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20.08.2007 15:43 Uhr

Juri Schlünz „Hansa ist für die Jugend eine 1A-Adresse“

Juri Schlünz – sein Name ist ein Stück F.C. Hansa. Juri begann mit sechs Jahren als Steppke bei den Hanseaten. Er war Kapitän des letzten DDR-Meisters und Pokalsiegers. Juri führte Hansa als Kapitän in die erste Bundesliga Saison. Schlünz war dreimal Cheftrainer des Bundesligisten. Seit dem 1. Juli 2007 gehört der Diplomsportlehrer aus Satow zum vierköpfigen Vorstand des Vereins, verantwortet seither als Nachwuchs-Vorstand die Jugend-Abteilung des Vereins. Wir sprachen mit dem Rostocker Fußball-Idol.

 

Hallo Juri, wie ist Ihnen der Wechsel vom Trainingsplatz der C1-Junioren auf den Bürosessel in der Hansa-Geschäftsstelle bekommen?

Juri Schlünz: Gut. Aber ich habe nicht die Absicht, an meinem Schreibtisch zu kleben. Ich werde immer nah an den Mannschaften sein.

 

Werden Sie selbst noch auf dem Trainingsplatz stehen?

Juri Schlünz: So direkt ist das eigentlich nicht vorgesehen. Aber im Rahmen unseres DFB-Projekts, bei der Förderung unserer Auswahlkandidaten, die vormittags trainieren, werde ich – wenn Not am Mann ist – mir auch Fußballschuhe und Trainingsanzug anziehen.


Welche Philosophie haben Sie zum Jugend-Fußball?

Juri Schlünz: Hansa ist eine 1A-Adresse. Dies ist für uns Trainer und Pädagogen eine große Verpflichtung, mit der sich viel Verantwortung verbindet. Junge Fußballer sollen bei uns Spaß und Freude am Spiel haben, sie sollen wachsen, sich entwickeln, sich fordern und gefördert werden. Es geht darum, unseren Verein von unten auf eine breite Basis zu stellen. Wir haben erfahrene Trainer, die Jahrgang für Jahrgang die Jungs nach oben entwickeln sollen. Unsere guten Bedingungen gilt es, voll auszuschöpfen. Unser Ziel ist es, jedes Jahr mindestens einen Jungen der Profiabteilung zuzuführen. So wie uns das in den letzten Jahren mit Spielern wie Tim Sebastian, Marc Stein, Kai Bülow, oder mit Amir Shapourzadeh und Zafer Yelen gelungen ist. Auch die Tatsache, dass wir mit Toni Kroos einen Spieler haben, der jetzt beim FC Bayern München spielt, zeigt, dass wir ein guter Ausbildungsverein sind. Da gilt es, die Arbeit meines Vorgängers Bernd Ziemer erfolgreich fortzusetzen.


Welche Rolle spielt der F.C. Hansa für die DFB-Mannschaften, wer gehört momentan zu den Auswahlteams in den einzelnen Altersklassen?

Juri Schlünz: Wir haben einige Talente, die im Fokus des DFB stehen.  In der B-Jugend sind das Felix Kroos und Florian Brüggmann. Dazu kommen aus der bishgerigen C1-Jugend, meiner ehemaligen Mannschaft, noch Tommy Grupe sowie Davis Klak. Auch Ben Zolinski und Tom Weilandt konnten sich bei den DFB-Sichtungslehrgängen in den Vordergrund spielen. Darüber hinaus haben wir in unseren Landes-Jugendauswahl-Mannschaften in jedem Jahrgang Jungs, von denen wir uns einiges versprechen. Einer von ihnen ist Johannes Brinkies, ein talentierter Torwart in der C-Jugend.


Wo liegen momentan die Schwerpunkte in der Nachwuchs-Arbeit des Vereins?

Juri Schlünz: Ausgangspunkt ist die Eliteförderung des DFB, die Sportdirektor Matthias Sammer so aktiv fordert und fördert. Uns geht es um eine ideale Symbiose zwischen Sport und Schule, zwischen Leistungssport und guter gesellschaftlicher Ausbildung. Wir stellen hohe sportliche Anforderungen, legen aber auch immer Wert auf eine gute pädagogische und schulische Ausbildung.


Wie gut ist im bundesdeutschen Maßstab die Nachwuchs-Abteilung des F.C. Hansa?

Juri Schlünz: Ich denke, nimmt man die letzten fünf Jahre als Maßstab, liegen wir mit unseren Mannschaften von A- und B-Jugend im vorderen Mittelfeld. Außerdem war die Nachwuchsarbeit beim F.C. Hansa Rostock immer gut. Dieser Tradition fühle ich mich nun als Nachwuchs-Vorstand selbstverständlich verpflichtet. Das ist eine schwere, aber auch sehr schöne Aufgabe.

Was macht Ihnen solchen Spaß am Nachwuchs-Fußball?

Juri Schlünz: Ich bin ein Kind des Vereins, habe hier mit sechs Jahren begonnen. Mit 20 Jahren habe ich mein Sportstudium an der DHfK begonnen. Mit 26 Jahren habe ich es abgeschlossen, immer mit dem Ziel, mal selbst Kinder und Jugendliche zu betreuen. Bevor mich Ewald Lienen dann zum Co-Trainer der Bundesliga machte, war meine erste Trainerstation die Betreuung der B-Jugend. Für mich war die Bundesliga immer genau so wichtig wie die Jugend-Ausbildung. Ich habe da nicht unterschieden. Insofern hatte ich auch nie Probleme, von den Profis wieder zu den Jugendspielern zu gehen.


Auffällig ist, dass Sie mit Jürgen Decker und Jens Dowe zwei bekannte ehemalige Spieler des Vereins als Jugendtrainer für Hansa reaktiviert haben.

Juri Schlünz: Es ist nur logisch, wenn man gute Leute mit einem großen Herzen für den F.C. Hansa an den Verein bindet. Da war es natürlich, solche Leute wieder an die Basis zu holen. Auch die Integration von Ex-Nationalspieler Michael Hartmann sollte man an dieser Stelle nicht vergessen…

 

Auffällig ist, dass seit Ihrer Amts-Übernahme viel Wert auf Disziplin und Ordnung gelegt wird, die Nachwuchsspieler – so weit es geht – in einheitlicher Sport-Kleidung auftreten….

Juri Schlünz: Ein einheitliches Handeln fordert doch ein einheitliches Bild. Was wir machen können, machen wir jetzt. Sicherlich hat der Aufstieg uns da materiell ein wenig geholfen. Aber ich sage es ehrlich, auch wenn Sponsoren in unserer Gegend dünn gesät sind, ich wünschte mir, wenn der eine oder andere aus dem Mittelstand der Region die eine oder andere Jugendmannschaft von uns auf seine Art unterstützen würde. Ich bin jedenfalls seit meinem ersten Arbeitstag unterwegs, solche Sponsoren zu finden und jeder kann sich bei mir melden, der uns helfen möchte. Dieses Engagement ist gut angelegtes Geld!

 

Was tut der Verein für die individuelle Ausbildung der talentiertesten Spieler?

Juri Schlünz: Die erfolgt in der Regel im Einzel- und Gruppentraining. Im Rahmen des DFB-Projekts werden die Jungs außerdem von Trainern des 1. LAV auf Sprintfähigkeit und Schnelligkeit ausgebildet. All das findet Beachtung, fruchtet bei den Jungs.

 

Wie viele Menschen arbeiten überhaupt für die Nachwuchs-Abteilung?

Juri Schlünz: Der gesamte Stab, der sich um unsere Mannschaften kümmert, beträgt 48 Mitarbeiter. Davon sind sechs hauptamtliche Trainer an den Teams ganz nah dran. Der größte Teil der Leute arbeitet dabei engagiert ehrenamtlich. Diese  Übungsleiter und Betreuer sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir arbeiten mit dem Sozialpädagogen Thomas Engels, der für die Spieler rund um die Uhr da ist. Wir haben Physiotherapeuten für die A- und B-Junioren, die Amateure und die Nachwuchsteams. Jede unserer elf Mannschaften hat zwei Trainer und einen Mannschaftsleiter.


Hansa arbeitet mit einem Jugend-Internat, das bundesweit geschätzt wird und hat einen Sozial-Pädagogen für die Jungs angestellt. Läuft das so alles optimal?

Juri Schlünz: Es stimmt, unsere Möglichkeiten, unsere Ausbildung, unsere Erfolge finden allerorts große Beachtung. Das spürt man auch in Gesprächen mit den Eltern, die ihre Söhne bei uns vorstellen. Wir haben hier mit dem Gymnasium, der Realschule und dem Internat tolle Bedingungen. Ziel ist es, die besten Talente aus Mecklenburg-Vorpommern zu uns zu holen. Diesbezüglich haben wir in Greifwald, Schwerin, Neubrandenburg oder Stralsund gute Partner. Wir können mit unseren Nordrivalen heute ebenso mithalten wie mit den Berlinern oder den Cottbusern. Es ist ja kein Zufall, dass wir auch vor dieser Saison wieder Jungs aus Schleswig-Holstein, aus Thüringen, Berlin und Brandenburg bekommen haben. Wir sind eine gute Adresse im Jugendfußball.

 

Wie wichtig ist es, dass die Amateure in der neuen Saison einen Platz unter den ersten drei Teams belegen?

Juri Schlünz: So wie wir Talente in der Jugend manchmal schon eine Klasse höher spielen lassen, so ist es wichtig, dass unsere Amateure nach den neuen DFB-Strukturen in der vierten Spielklasse ab der Saison 2008/2009 spielen. Dafür müssen wir Dritter werden. Und das ist Anreiz und Ansporn für die Jungs, die jetzt im Kader stehen.

 

Welchen Tipp können Sie Eltern geben, wenn Sie aus Ihren Söhnen erfolgreiche Spieler machen wollen?

Juri Schlünz: Jeder Bursche kann auf dem Bolzplatz oder am Strand ganz individuell an sich arbeiten. Überall gibt es Vereine. Bei uns kann man sich übers Internet fürs Probetraining anmelden. Voraussetzung ist natürlich schon eine gewisse Klasse. Aber niemand sollte sich vor Rückschlägen scheuen. Wille und Ziel sind wichtige Dinge, die man abstecken muss. Jeder sollte sich merken: Das optimale Lebensregime eines Sportlers ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere.

 

Welche Ziele haben die beiden Junioren-Bundesliga-Mannschaften in der A- und B-Jugend?

Juri Schlünz: Die B-Junioren sind bei der Premiere der Bundesliga Nord dabei. Die A-Junioren sind Fünfter geworden. Das sind Platzierungen, die wir auch in Zukunft anstreben. Das Potential ist da. Die Anstrengungen, gut abzuschneiden sind vorhanden. Die Wahrheit liegt jetzt auf dem Platz.

 

Cottbus und Potsdam haben schon Eliteschulen des DFB. Wann bekommt Rostock so einen Titel für eine Partnerschule des F.C. Hansa verliehen?

Juri Schlünz: Ich bin hoffnungsfroh, dass wir in absehbarer Zeit auch in Rostock eine Eliteschule des DFB haben werden…


Vielen Dank für das interessante Gespräch und viel Glück im neuen Aufgabengebiet.

 

 

 

 


 

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