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19.10.2009 12:24 Uhr

Kevin Schlitte: Der Tischler am Flügel

Welcher Junge träumt nicht von der großen Profi-Karriere? Sicher, Kevin Schlitte kennt auch diese Geschichten.Nur, Kevins Begeisterung für den Fußball hat ihm nie die Realität über das wirkliche Leben vernebelt.

Früher war es erst die Schule, dann der Sport; später die Lehre, dann der Fußball. Danach der Job, dann die Kickerei. Heute ist Kevin Schlitte Möbel-Tischler und Fußballprofi. Aber er sagt: „Die Karriere eines Fußballers ist schön, jedoch kurz. Da war es meiner Familie wichtig, dass ich was Richtiges gelernt habe.“

Kevin sitzt mit Freundin Jennifer Knoth und dem gemeinsamen Söhnchen Vincent in der DKB-Arena. Er hat an diesem Tag ein Problem mit der Bandscheibe und fiebert notgedrungen auf der Tribüne mit den Jungs unten auf dem Rasen mit. „Für mich war immer klar, Fußball ist schön, aber ein gelernter Beruf als soziales Netz fürs Leben ist wichtiger.“

Kevin stammt aus Sachsen-Anhalt, aus Haldensleben. Klassenkameraden in der Clara-Zetkin-Schule haben ihn damals mit zu „Medizin“ geschleppt und so spielte er fortan im Verein. In der B-Jugend hat er sogar in der Landesauswahl gekickt, zwischendurch jedoch auch mal „die Bank gedrückt“. Doch Fußball blieb Fußball.

Mit 16 Jahren begann Kevin eine Lehre als Tischler in Magdeburg. Drei Jahre lang verbrachte er den Tag in der Werkstatt. Am Abend war Training in Haldensleben. Mit 17 Jahren holte ihn der ehemalige Hansa-Oberligatrainer Claus Kreul als A-Jugendlicher in die 5. Liga zum Haldenslebener SC. Kevins Sponsor war damals sein Arbeitgeber: „Tino-Tischler“-GmbH-Chef Stephan Grabinski. 

Als plötzlich Ex-DDR-Nationalspieler Frank Lieberam Kevin als Flügelflitzer für Lok Halberstadt in der 4. Liga wollte, stand wieder die Frage zwischen Fußball und Beruf. „Mein Boss hat mich damals für ein Jahr freigestellt und gesagt: Junge probiere es, wenn es nicht klappt, kommst du wieder her. Nur dies gab mir die Sicherheit, es mit dem Fußball zu probieren.“

Mit diesem Tag hatte der Meister den Lehrling an den Fußball verloren. Kevin machte schnell auf sich aufmerksam. Probetraining bei Hansa, Probetraining in Jena. Auch hier entschied sich der Schwarzschopf für den Spatz in der Hand, statt der Taube auf dem Dach. „Beim FC Carl Zeiss sah ich die größere Spielchance. In Rostock hätte ich mich damals als Nobody ganz hinten anstellen müssen“, sagt Kevin. Die Stationen danach sind bekannt, Zweijahresvertrag in Freiburg, nun drei Jahre in Rostock.

Seit Sommer 2009 sind Kevin, Jennifer und Vincent nun vereint an der Ostsee. Kevin kickt für den F.C. Hansa, Jennifer hat sich als Sozialpädagogin an der Fern-Uni in Hagen eingeschrieben. Die drei wohnen jetzt glücklich in Niex-Kavelsdorf. Kevin lacht: „Für einen Möbel-Tischler ist so ein Umzug kein Problem. Tisch, Stuhl, Schrank – das alles kann ich noch…“

Schlitte und Hansa, da ist Kevin sicher, das passt. „Hansa hat sich intensiv um mich bemüht. Ich bin gekommen, um mit dem Verein wieder dahin zu kommen, wo er hin gehört.

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