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27.11.2006 08:37 Uhr

Lizenzchef Stefan Studer: Teamarbeit wird groß geschrieben!

Am 1. Juli 2006 übernahm der einstige Hansa-Spieler Stefan Studer als Chef der Lizenzspieler-Abteilung die Aufgabe als Manager des Vereins in Rostock und trat damit die Nachfolge seines zurückgetretenen Kollegen Herbert Maronn an. Nach dem ersten Drittel der Saison und den ersten fünf Arbeitsmonaten sprachen wir mit dem einstigen Bankkaufmann aus Jork.

 

Herr Studer, acht Jahre haben Sie für die Hypovereinsbank gearbeitet, nun in Rostock einen Neuanfang gemacht. Wie ist er Ihnen bekommen?
Studer: Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und ich habe eine neue Herausforderung gefunden. Mir ist der Wechsel gut bekommen. Ich habe mich schnell eingelebt – ich hatte ja auch die ganze Zeit immer Kontakt zum Verein. Im Nachhinein war dies sicherlich gut für eine schnelle Integration. Ich bin hier mit sehr viel Herzblut dabei.

 

Wie viele Stunden verbringen Sie im Verein?
Studer: Wir haben hier wirklich keine Banköffnungszeiten. Mein Job beginnt um acht Uhr morgens und ich bin bis abends auf der Geschäftstelle.

 

Kümmern Sie sich dabei nur um die Profis?
Studer: Aus meinem Fenster kann ich ja den ganzen Tag auch die „Mannschaft“ hinter dem Team sehen. Ich schaue mir die Amateure, unsere A-Junioren-Bundesliga und die B-Junioren an. Man muss perspektivisch denken. Ich weiß, was bei uns heranwächst.
15 Spieler des Profikaders sind bei Hansa bis 2008 oder länger gebunden.

 

Ist das dann ein leichtes Arbeiten?
Studer: Damit haben wir natürlich eine gewisse Sicherheit. Vor kurzem haben wir Christian Rahn und Zafer Yelen langfristig gebunden. In Abstimmung mit Trainer Frank Pagelsdorf werden wir die Zukunft jener Spieler klären, deren Verträge bei uns im Sommer auslaufen. Wir werden unsere Fühler nach Perspektivspielern ausstrecken, uns dabei aber in unserem finanziellen Rahmen bewegen.

Tatsache ist, dass Hansa eine sehr junge Mannschaft hat…
Studer: Ja, das sehe ich positiv: 10 Spieler haben in den letzten beiden Jahren den Sprung aus dem eigenen Hause in die Profi-Abteilung geschafft. Mit Yelen, Stein, Bülow, Schied, Sebastian, Shapourzadeh, Pohl  haben wir tatsächlich Jungs um die 23 Jahre, die sich im Kader einen festen Platz erarbeitet haben. So stelle ich mir eigene Jugendarbeit auch vor. Wichtig war, dass die Jungs ihr Herz in die Hand genommen und ihre Chance genutzt haben. Mit Patric Klandt haben wir einen dritten Torwart, der auch noch in diese „Jugendbrigade“ passt.

 

Wem muss man diese Entwicklung anschreiben?
Studer: Ich denke, in unserem Hause wird Teamarbeit sehr groß geschrieben. Bei uns bestimmt der Dialog die Arbeit. Wir sind eine kleine Führungsmannschaft, die auf engem Raum arbeitet, wo die Türen offen stehen und aktuelle Fragen schnell diskutiert und die Probleme schnell bearbeitet werden.

Macht diese Arbeit in dieser momentanen Situation besondere Freude?
Studer: Natürlich lebt es sich im Erfolg einfacher. Es wird hart, konzentriert und effektiv gearbeitet. Die Früchte können wir einstweilen ernten. Aber das ist eine Momentaufnahme. Nichts ist so gut, dass es nicht besser werden könnte. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir müssen uns von Spiel zu Spiel stabilisieren und verbessern.

 

Sie haben aber schon gesagt, Sie sehen eine Entwicklung der Mannschaft?
Studer: Ja, die sehe ich. Sowohl die Mannschaft als auch einzelne Spieler haben sich weiterentwickelt. Das Verhalten der Spieler ist authentisch, sie wirken hungrig und ehrgeizig, wollen  lernen und etwas erreichen. Du spürst, dass sie ein Ziel haben und sie merken, dass sie sich entwickeln – bei Hansa!

 

Wann haben Sie das gemerkt?
Studer: Ein Knackpunkt war das Trainingslager in Kühlungsborn. Da hat man schon gespürt, hier wächst was heran. Die Mischung in der Mannschaft stimmt und es hat sich eine Hierarchie herausgebildet. Das ist für eine Mannschaft ganz wichtig. Vor allem dann, wenn es mal nicht so laufen sollte. Vom Kapitän bis zum Zeugwart habe ich bei uns das Gefühl, dass einer für den anderen da ist. Es gibt ein Kollektiv und keinen Starkult. Auch das Umfeld arbeitet leidenschaftlich an der Operation Rückkehr in die Bundesliga.

Da wollen ja alle hin…

Studer: Ja, man spürt diese Sehnsucht und man spürt diese Freude, dahin zu kommen. Erinnern Sie sich an das Spiel in Fürth oder beobachten Sie die Mannschaft nach Toren und Siegen. So etwas ist Leidenschaft pur. Da ist alles ehrlich und nichts gekünstelt.

 

Klingt alles so nach Friede, Freude, Eierkuchen…?
Studer: Nein, nein. Freude schließt bei uns ja Kritik nicht aus. Es ist ja nicht so, dass wir über jeden Punkt oder jeden Sieg nur jubeln. Die Partien gegen Babelsberg, Burghausen oder Jena haben auch Schwächen gezeigt.

 

Hansa wurde lange unterstellt, mit minimalem Aufwand maximale Wirkung zu erzielen?
Studer: Das finde ich ungerecht, das sehe ich auch anders. Was ist schlecht an einem 1:0-Sieg. Diese Effektivität hätten doch andere auch gern. Schauen Sie auf die Tabelle. Wir haben die wenigsten Gegentore in der Liga, wir gehören zu den vier, fünf torgefährlichsten Mannschaften. Von Woche zu Woche verbessern wir diesbezüglich unsere Statistiken.

 

Die Rotation des Trainers in Paderborn hat schon für viel Wirbel gesorgt…
Studer: Diese englische Woche hat uns sieben Punkte gebracht. Sie hat gezeigt, wir haben mehr als elf gute Spieler.

 

Wie ist das bei Hansa, wo liegt das Geheimnis?
Studer: Trainingsintensität schafft Wettkampfintensität. Trainer Frank Pagelsdorf hat eine Gruppe um 25 Spieler, die auch eine gewisse Ausgeglichenheit hat. Weil das so ist, können momentan bei uns auch mal zwei Jungs raus, zwei andere kommen rein, ohne dass man jammern oder weinen muss. Keiner kann nachlassen. Jeder muss unter der Woche ranklotzen. Manchmal sind es Nuancen, die es dem Trainer dann schwer machen, den einen oder den anderen aufzustellen. Es ist die Geschlossenheit, die uns momentan stark macht. Dieser Teamgeist ist sensationell.

 

Apropos Frank Pagelsdorf. Hat er sich zu jener Zeit, als Sie unter ihm trainiert haben, verändert?
Studer: Nein, überhaupt nicht. Der Trainer geht seinen Weg. Er macht zusammen mit Timo Lange und Perry Bräutigam ein gutes Training und arbeitet sehr engagiert.

 

Wie ist denn die Resonanz auf die gegenwärtige Tabellenlage?
Studer: An der Tankstelle oder bei der Manager-Tagung kriegt man schon nette Worte zu hören. Die einen wollen uns schnell wieder in der Bundesliga sehen, andere erzählen mir, dass sie Spaß an unseren Erfolgen haben.

 

Sie beobachten alle Spiele immer von der Tribüne aus, warum eigentlich?
Studer: Von oben hat man eine andere Perspektive und kann ein Spiel anders beurteilen.

 

Wo sehen Sie Hansa am Saisonende?
Studer: Mit Duisburg, Lautern, Köln und zwei weiteren Mannschaften sehe ich uns um die Plätze 1 bis 6 kämpfen.

 

Abschließend vielleicht noch ein Wort zur Amateurabteilung…
Studer: Die zweite Mannschaft hat sich stabilisiert. Sie ist für uns sehr wichtig, weil hier Spieler, die verletzt waren oder länger nicht gespielt haben, Wettkampfpraxis bekommen können. Dies hat sich bewährt. In unseren A- und B-Junioren stehen die Ausbildung, die Erziehung und die Perspektive der Spieler im Vordergrund. Wichtig sind drei Dinge: 2007 muss unsere zweite Mannschaft sich für die 4. Liga qualifizieren. Die A-Junioren müssen den Klassenerhalt schaffen und die B-Junioren Siebter werden, um nächstes Jahr in der Bundesliga zu spielen.

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