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16.04.2007 15:52 Uhr

Interview mit Stefan Studer - „Träumen dürfen nur die Fans…“

Der Frühling ist da, die Saison 2006/2007 dem Ende nah. Drei Viertel des Fußballjahres liegen hinter uns. Die Bundesliga ist auf der Zielgeraden, Aufstieg und Abstieg sind in allen drei Profiligen spannend wie nie zuvor. Der Zweitligist F.C. Hansa Rostock hat nach zwei Jahren Unterhaus die Chance, wieder in die Beletage des Profifußballs aufzusteigen, rangiert auf einem Aufstiegsplatz. Über Chancen und Ziele sprachen wir mit Stefan Studer, dem Lizenzchef des F.C. Hansa Rostock.

 

Herr Studer, wie nah ist für den F.C. Hansa die Bundesliga?

Stefan Studer: Wir sind auf einem Aufstiegsplatz und haben das Ziel vor den Augen. Es gibt aber noch sieben Mannschaften, die das gleiche Ziel haben. Nur, wir gehören zu den drei Mannschaften, die aus eigener Kraft das angestrebte Ziel erreichen können. Dies ist ein großer Vorteil. Dies zwingt uns aber auch immer wieder zu höchster Konzentration.

 

Wie beurteilen Sie die Leistungen der Jungs in der Rückrunde?

Stefan Studer: Zunächst muss man feststellen, dass wir eine hervorragende Hinrunde gespielt haben, die im deutschen Fußball gewissermaßen einmalig ist. Das hat natürlich auch hohe Erwartungen geweckt. Uns war bewusst, dass man so eine Serie nicht gleich wiederholen kann. Verletzungen und Gelbe Karten musste man ja auch immer wieder einkalkulieren. Doch die Mannschaft hat bislang in der Rückrunde immer zum richtigen Zeitpunkt die Big-Points gesetzt. Dazu zähle ich zum Beispiel die Spiele gegen Fürth (1:0), Lautern (1:1), Duisburg (2:1) und den 2:1-Sieg in Jena. Dies waren wichtige Punkte! In diesen Phasen hat unsere Mannschaft gezeigt, wie präsent sie in dieser 2. Liga ist. Wir haben die unmittelbare Konkurrenz auf Distanz gehalten.

 

Haben Sie an diese Entwicklung von Beginn an geglaubt?

Stefan Studer: Im Sport gibt es Sieg und Niederlage. Damit muss man umgehen können. Der Aufstieg ist ein Kampf über 34 Spieltage, Rückschläge einkalkuliert. Wir wussten, dass es auf dem weiten Weg auch Stolpersteine und Niederlagen geben wird, wie wir sie gegen Aue oder Freiburg nun einmal kassiert haben.

 

Trotzdem hat die Mannschaft noch einmal eine zweite Serie gestartet?

Stefan Studer: Das ist richtig. Die Serie ist sicher nicht so spektakulär. Aber sie geht jetzt über acht Wochen und zeigt, dass man auch mit Unentschieden das eigene Konto stärken kann. Den großen Einbruch, den viele erwartet haben, den gab es jedenfalls nicht. Und wir gehen davon aus, dass dies so bleibt.

 

Welche Spieler haben Ihnen denn eine besonders erfreuliche Leistungskurve aufgezeigt?

Stefan Studer: Mit Zafer Yelen und Kai Bülow haben sich zwei Spieler in die U21-Nationalmannschaften der Türkei und Deutschlands gespielt. Amir Shapourzadeh oder Djordjije Cetkovic machten wichtige Tore, Tim Sebastian und Marc Stein haben sich weiterentwickelt. Diese jungen Kerle machen uns schon Freude. Dahinter steckt sehr harte Arbeit. Aber das alles reicht noch nicht. Wir wollen noch mehr vorankommen. Das sind Momentaufnahmen. Wir müssen weiter viel investieren, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.

 

Wie meinen Sie das?

Stefan Studer: Die Rahmenbedingungen für uns sind doch klar: Wir können uns nicht auf dem Niveau wie Bremen, Hertha oder auch Köln bewegen. Unsere Maßstäbe sind Mainz, Aachen und Freiburg. Wir können nicht aus dem Vollen schöpfen. Wir müssen unseren eigenen Weg gehen, so wie wir das schon einmal über zehn Jahre in der Bundesliga getan haben. Mit viel Leidenschaft, mit neuen eigenen Wegen, mit eigenen Investitionen.

 

Wie stellen Sie sich das vor?

Stefan Studer: Wir können nicht wild einkaufen, wir müssen  fleißig ausbilden. Wie im Fall Tim Sebastian, der kam aus der B-Jugend. Wie im Fall Kai Bülow, wie im Fall Marcel Schied. Das ist unsere Schiene. Es gibt für uns keine andere Alternative.

 

Darum ist es auch wichtig, dass A- und B-Jugend in der Bundesliga spielen und die Amateure demnächst der neuen Oberliga angehören?

Stefan Studer: Genau: Diese Jungs brauchen schon im Jugendbereich eine gute Ausbildung und Wettkämpfe auf höchstem Niveau mit den  besten Konkurrenten. Sie müssen sich schon in ihren Altersklassen mit Hertha, dem HSV, Wolfsburg, Hannover u.a. bzw. in der vierthöchsten Spielklasse als junge Spieler messen, um sich langsam an das hohe Niveau anpassen zu können. Da ist es erfreulich, dass die Amateurabteilung die selbst abgesteckten Ziele nach jetziger Sicht erfüllen kann. Die A- und die B-Jugend werden in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen. Das ist ganz wichtig für unsere Zukunft.

 

Der DFB und die DFL fordern ja auch die so genannten Local-Player als Pflicht in den Lizenzunterlagen. Was hat es damit auf sich?

Stefan Studer: Momentan brauchen wir davon vier Spieler, im nächsten Jahr sechs und in zwei Jahren acht. Wir haben damit aber nach Lage der Dinge in unserem Verein auf Zukunft kein Problem. Wir brauchen beispielsweise momentan drei Spieler im Profikader, die zwischen dem 15. und 21. Lebensjahr für mindestens drei Spielzeiten für unseren Club spielberechtigt waren. Mit Tim Sebastian, Marcel Schied, Martin Pohl und Kai Bülow haben wir sogar vier. Dazu haben brauchen wir drei Spieler, die zwischen dem 15. und 21. Jahr für mindestens drei Spielzeiten im Bereich des DFB spielberechtigt waren. Da haben wir Hartmann, Rydlewicz , Beinlich, Langen und Rahn. Für die nächste Zeit haben wir auch hier keine Probleme.

 

Der Brasilianer Gledson wird nach zwei sehr guten Jahren den Verein verlassen. Ist das nicht eine bittere Niederlage für den Verein?

Stefan Studer: Es ist ein Verlust, aber keine Niederlage. Wenn Stuttgart, Dortmund und Hannover mit uns in einen Wettbewerb um einen Spieler eintreten, haben wir keine Chance. Da müssen wir die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse akzeptieren. Da hat der Spieler auch keine Pfiffe verdient. Seien wir doch mal ehrlich, auch zu anderen Zeiten sind Spieler, die sich bei uns etabliert haben, zu größeren Vereinen gegangen. Da waren Stefan Beinlich, Rene Schneider, Jonathan Akpoborie, Victor Agali oder Martin Pieckenhagen irgendwann nicht mehr zu halten. Es gibt für uns so auch keinen Grund, Gledson jetzt zu verdammen. Man muss sich einfach davon lösen, dass ein Spieler heute zehn oder 20 Jahre das gleiche Vereinsenblem auf seinem Trikot trägt. Im übrigens ist die Tür für Gledson nicht zu…

 

Wie sieht es denn momentan überhaupt mit den auslaufenden Verträgen aus?

Stefan Studer: Tim Sebastian ist per Option für die Bundesliga bis 2008 gebunden. Marc Stein und Amir Shapourzadeh sind per Option bis 2008 für Bundesliga und 2. Liga gebunden. Mit Mathias Schober, Martin Pohl, Kim Madsen und Michael Hartmann sowie Marcel Schied laufen die Gespräche seit Wochen. Den Brasilianer Diego Morais, der erst im Winter zur Rückrunde kam, können wir im Sommer für drei Jahre verpflichten.

 

Haben Sie denn schon neue Spieler im Auge?

Stefan Studer: Wir schauen uns natürlich immer auf dem Markt um. So haben wir uns auch um Thomas Kleine aus Fürth bemüht, aber gegen Hannover haben wir mit unseren Mitteln keine Chance.

 

Cheftrainer Frank Pagelsdorf spricht immer wieder davon, Hansa müsse der beste Ausbildungsverein Deutschlands sein?

Stefan Studer: Ja, wir sind ein Ausbildungsverein, der ab der B-Jugend schon seine Spieler auf die Bundesliga vorbereiten muss. Jungs wie Felix Kroos, Tobias Jänicke, Tom Buschke, Stephan Gusche oder Tommy Grupe. Wir durchforsten auch die unteren Ligen. Mit Patric Klandt, Tobias Rathgeb oder Enrico Kern haben wir Spieler aus der Regionalliga geholt. Auch junge, unbekannte Spieler wie Djordjije Cetkovic oder Diego Morais stehen für unsere Form der Ausbildung und des Scoutings. Fertige Spieler zu verpflichten wird bei uns die Ausnahme bleiben.

 

Wie beurteilen Sie das Leistungsniveau des deutschen Fußballs?

Stefan Studer: In allen drei obersten Spielklassen gibt es eine Spannung und Leistungsdichte nach oben und unten, wie man sie noch nie im deutschen Fußball erlebt hat. So kann man heute in allen Richtungen wirklich keine Prognosen  abgeben. Aber das ändert nichts an unseren Zielen. Und die haben wir klar formuliert. Wir wollen zum dritten Mal in der Vereingeschichte in die Bundesliga aufsteigen. Gelingt das, hätten wir in unserer wirtschaftlichen Lage etwas ganz Außergewöhnliches erreicht. Aber ich sage es noch einmal: Dazu sind auch außergewöhnlich gute Leistungen nötig. Dazu sind Siege nötig. Dazu ist Begeisterung und Leidenschaft sowie Disziplin und Konsequenz notwendig. Denn erreicht haben wir bislang noch nichts. Träumen dürfen nur die Fans…

 

Sie sind jetzt zehn Monate im Dienst. Haben Sie sich in der Funktion als Lizenzchef ebenso schnell assimiliert wie die Mannschaft auf dem Weg in die Bundesliga?

Stefan Studer: Nach einem Monat waren meine Familie und ich hier schon Rostocker. Da gab es keine Probleme. Ich konnte mich ja auf die Unterstützung der Familie voll verlassen, sonst wäre ich gar nicht erst gekommen.

 

Kommt Ihre Frau mit den Kindern auch ins Stadion?

Stefan Studer: Ja, meine Frau, meine Tochter Antonia und vor allem mein Sohn Moritz sind glühende Hansa-Fans und bei Heimspielen immer im Stadion.

 

Vielen Dank für dieses Gespräch und alles Gute für die verbleibenden Spiele.

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