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30.04.2011 10:57 Uhr

Jens Dowe: Für die Lizenz wurde ich verkauft…

Am nächsten Mittwoch, dem 4. Mai, wird in der DKB-Arena die „Rückkehr der Helden“ gefeiert. Auf den Tag genau 20 Jahre zuvor machte der F.C. Hansa Rostock mit einem 3:1-Sieg gegen Dynamo Dresden die Meisterschaft perfekt und feierte damit den bis heute größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Einer der Helden von damals ist Jens Dowe, der heute die B-Junioren des Vereins in der Bundesliga Nord/Nordost trainiert. Wir trafen uns mit „Jenner“ in der Trainer-Kabine.
 
Hallo Jenner, bist Du fit für das Traditionsspiel?
 
Dowe: Ich stehe jeden Tag auf dem Platz und trainiere jetzt sogar mit meinen ehemaligen Mitspielern  einmal die Woche. Ich denke schon, dass ich den Fans noch was fürs Auge bieten kann. Ja, ich bin fit für den 4. Mai.
 
Wie kam es denn, dass ihr damals Meister und Pokalsieger des NOFV werden konntet?
 
Dowe: Wir waren eine technisch gute, taktisch disziplinierte und kämpferisch stabile Mannschaft. Wir spielten schon viele Jahre zusammen und ist nach der Wende keiner von uns in den Westen gegangen. Wir waren wir. Dazu kam Uwe Reinders. Es passte einfach alles. So haben wir ja zum Beispiel auch mal 14 Spiele am Stück nicht verloren. Es war einfach eine geile Truppe, es war Stimmung im Team. Spaß war auch immer dabei.
 
Gab es für Euch damals schon Westgeld für den Doppelsieg?
 
Dowe: Der damalige Präsident Robert Pischke zahlte damals tatsächlich schon etwas Westgeld aus. Das motivierte natürlich auch. Aber entscheidend waren die Harmonie und die Geschlossenheit.
 
Gab es keine Probleme?
Dowe: Doch es gab eins. Wir waren so früh durch in der Meisterschaft, dass es wohl noch ca. sechs Wochen bis zum Pokalendspiel in Berlin dauerte. Reinders musste diese Brücke für uns bauen, die Anspannung hoch halten. Aber auch das haben wir geschafft. Wobei es eine magere Kulisse in Berlin gab, so 7000 Fans. Alle anderen wollten eigentlich schon nur noch Bundesliga sehen…
 
Als gebürtiger Rostocker wolltest Du eigentlich nie aus Rostock weg. Warum bist Du dann doch gegangen?
 
Dowe: Ich wurde gewissermaßen gegangen. Der Verein musste mich 1994 verkaufen, weil man sonst die Lizenz nicht bekommen hätte. Also bekam der F.C. Hansa eine Million Mark von München 1860. Ich war weg und Hansa hatte die Lizenz. Auch mein Kollege Olaf Bodden musste ja auf diesem Weg den Verein verlassen.
 
Sonst wärst Du nie aus Rostock weg?
 
Dowe: Nein, niemals. Ich war, ich bin und werde immer Rostocker sein.
 
Aber nach Hansa hast Du dann ja noch viele Vereine erlebt?
 
Dowe: Ja, ja. Nach zwei Jahren München bin ich spät zum HSV gewechselt und habe mich voll verwechselt. Trainer Felix Magath und ich passten nicht zusammen. Er sah aus meiner Sicht die Spieler als Roboter und das hat jetzt nichts mit der Schalke-Diskussion zu tun. Ich wollte damals nur weg. Ich hatte auch ein Angebot von Schalke, aber man konnte damals nicht zweimal in einer Saison in einem Land wechseln. Also ging ich nach England. Ich wurde nach Wolverhampton ausgeliehen. Aber auch das war ein Missgriff. Die brauchten für ihren Fußball auf der Insel einfach keine Mittelfeldspieler….
 
Wann wurdest du dann wieder glücklich?
 
Dowe: Erst in Österreich, das passte, da bin ich dann sogar noch einmal mit Sturm Graz Pokalsieger geworden.
 
Und dann holte Dich Hansa noch mal zurück?
 
Dowe: Ja, 1997 bin ich wieder zu Hause angekommen. Meine geilste Zeit. Ich könnte ja eigentlich nun in beiden Teams spielen. Aber ich werde in der Meistermannschaft spielen.
 
Wann hast Du Deine Karriere beendet?
 
Dowe: 2005 in Neustrelitz.
 
Inzwischen bist Du Trainer der B-Junioren und hast in Deinem ersten Jahr als Übungsleiter der 15- und 16-Jährigen einen Mittelfeldplatz in der Bundesliga Nord/Nordost inne?
 
Dowe: Ja, Juri Schlünz hat mich in sein Team geholt, ich habe erst mit Jürgen Decker, unserem Co-Trainer von 1991, die C-Junioren betreut, später bei Roland Kroos die B-Junioren. Jetzt bin ich selbst verantwortlich.
 
Wie läuft es?
 
Dowe: Es ist ein großer Unterschied zwischen Männer- und Nachwuchsfußball. Die Jungs wollen geführt werden, sie wollen sich was abschauen, man sollte alles vormachen können. Viele haben auch Flausen im Kopf oder die Pubertät spielt mit. Man muss fordern und fördern.
 
Welches ist das Ziel?
 
Dowe: Der Klassenerhalt. Der Tabellenplatz ist die eine Sache, die Ausbildung ist die andere. Unsere Arbeit muss im Profifußball ankommen. Wir als Verein müssen selbst gut ausbilden, um nicht teuer kaufen zu müssen. Das ist schwierig, aber A- und B-Junioren-Jahrgänge der jüngsten Vergangenheit zeigen, es kann funktionieren. Trybull, Weilandt, Jensen, Jordanov, Brinkies, Quaschner oder Synwoldt sind dafür gute Beispiele.

 

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