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12.10.2006 09:35 Uhr

„Ich bin in Rostock endlich angekommen!“

Am Freitag, dem 10. März 2000, machte Sebastian Hähnge (28) in der Begegnung FSV Mainz 05 gegen den Chemnitzer FC (5:0) sein erstes Zweitliga-Spiel. Aber das war damals noch die totale Pleite. Mainz landete einen Kantersieg und „Basti“ wurde schon in der 40. Minute von CFC-Trainer Christoph Franke ausgewechselt. Da stand es allerdings noch 1:0…

Jetzt sieht die Welt in der 2. Liga für den gebürtigen Magdeburger schon viel freundlicher aus. Hähnge unterschrieb im Sommer in Rostock als Profi, spielt für Hansa und belegt in der 2. Bundesliga mit den Ostseestädtern Rang 2. Von sechs Spielen setzte ihn Cheftrainer Frank Pagelsdorf zunächst dreimal als Einwechsler (Aue, Augsburg, Lautern) ein. Im Pokal in Babelsberg spielte er eine Viertelstunde. Der Durchbruch scheint ihm nach dem 1:0-Erfolg gegen den MSV Duisburg gelungen zu sein. Erstes Spiel von Anbeginn, erstes Zweitliga-Match über 90 Minuten. Wir baten Sebastian Hähnge vor der Begegnung bei Wacker Burghausen zum aktuellen Interview.

 

Sebastian, warum hat es so lange gedauert, sich in Rostock durchzusetzen. Schließlich kamst du aus Jena als bester Torjäger der 3. Liga (Nord)?

Hähnge: Gute Frage, kann ich eigentlich so nicht beantworten. Ich hätte es mir auch anders gewünscht, früher, mit mehr Einsätzen und mehr Spielzeiten. Von mir aus hätte es nicht so lange dauern müssen. Aber der Trainer entscheidet. Dies muss man halt akzeptieren.

 

Warst du sauer, dreimal vor dem Duisburg-Spiel nur für einige Minuten eingewechselt worden zu sein. In Jena hättest du ja wahrscheinlich in der 2. Liga jedes Spiel gemacht?

Hähnge: Klar, in Jena wäre ich sicherlich gesetzt gewesen und hätte wahrscheinlich alle Spiele gemacht. Befriedigend war das am Anfang hier nicht. Ich kam ja mit der Euphorie zweier Aufstiege und dem Bewusstsein als Stammspieler. Ich war bis dato erfolgreich, war auch gar nicht mehr gewohnt, auf der Bank zu sitzen. In Rostock war ich nun neu, musste mich an eine neue Mannschaft gewöhnen, Akzeptanz gewinnen, für den Einsatz mehr im Training kämpfen. Nun scheine ich aber auf dem richtigen Weg zu sein. Was ich brauche sind Spiele, Spiele und nochmals Spiele. Dann kriege ich auch meine Spielsicherheit und Spielfitness wieder. Die Praxis ist ganz wichtig.

 

Worin siehst du deine persönlichen Ziele?

Hähnge: Natürlich kämpfe ich jetzt erst einmal um einen Stammplatz, dann sehen wir weiter. Unser Punkt- und Torverhältnis sowie der Tabellenplatz sind toll. Es macht Spaß. Wir sind auf einem guten Weg. Die Bundesliga lockt.

 

Wie beurteilst du deinen Wechsel an die Küste?

Hähnge: Positiv. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und ich habe sie hier gefunden. Meine Freundin Kristin hat an der Uni eine Ausbildung als Personal-Dezernent gefunden, wir haben eine schöne Stadtwohnung und zur Arbeit ist es nicht weit. Und wenn wir zum Meer wollen, dann sind wir auch dort schnell vor Ort.

 

Du hast beim 1. FC Magdeburg, beim Chemnitzer FC, bei Dynamo Dresden und Jena gespielt. Was ist in Rostock anders?

Hähnge: Die Tradition, das Umfeld. Du spürst hier überall zehn Jahre Bundesliga-Erfahrung. Alles ist hier sehr professionell. Wir haben optimale Trainingsbedingungen, ich hatte schnell eine Wohnung, die Mannschaft ist stark und ausgeglichen, das Stadion und die Atmosphäre toll. Es macht Spaß, hier zu arbeiten. Auch ein Trainer wie Frank Pagelsdorf bestimmt das Niveau eines Vereins sicherlich positiv.

 

Wie stark ist der F.C. Hansa in dieser Saison aus deiner Sicht?

Hähnge: Wir treten als Mannschaft sehr geschlossen und kompakt auf. Dementsprechend stabil sind wir. Wir gehören zu den acht Mannschaften, die für den Aufstieg in Frage kommen. Wir scheinen ausgeglichener besetzt als andere, die vielleicht die berühmteren Namen im Team haben.

 

Auf welcher Position fühlst du dich eigentlich am wohlsten?

Hähnge: Ich bin nicht der Strafraumspieler wie ein Müller oder Kirsten. Ich bin eher ein spielender Stürmer, der aus der Tiefe des Raumes kommt. Ich habe gerne das Spiel vor mir, spiele mal in der Spitze, kann aber auch als hängende Spitze operieren. Gegen Duisburg hat man das gut gesehen. Da habe ich mich zum Beispiel auch sehr gut mit Enrico Kern abgewechselt, dort haben wir mit diesem System für Überraschungsmomente gesorgt.

 

Mancher sagt, du bist als Stürmer zu langsam?

Hähnge: Das höre ich oft. Ich bin sehr groß und wirke dadurch nicht so schnell. Aber ich kann ja hier mal verraten, ich war in Jena der drittschnellste Spieler und in Rostock bin ich bei den „Sprintern“ im ersten Drittel. So langsam kann ich also gar nicht sein…

 

Wie siehst Du die momentane Konkurrenz im Sturm mit Kern, Schied, Cetkovic und Shapourzadeh?

Hähnge: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich scheue mich nicht vor der Konkurrenz. Jeder ist wichtig. Der Trainer muss entscheiden. Klar ist: Alle müssen im Training Vollgas geben. Wir liegen leistungsmäßig alle eng beieinander, wie der Trainer sagt. Da entscheiden wirklich manchmal Trainingseindrücke, wer ran darf.

 

Würdest du vielleicht mit deiner Technik, Ballsicherheit und Übersicht lieber als „Zehner“ hinter den Spitzen spielen?

Hähnge: Erst einmal möchte ich überhaupt spielen. In Ansätzen hat man mich ja gegen Duisburg in dieser Rolle abwechselnd mit Enrico Kern gesehen. Es würde auch gehen.

 

Du kamst von Aufsteiger FC Carl Zeiss Jena. Bist du jetzt überrascht, wie der Verein sich in der 2. Liga schlägt?

Hähnge: Nein, es überrascht mich nicht. Es war und ist eine gute Mannschaft. Das Trainerteam um Coach Heiko Weber hat gut dazugekauft. Wenn Sie in der Abwehr hinten noch besser stehen, werden sie nicht mehr so vielen Rückständen hinterherlaufen müssen. Mich wundert, dass sie nur  so viele Unentschieden gemacht haben.

 

Wie siehst du jetzt die nächsten Wochen aus der Position der Gejagten und vor dem Match in Burghausen, dem Heimspiel gegen Kickers Offenbach bzw. dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln?

Hähnge: In unserer Situation und mit unseren Ansprüchen müssten wir in Burghausen und gegen  Offenbach zweimal gewinnen. Das Spiel in Köln wird ein Wahrsager. Zu Hause haben wir gegen Duisburg und Kaiserslautern in einer tollen Atmosphäre unter Flutlicht unsere Klasse.  Bei den heimstarken Kölnern müssen wir uns sonntags um 14 Uhr beweisen. Das wird aber sicher auch ein toller, ein großer Fight.

 

Welchen Anteil haben die Rostocker Fans an euerm Formhoch?

Hähnge: Rostock hat den Vorteil eines tollen Stadions. So etwas fehlte in Dresden oder in Jena. Aber dort waren die Fans auch heiß, engagiert, lautstark und toll. In Rostock ist das allein durch das sensationelle Ostseestadion noch eine Kleinigkeit besser. Die Fans sind wirklich eine Macht, da kommt tatsächlich was von den Tribünen auf den Rasen  rüber, da macht es Laune, zu spielen. So wie gegen Lautern, oder wie gegen Duisburg. Genial.

 

Du warst gar nicht beim Länderspiel Deutschland gegen Georgien. Warum?

Hähnge: Stimmt. Ich wäre gerne gegangen. In fünf Tagen zweimal 28000 Zuschauer, ausverkauftes Haus. Aber ich war zum Absolvententreffen in Magdeburg, also zu Hause. Das war unheimlich lustig. Einige hat man gar nicht mehr erkannt. Und einige hatten mich am Montagabend gegen Duisburg gesehen. Da war der Wiedererkennungswert wohl von Vorteil…

 

Danke für das Gespräch, viel Glück in Burghausen.

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