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26.03.2007 16:32 Uhr

65. Traditions-Duell steigt am Fuße der Kernberge

Es gibt diverse Bezeichnungen für das Reiseziel des F.C. Hansa am kommenden Freitag. Einige Anhänger des Gastgebers FC Carl Zeiss bezeichnen die Heimat ihres Vereins zum Beispiel gern als Paradies, obwohl das gleichnamige Areal eigentlich auf der linken und damit gegenüberliegenden Seite des Flüsschens Saale liegt. Korrekter ist es dagegen schon, vom Stadion am Fuße der Kernberge zu sprechen, auch wenn Stadion und Kernberge noch von einer vierspurigen Bundesstraße und einer Straßenbahntrasse getrennt werden. Offiziell wird das Gelände zwischen jener Hauptverkehrsader und der Saale auch als Jenaer Oberaue bezeichnet und beheimatet in erster Linie jede Menge Sportanlagen. Allein das Gelände des Jenaer Zweitligisten umfasst zehn Rasenplätze und trägt bereits seit 1939 den Namen des Physikers Ernst Abbe. Dessen Freund Carl Zeiss findet sich sogar im Clubnamen wieder, allerdings erst seit 1966.

 

Nachdem der Verein in den Nachkriegsjahren allein siebenmal umbenannt wurde, firmierte er von 1951 bis 1966 dann unter dem Namen SC Motor und entwickelte sich in diesem Zeitraum zu einer Spitzenmannschaft der DDR. In der Saison 1952/53 sowie ab 1957 ununterbrochen bis zu deren Auflösung 1991 gehörten die Jenaer der Oberliga an, wurden dreimal DDR-Meister und viermal FDBG-Pokalsieger. Als größter Erfolg gilt aber das Erreichen des Endspiels im Europapokal der Pokalsieger, als sich der FC Carl Zeiss 1981 unter seinem langjährigen Trainer Hans Meyer in Düsseldorf Dynamo Tbilissi nur knapp mit 1:2 geschlagen geben musste.

In Jena war zuvor unter anderem der AS Rom mit 4:0 bezwungen und damit eine 0:3 Hinspielniederlage noch wettgemacht worden. Doch auch für die Rostocker war im Ernst Abbe Sportfeld nur selten etwas zu bestellen. In 22 Oberliga-Punktspielen zwischen 1958 und 1983 gab es 21 Niederlagen, nur am 10.November 1963 gelang ein 3:1 Auswärtssieg beim amtierenden DDR-Meister. Auch das einzige Pokalspiel in Jena ging am 25.November 1972 mit 1:4 verloren, allerdings gelang den Hanseaten durch einen 3:0 Heimsieg im Rückspiel eine Woche später noch der Einzug in die nächste Runde.

 

Immerhin konnte der F.C. Hansa noch drei seiner letzten sieben Oberliga-Punktspiele in Jena gewinnen. Zwei 1:0 Erfolgen 1983 bzw. 1988 folgte ein 3:0 Auswärtssieg am 17.August 1990, mit dem der Grundstein für den Meistertitel der Hanseaten gelegt wurde. Auch in der 2.Bundesliga spielten Jena und Rostock noch zwei Jahre gemeinsam, wobei das 0:0 im bislang letzten Gastspiel der Hanseaten beim FCCZ das einzige Unentschieden überhaupt zwischen beiden Mannschaften im Ernst Abbe Sportfeld war!

 

Seit jenem 23.Oktober 1993 sind mehr als 13 Jahre vergangen, obwohl der letzte Auftritt des F.C. Hansa im Jenaer Stadion noch nicht einmal drei Jahre zurückliegt. Im Rahmen des Liga-Pokals erreichten die Rostocker ein 1:1 gegen Bayer Leverkusen, schieden dann allerdings nach Elfmeterschießen aus. Seinerzeit, im Juli 2004, trennten F.C. Hansa und FC Carl Zeiss noch drei Spielklassen, doch während die Hansa-Kogge ein Jahr später in die 2.Bundesliga abstieg, katapultierten sich die Thüringer mit zwei aufeinander folgenden Aufstiegen nach achtjähriger Abstinenz zurück in den Profi-Fußball.

 

Dort kämpfen die Jenaer, in deren Reihen mit Ronald Maul und Fiete Sykora zwei Ex-Hanseaten stehen, nun aber gegen den Abstieg. Dabei hatten die Thüringer zunächst einen relativ guten Saisonstart erwischt. Nach fünf Spieltagen waren sie noch ungeschlagen, wobei ein 3:2 Heimsieg über Tabellenführer 1.FC Köln, der seinerzeit noch 12 Punkte aus den ersten fünf Spielen geholt hatte – also nur diese eine Partie verlor – herausragte. Am 10.Spieltag ließen die Jenaer noch einmal aufhorchen, als sie die erste Mannschaft waren, die beim 1:1 im Hinspiel einen Punkt aus dem Ostseestadion mitnahm. Insgesamt ging es jedoch in der Tabelle bergab. Trainer Heiko Weber blieb zwar im Amt, dafür musste der Ex-Rostocker Olaf Holetschek seinen Managerstuhl räumen.

 

Mit diversen, in der Winterpause verpflichteten Neuzugängen hat sich die Jenaer Mannschaft wieder etwas stabilisiert, rangiert in einer reinen Rückrundentabelle nur einen Rang und einen Punkt hinter dem F.C. Hansa. Zuletzt holte der FC Carl Zeiss ein 0:0 in Koblenz und steht in der „richtigen" Tabelle mit Rang 14 gerade noch über dem ominösen Strich, hat aber auch nur einen Punkt Vorsprung auf die direkten Verfolger Rot-Weiß Essen und SpVgg Unterhaching, die zudem ein besseres Torverhältnis haben. Es könnte also sehr eng werden im Schlussspurt der Saison, so dass sich die Thüringer zu Hause, wo sie bislang auf eine ausgeglichene Bilanz verweisen können, möglichst keinen Ausrutscher mehr erlauben dürfen. Doch auch der F.C. Hansa muss – nach zuletzt drei Unentschieden in Folge – am kommenden Freitag ab 18 Uhr im Jenaer Ernst Abbe Sportfeld wieder einen dreifachen Punktgewinn anstreben. Eine interessante Partie scheint im insgesamt 65.Meisterschaftsspiel zwischen den beiden Traditionsmannschaften also vorprogrammiert.

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