nur 13.000 Zuschauern unsere Chance. Dann folgte das 2:1 bei Bayern München und vor nunmehr 25.000 Zuschauern das 5:1 gegen Dortmund. Mit drei Siegen waren wir plötzlich Tabellenführer und ich stand mit fünf Toren nach 13 Spieltagen im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Plötzlich interessierten sich große Vereine wie Bayern, der HSV oder Bremen für mich.

fc-hansa.de: Trainer Uwe Reinders beklagte zu jener Zeit, Sie hätten als prominenter Spieler in der Stadt nicht mal ein Telefon gehabt…
Weichert: Ich gehörte nach der Wende schnell zu den Wenigen, die durch einen Sponsor aus dem Westen ein Telefon, ein so genanntes C-Netz, hatten. So kam es wohl auch, dass mir schnell Vertragsangebote aus dem Westen vorlagen. Leute wie Uli Hoeneß hatten so dann auch zügig meine Nummer und mich ziemlich schnell erreicht. Mein Telefon war damals aber noch so groß wie ein Koffer…

fc-hansa.de: Nach den ersten DDR-Profiverträgen gab es schnell neue Verträge für die Bundesliga. Man bot Ihnen einen Zweijahresvertrag an, aber Sie unterschrieben nur für ein Jahr. Aus welchem Grund?
Weichert: Ich hielt das Angebot eher für einen Witzvertrag. Also unterschrieb ich erst einmal nur für ein Jahr, in der Folge dann für vier Jahre.

fc-hansa.de: Dieser Vertrag galt nur für die 1. Bundesliga und wurde dann beim Abstieg hinfällig, oder?
Weichert: Ja, die vier Jahre galten nur für die Bundesliga, deshalb wechselte ich dann zum HSV. Egon Cordes hatte von den Bayern viel Gutes von mir gehört. Aber dieser verließ Hamburg und ich passte nicht in das sportliche Konzept von dessen Nachfolger Benno Möhlmann. Hamburg wurde für mich somit zum Missverständnis.

fc-hansa.de: Hat man als Jung-Profi auch das Umfeld wahrgenommen?
Weichert: Klar, nach den ersten Bundesligaspielen war bei den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die anfängliche Euphorie verflogen. Arbeitslosigkeit führte zu Depression. Zudem gab es Neider, Egoisten und Kriminelle. Der Ton in der Gesellschaft wurde rauer, die Zeiten wurden schwerer, die Leute kamen auch weniger zum Fußball. Ich erinnere mich auch an ein bedeutungsloses Spiel gegen den FC Barcelona im Europapokal, zu dem wenige Zuschauer kamen, weil die Preise einfach zu hoch waren. Am Ende war es schon so, dass es uns Fußballern durchaus gut ging, aber den Menschen um uns herum und unseren Familienangehörigen wesentlich schlechter.

fc-hansa.de: Welchen Anteil hatte Uwe Reinders am Erfolg in Rostock?
Weichert: Unter Trainer Werner "Pico" Voigt waren wir zu DDR-Zeiten total austrainiert, aber im Spiel auch oft ausgepowert. Reinders passte einfach zu uns. Er war streng und doch locker. Wir trainierten weniger und waren trotzdem besser, wir freuten uns auf die Spiele, der Ball lief, unsere Truppe war homogen und eingespielt. Die Moral stimmte und der Erfolg kam automatisch. Es war unser Glück, dass wir alle recht namenlose Spieler waren, die gerne an der Küste lebten. Wir sind von Sieg zu Sieg marschiert. 

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