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14.09.2010 16:17 Uhr

Kevin Pannewitz im Portrait: Ein Youngster sucht noch seinen Weg

Kevin Pannewitz – mal begeistert er die Fans und Fachleute, mal verzweifeln seine Trainer und Mitspieler an ihm.
„Panne“ und die Achterbahn der Gefühle.
Mal ist er im Blickpunkt von DFB-Trainern, dann in den negativen Schlagzeilen. Man merkt es dem Youngster nach seinem Einstand in der Profi-Elf der 2.Liga 2009/2010, dem Abstieg in die 3. Liga und dem Meistertitel mit den A-Junioren im Sommer 2010 an, da sucht ein junger Spieler noch seinen Weg vom Talent zum anerkannten Profi.

In jedem Fall ist dieser Kevin Pannewitz ein Beispiel für die konsequente Nachwuchsförderung und die Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs- und Männerbereich beim F.C. Hansa Rostock.
Wie Felix Kroos (heute Werder Bremen II),  Stephan Gusche, René Lange, Tobias Jänicke, Lucas Albrecht und Kevin Müller fand 2009/2010 mit dem 18-jährigen Mittelfeldspieler abermals einen Teenager aus der Nachwuchsakademie des F.C. Hansa den Weg nach oben.
Kevin kickte sich jedenfalls im Eiltempo aus der A-Junioren-Bundesliga über die Amateur-Mannschaft innerhalb von nicht einmal einem Monat im Herbst 2009 in die Profi-Elf.
Am 1. Juli 2008 kam Kevin Pannewitz von Tennis Borussia als Jugendspieler an die Ostsee. Am 2. November debütierte der gebürtige Spandauer im Nord-Derby F.C. Hansa Rostock gegen FC St. Pauli (0:2) im weiß-blauen Trikot mit der Kogge auf der Brust in der Rostocker Profi-Mannschaft.

Schon der einstige Jugendleiter Bernd Ziemer hatte Pannewitz als 13-Jährigen auf dem Zettel. Damals wollte Kevin jedoch noch nicht aus Berlin raus. Juri Schlünz, Leiter der Nachwuchsakademie  und die Hansa-Trainer Roland Kroos und Michael Hartmann wagten aber im Sommer 2008 noch einmal einen Vorstoß in die Hauptstadt und lotsten Kevin schließlich doch noch zum F.C. Hansa.
Trainer Roland Kroos: „Ich hätte Kevin gerne früher bei uns gesehen. Aber es hat ja noch geklappt.“
Trainer Michael Hartmann: „Er ist ein guter Einzel- und ein wertvoller Mannschaftsspieler mit Durchschlagkraft.“
Der einstige Hansa-Trainer Andreas Zachhuber: „Kevin ist mir in der Nachwuchsabteilung schnell aufgefallen. Man merkte, für sein Alter ist er schon sehr weit. Es machte Sinn, ihn über das Jahr 2010 an den Verein zu binden.“
So wie einst Marc Stein und wie vor allem auch Zafer Yelen ist Kevin Pannewitz aus dem Berliner Fußball hervorgegangen, kam von Tennis Borussia nach Rostock.
Insbesondere zwischen Kevin und Zafer gibt es viele Parallelen. „Zafer ist wie ich ein Straßenfußballer gewesen. Ich habe schon mit drei Jahren gegen den Ball getreten. Auch Zafer hat beim SV Normannia 08 gespielt und kam dann von Tennis Borussia nach Rostock. Wir sind beide Mittelfeldspieler - er als offensiver, ich als defensiver Akteur“, sagt Kevin Pannewitz und fügt hinzu: „Zafer und ich haben uns beide über die 2. Mannschaft in den Blickpunkt unserer Cheftrainer gespielt.“ So wie einst Stein und Yelen hatte auch Pannewitz Angebote mehrerer Bundesligisten. „Mein Bauch hat gesagt, Kevin, geh nach Rostock, dort steht das richtige Sprungbrett für dich.“

„Mit drei, vier Jahren bin ich in Reinickendorf zu Normannia 08 gegangen. Mit sechs Jahren zum Frohnauer SC, wo ich in der D-Jugend gespielt habe. Die C-Jugend habe ich ein Jahr beim Nordberliner SC verbracht, ehe ich bei Tennis Borussia ab der B-Jugend Bundesliga gespielt und um die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gekickt habe. Na und dann bin ich eben zum F.C. Hansa gewechselt“, beschreibt Kevin Pannewitz seinen bisherigen Weg als Fußballer.
Kevin Pannewitz hat bis heute seinen Weg von Berlin nach Rostock nicht bereut, gab für den Fußball eine Ausbildung als Sport- und Fitness-Kaufmann auf.

Wie erlebt so ein junger Spieler sein Debüt bei den Profis? „Schon beim Fördertraining und den Übungen mit den Profis hatte ich gemerkt, hier ist mehr Tempo und Härte drin. Hier musst du dich strecken. Aber ich habe das als Herausforderung angenommen. Als dann auch noch der damalige Trainer Andreas Zachhuber andeutete, ich könne eventuell zum Einsatz kommen, war die Anspannung natürlich da. Nord-Derby, 20000 Zuschauer, Flutlicht, Debüt, da kam ja alles zusammen. Ich war happy, ich war stolz, ich war euphorisch. Spieler wie Martin Retov, Tim Sebastian und Kai Bülow haben mich gemeinsam symbolisch in den Arm genommen, mir das erste Spiel leicht gemacht. Leider haben wir die Partie jedoch verloren. Ausgerechnet ich hätte ja der Mannschaft damals mit einem Tor zum Sieg verhelfen können. Deshalb dachte ich am Ende nur: So eine Sch…!“

Da tröstete es Kevin Pannewitz auch nicht, dass seine Eltern diesen Einstand von der Tribüne aus verfolgten und das Premieren-Trikot bekamen. „Ich hatte mich schon vor dem Spiel beim Zeugwart erkundigt, ob man das Jersey behalten darf. Als Andreas Thiem mir dafür grünes Licht gab, war für mich sicher, dieses Hemd bekommen meine Eltern. Sie waren ja auch extra zu diesem Spiel aus Berlin angereist. Ich habe das Hemd am Ende meiner Mutter aus Dankbarkeit für die große Unterstützung geschenkt, die sie mir auf dem Weg zu diesem Tage gegeben hat. Es war aber auch ein Dank an meinen Vater, der mich sechs Jahre bei Normannia trainiert hat und mit Christian Pohl einer meiner ersten Übungsleiter war.“
Mit diesem Spiel hatte Kevin Pannewitz auch seine Brüder überholt, von denen er dies sagt: „Mein 19-jähriger Bruder Nico ist vielleicht talentierter als ich gewesen. Aber er ging lieber auf die Straße, ich auf den Fußballplatz. Heute spielt er beim Frohnauer SC. Mein elfjähriger Bruder Nico ist beim Glinicker SV, hat die Zukunft noch vor sich.“

Der Akteur mit der Rückennummer 8 (Vorgänger war Djordjije Cetkovic in diesem Hemd) hat bis heute zwei „Sechser“ als Vorbilder. Früher bewunderte Kevin den Hallenser Dariusz Wosz (Bochum/Hertha). Heute schwärmt er von Nationalspieler Michael Ballack (Chelsea London).
Fragt man Kevin nach seinen Stärken, dann nennt er das Kopfballspiel, die Ruhe am Ball und den Spielaufbau. Aber er sagt auch: „In der Handlungsschnelligkeit und in der Beweglichkeit muss ich mich noch verbessern.“
„Meine Entwicklung hat plötzlich und unerwartet ganz schnell einen für mich optimalen Lauf genommen. Die Spiele in der Junioren-Bundesliga, meine Tests beim Fördertraining, mein Einsatz in der zweiten Mannschaft und der Einstand bei den Profis -  manchmal musste ich mich zwicken, ob es Traum oder Wirklichkeit ist. Wenn ich momentan aufwache, dann weiß ich aber auch: Kevin, du hast noch nichts erreicht, stehst am Anfang, hast noch alles vor dir…“
Kevin blieb im Sommer 2010 nicht viel Zeit, groß nachzudenken. Dem Abstieg mit den Profis in die 3. Liga folgte der Titelgewinn unter Trainer Michael Hartmann mit den A-Junioren gegen Bayer Leverkusen (1:0).

In der Spielzeit 2009/2010 kickte Kevin 16 Mal in der Profi-Elf und wurde dazu acht Mal in der Regionalligamannschaft eingesetzt. Für das Finale um die Deutsche Meisterschaft reaktivierte ihn der Verein noch mal für die erfolgreiche A-Jugendelf.
Mit Beginn der Saison 2010/2011 überlegte Kevin, zum SV Werder Bremen II zu wechseln, aber Trainer Peter Vollmann und Manager Stefan Beinlich zeigten dem jungen Burschen auf, wo sein Weg ist, in Rostock. Allerdings musste er sich auch so manches hartes Wort anhören, da er es mit der Disziplin des Leistungssports auf und neben dem Platz nicht immer so genau nahm.
Sozialpädagoge Thomas Engels steht ihm im Alltag im Hansa-Internat jedenfalls mit Rat und Tat zur Seite.

„Er hat eine sehr gute Technik, ist mutig und übernimmt Verantwortung", sagt Trainer Peter Vollmann. Im Zweikampfverhalten müsse sein Schützling sich indes noch verbessern.
Kevin sieht seine Zukunft an der Ostsee positiv: „Wir als Mannschaft wollen das Thema Abstieg 2010 so schnell wie möglich hinter uns lassen. Es geht ja auch um Arbeitsplätze, da trägt man auch Verantwortung. Der Trainer legt ganz besonderen Wert darauf, dass wir uns als Team präsentieren. Jeder muss für den anderen da sein. Dann kommt auch irgendwann der Erfolg. Ich habe schon in der Vorbereitung gesehen, dass wir eine gute Truppe haben. Die Stimmung ist ganz anders als in der Vorsaison. Durch unseren guten Start ist eine Euphorie entstanden, die Fans ziehen mit. Es macht wieder richtig Spaß."

 


 

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