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23.11.2011 13:59 Uhr

Joachim „Schuppe“ Fischer: Es ist fünf vor zwölf!

Aus Sicht des Fanbeauftragten, der natürlich auch Fan ist:

Ich habe diesen Weg als Fanbeauftragter selbst gewählt und muss mit den Umständen und negativen Begleiterscheinungen, die dieser Job so mit sich bringt, leben und umgehen können. Das fällt mir gerade in diesen Tagen wirklich nicht leicht. Ich versuche, immer loyal mit meinen Mitmenschen umzugehen, ob es nun im Fanbereich, im Verein, mit den Sicherheitsleuten oder der Polizei ist.

Gerade in einer Zeit, wo es sportlich nicht so gut läuft, wird man aber immer wieder eines Besseren belehrt.  Alle sind extrem angespannt und suchen nach Gründen, warum es denn nicht so läuft, wie man möchte. Dabei vergessen sehr viele die Umgangsformen, die ein Miteinander erst möglich machen. Genau das bekommen Hansa und auch ich gerade mit voller Wucht zu spüren. Hansa Rostock als zu melkende Kuh, wo jeder mal ans Euter möchte und auch darf. Nur, wenn man die Zitzen abreißt, hält das auch die stärkste Kuh nicht aus und sie wird eines Tages sterben. Dann klatschen alle Beifall und bejubeln den vermeintlichen Erfolg. Aber die Kuh ist tot und eine andere nicht in Sicht.

Ich möchte genau das verhindern und leg mich dafür auch gerne mal mit allen Beteiligten an. Damit meine ich nicht nur die Fans. Nicht nur, weil ich gerne Fanbeauftragter bin und auch Geld dafür bekomme, nein, ich mache das auch, weil ich meinen Verein seit Jahrzehnten in mein Herz geschlossen habe und genau das auch so bleiben soll. Meinen Job, meine Jahreskarte, meinen Stehplatz und mein Banner kann mir vielleicht weggenommen werden, aber nicht mein Stolz, Hansafan zu sein.

In den letzten Jahren habe ich mit fast allen geredet, die etwas mit unserem Verein in irgendeiner Weise zu tun haben. Jetzt ist aber Schluss mit Reden. Unser Verein steht am Scheidepunkt und das sollte jedem bewusst sein. Schluss mit den Versprechen, den Schuldzuweisungen und den Heucheleien oder jeglicher Doppelmoral. Die Selbstdarstellung darf nicht mehr im Mittelpunkt stehen, sondern der Zusammenhalt zum Erhalt unseres Vereins.
Soll denn unser Verein weiterhin der Prellbock für alle sein? Wer erhebt endlich mal sein Wort oder die Hand gegen die, denen der Verein einen Dreck wert ist. Gegen die, denen alles scheißegal ist und die vor nichts zurückschrecken. Stattdessen gibt es noch Applaus von den anderen. Das Stadion gehört uns allen und nicht nur ein paar wenigen, die denken, sie haben es selbst gebaut. Gebaut haben es die Rostocker und sie wenden sich so langsam ab von unserem Verein. Sie haben die Schnauze voll von dem Drumherum und interessieren sich schon lange nicht mehr dafür, wie das Spiel ausgeht, sondern denken nur, hoffentlich ist das Spiel bald vorbei und alle haben wieder ihre Ruhe.

Vorbei die Zeit, als alle, wie auch immer, zum Stadion fahren konnten. Heute muss man erst in die Zeitung schauen, damit man weiß, wie man zum Stadion gelangen kann. Traurig, aber wahr. Rostocker und Hansafans, kämpft um euern Verein. Kommt ins Stadion und erhebt euer Wort für Hansa. Der Verein gehört zu Rostock wie der Teepott zu Warnemünde.  Lasst ihn euch nicht wegnehmen.

Es ist fünf vor zwölf.

Joachim „Schuppe“ Fischer
Fanbeauftragter des F.C. Hansa Rostock e.V.

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