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10.03.2011 08:35 Uhr

Jubiläumsspiel - Steffen Baumgart: Beim ersten Aufstieg war ich noch Polizist

Am 4. Mai 2011 feiert der F.C. Hansa Rostock in der DKB-Arena den NOFV-Meistertitel von 1991 mit einem Spiel zwischen der damaligen Meistermannschaft und einem Team der Hansa-Legenden. Hier die Truppe um Juri Schlünz, dort eine Mannschaft um spätere Publikums-Lieblinge wie Stefan Beinlich oder Steffen Baumgart. Wir sprachen mit „Baumi“ über dieses Spiel.
 
Steffen, wie hast Du den entscheidenden Sieg des F.C. Hansa seinerzeit erlebt?
Baumgart: Ich war damals als Fußballer beim PSV Schwerin und bei der Bereitschaftspolizei. Mein Kollege Steffen Benthin, der später auch für Hansa kickte, und ich gehörten damals zufällig zu jener Hundertschaft, die im Ostseestadion für die Sicherheit der Dresdner Fans zuständig war. Es war eine Zeit, da dachte ich gar nicht daran, dass ich selbst mal unten auf dem Rasen stehen und für Hansa spielen würde. Ich erlebte also die letzten Tage der DDR als Polizist und bin dann im Sommer nach Aurich, wo ich eine Lehre machte, ehe mich Frank Pagelsdorf 1994 nach Rostock holte.
 
Du bist später selbst ein Publikums-Liebling in Rostock geworden. Siehst Du Dich auch als eine Legende?
Baumgart: Nein, ich bin keine Legende. Ich bin aber einer von jenen Rostocker Fußballern, die eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit bei Hansa hatten. Ich wäre auch gerne länger in Rostock geblieben, aber das hat nicht sollen sein…
 

Du warst schon bei Paules Abschiedsspiel dabei. Wie stehst Du zu solchen Spielen?
Baumgart: Paules Abschiedsspiel war ein tolles Erlebnis, was Besonderes. Insofern hoffe ich, dass viele Hansafans zu diesem Spiel kommen und ein neues Spektakel erleben.
 
Bist Du fit für dieses Match?
Baumgart: Damals war ich fit. Ich weiß nicht, ob ich diesen Standard heute noch habe. Ich muss für diese Partie also noch etwas mehr trainieren.
 
Wie sieht Dein Leben neben dem Fußball heute aus?
Baumgart: Es teilt sich in Sport und Arbeit. Ich spiele als Stürmer noch beim Brandenburger Landesligisten SV Woltersdorf 1919, trainiere zweimal die Woche. Bin Trainer im Verein meines Sohnes in Berlin-Köpenick, der dreimal die Woche ran muss. Ich plane, in den nächsten zwei Jahren meinen Fußball-Lehrer zu machen und bin Mitinhaber einer Firma. Dazu bin ich ja Familienvater und habe drei Kinder.
 
Wie beurteilst Du aus der Ferne die Leistungen der aktuellen Mannschaft?
Baumgart: Anfangs hielt ich die Ergebnisse für Eintagsfliegen. Jetzt hat sich vieles positiv herauskristallisiert. Die Mannschaft kam von Null auf 100. Da steckt vom Präsidenten Bernd Hofmann, Manager Stefan Beinlich und Trainer Peter Vollmann viel Arbeit drin, die ich sehr schätze. Ich hoffe nur, der Mannschaft wird das von außen nicht kaputt gemacht…
 
Die Reinders-Truppe war die erste, die den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Du bist zusammen mit Leuten wie Stefan Beinlich ein zweites Mal mit Hansa aufgestiegen. Welcher Aufstieg war da schwieriger?
Baumgart: Die erste Aufstiegsmannschaft war eine reine Rostocker Mannschaft. Profifußball westlicher Prägung war Neuland. Die Truppe hatte eine hohe Spielkultur und hat unter Reinders das Kämpfen gelernt. Zu meiner Zeit kam ein Frank Pagelsdorf und der hatte schon Spieler, die den Profifußball kannten. Er brachte gute Leute zusammen, von denen plötzlich Leute wie Ehlers, Rehmer, Schneider oder ich in den Fokus des DFB kamen. Dazu hatten wir aus der alten Truppe Heiko März, Hilmar Weilandt, Jens Kunath und Daniel Hoffmann dabei. Das alles war die Grundlage für zehn Jahre Bundesliga. Hansa hat es wie Cottbus verstanden, mit Fleiß und Engagement aus wenig viel zumachen. So hat man lange in der Bundesliga bestanden und war beliebt in ganz Deutschland.
 
Man trifft Dich mit der Familie noch oft in Rostock, hängt Dein Herz noch an Hansa?
Baumgart: Ich bin Rostocker und werde immer Rostocker bleiben. Das ist meine Heimat. An Hansa hänge ich so, wie ich an Union und Cottbus hänge. Ich freue mich, wenn sich meine ehemaligen Vereine erfolgreich in den höchsten Spielklassen  durchkämpfen und ein sportlich positives Bild abgeben. Womit ich nicht klarkomme, ist die Tatsache, dass die Fans meiner ehemaligen Vereine sich am Rande des Spiels so benehmen, dass sie ihrem Klub schaden und die Fans sich untereinander die Köpfe einschlagen müssen. Diese Fankultur steht im krassen Gegensatz zu dem, was diese drei Teams sportlich leisten.
 
Gibt es bei den drei Aufstiegen des F.C. Hansa eine gemeinsame Formel?
Baumgart: Es war immer ein Neuanfang, ein Beginn mit Pauken und Trompeten. So erhoffe ich es mir auch für die Zukunft. Allerdings natürlich ohne die Pleiten, die teilweise selbst organisiert und völlig unnötig waren, wenn man etwas mehr Realitätssinn und Demut gezeigt hätte.

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