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30.11.2005 16:04 Uhr

Legende Werner Voigt: Der „harte Hund“ räumte auf!

Die Geschichte des F.C. Hansa (S.C. Empor) ist auch die Geschichte seiner Trainer. Hinter jedem steckt ein Fußball-Lehrer, der in über 50 Jahren zur Rostocker Legende wurde. Einer der Trainerlegenden ist Werner Voigt. Die Chronisten schrieben die letzten Jahre der DDR… Der F.C. Hansa avancierte immer mehr zu einer Fahrstuhl-Mannschaft, mal oben, mal unten. Mal Liga, mal Oberliga.
Mit Claus Kreul (1.7.1985 bis 30.6.1986) und Werner Voigt (1.7.1986 bis 30.6.1990) hatte der DTSB der DDR den Hanseaten zwei „harte Hunde“ an die Ostsee geschickt. An ihrer Seite stand jeweils der heutige A-Junioren-Trainer Gerald Dorbritz als Co-Trainer.
Kreul, der von Titeln und Pokalen träumte, sonnte sich nicht länger als ein Jahr an der Küste und verantwortete den fünften Abstieg aus der DDR-Oberliga. Er wurde am 26.5.1944 in Erlbach geboren, kickte einst im sächsischen Karl-Marx-Stadt und bei Wismut Aue (84 Oberligaspiele/2Tore), war Trainer in Gera, Cottbus und Magdeburg, ehe er in Rostock anheuerte und bevor er erfolglos zum DFV der DDR nach Berlin wechselte. Man warf ihm später sinnlose Konditionsbolzerei, unrealistische Zielstellungen sowie eine Portion Selbstdarstellung vor und machte ihm zum Vorwurf, sich von den älteren Spielern zu langsam gelöst zu haben. Aber am schlimmsten war der Abstieg.
Der Mann für die Scherben kam stattdessen aus der Hauptstadt: Werner „Pico“ Voigt.
Der neue Klubvorsitzende und spätere „Wende-Präsident“ Robert Pischke hatte Voigt schon im April 1986 für die neue Saison geheuert.
Aber was hatten die „Fischköppe“ doch für Vorbehalte gegen die „Boulette“. Voigt, am 26.6.1947 geboren, stammte aus Niederlehme, kam über Königswusterhausen 1964 zum BFC Dynamo, absolvierte 18 Spiele, galt als Talentausbilder und sagte gerade älteren Spielern an der Ostsee der Genügsamkeit und der Bequemlichkeit den Kampf an.
„Voigt kam aus der alten, harten BFC-Schule und hat durchgezogen“, erinnerte sich Juri Schlünz später einmal. Robert Pischke gab dann die Vorlage für neue Zeiten: „Wir haben jedem freigestellt zu gehen, wer blieb, für den war jetzt Disziplin angesagt…“
Die Erinnerung des damals jungen Heiko März: „Voigt hat hier mächtig aufgeräumt.“ Werner Voigt brachte mit Arthur Ullrich und Torsten Zander zwei BFC-Spieler mit, integrierte junge Eigengewächse wie Röhrich, März, und Kruse und holte den Oberliga-Absteiger tatsächlich aus der Agonie.
Noch als DDR-Ligist rückte der Berliner mit Hansa ins FDGB-Pokalfinale (1:4 gegen den 1. FC Lok Leipzig) ein, stieg auf, marschierte als Oberliga-Vierter in den UEFA-Pokal. „Sie haben mich in Rostock nicht mit offenen Armen empfangen, aber mit jedem Erfolg, den wir feierten, nahmen die Vorbehalte und der Schmerz unserer Trainingsarbeit ab. Ich hatte immer Prinzipien und die habe ich eingehalten. Disziplin stand bei mir an erster Stelle. Halbherzigkeiten mochte ich nie. Ich habe tatsächlich auch viel Schnellkraft trainieren lassen, von jedem mehr denn je ein Kämpferherz gefordert und den Jungs wie Jarohs, Schulz, Schlünz die Freiheit zum Fußball spielen trotzdem gelassen.“
Dann kam der Mauerfall. Voigt hatte „vier erfolgreiche Jahre hinter sich“ und keine rosige Zukunft vor sich. Politisch kribbelte es schon, auch im Fußball. „Viele hatten eine große Fresse und träumten von Bundesligaverträgen. Jeder war tatsächlich athletisch und technisch gut ausgebildet und taktisch geschult. Aber ich sagte, was soll die Spinnerei. Bleibt zusammen und steigt gemeinsam auf.“
Für das letzte Oberliga-Jahr aber wollte man den Trainer Werner Voigt nicht mehr. Für die Bundesliga sollte ein Mann mit Bundesliga-Erfahrung her.
Dietrich Kehl schlug Uwe Reinders vor. Und der kam…
Voigts Frau Petra wurde zu der Zeit in der Sportmedizin Rostock auch arbeitslos und Sohn Kai hatte als Maschinen- und Anlagenmonteur seine Lehre auf dem Schiff beendet.
Der 1. FC Union in persona von Präsident Kallweit  bot Voigt unterdessen nun einen neuen Job in Berlin an, auch für seine Frau und den Sohn. „Das war Argument genug. So übergab ich eine komplett funktionierende Mannschaft, die zusammenblieb. Das war die Fahrkarte in die Bundesliga, zu Meisterschaft und Pokalsieg im letzten Jahr der DDR. Ich habe es mit Wehmut und Freude verfolgt. Im späteren Aufstieg steckte schließlich auch ein Stück meiner Arbeit, denn die Grundlagen hatten wir noch gemeinsam gelegt…“
Später trainierte Voigt auch den FC Berlin, Dynamo Dresden und arbeitete nochmals beim 1. FC Union. Als Retter sollte er dort den Abstieg in die 4. Liga verhindern. Er schaffte es nicht und verließ den Verein in Richtung Lichtenberg 47 (5.Liga). Aus Konsequenz…

 

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