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28.06.2006 09:46 Uhr

Lizenzchef Stefan Studer„Meine Frau hat gesagt, mach es…“

Am 1. Juli 2006 begann beim F.C. Hansa Rostock eine neue Zeitrechung. Der ehemalige Fußballprofi Stefan Studer löst den langjährigen Leiter der Lizenzspieler-Abteilung Herbert Maronn ab, der vor einem Monat mit dem Vorstandsvorsitzenden Manfred Wimmer zurückgetreten war.
Für Hansa-Online gab Stefan Studer vor seiner Amtsübernahme am Wochenende das erste große Interview.

Hallo, Herr Studer, Frank Pagelsdorf hat Sie einst als Spieler nach Rostock geholt. Ist es Zufall, dass der Trainer wieder in Rostock arbeitet und Sie jetzt die Nachfolge von Herbert Maronn als Leiter der Lizenzspielerabteilung antreten?
Stefan Studer: Ja, das ist eher Zufall. Mit Frank hat das weniger zu tun. Obgleich ich ja schon ein Jahr für den Trainer Spielbeobachtungen gemacht habe und wir immer in Kontakt waren. Es war für mich also auch eher überraschend, dass man an mich für die Besetzung dieser Position gedacht hat.

Stimmt es, dass Herbert Maronn Ihnen schon vor einigen Jahren mal angetragen hat, sein Nachfolger zu werden?
Stefan Studer: Sagen wir mal so, vor ca. eineinhalb Jahren hat Herbert Maronn mal in einem unserer vielen Gespräche so etwas in einem Nebensatz erwähnt. Aber dies ist mir erst später wirklich wieder bewusst geworden.

Sie haben als Spieler drei Jahre für den F.C. Hansa gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie heute an diese Zeit?
Stefan Studer: Also diese drei Jahre waren wirklich eine Herzensangelegenheit. Wir hatten sportlich einerseits Erfolg mit dem Erreichen des UI-Cups und andererseits haben wir uns im Abstiegskampf auch bewährt. Es gab Jubel und Tränen, aber als Gemeinschaft haben wir uns immer gut verstanden.

Sie haben damals als Profi zunächst einen Zweijahresvertrag unterschrieben, den noch um zwei Jahre verlängert und dann Ihren Vertrag zurückgegeben, um sich einer neuen beruflichen Aufgabe in der Bank zu widmen. War dieser Abschied aus heutiger Sicht richtig?
Stefan Studer: Also ich bin nicht der Typ der groß zurück blickt, eher immer in die Zukunft schaut. Deshalb nur mal so viel: Im letzten Zweijahresvertrag hatte ich damals eine Klausel, die mir einen fairen Ausstieg aus dem Profifußball ermöglichte, um einen anderen beruflichen Werdegang einzuschlagen. Zu jener Zeit wollte ich mich vom Fußball einfach mal lösen.

Was haben Sie nach dem Abschied aus Rostock eigentlich gemacht?
Stefan Studer: Ich habe den Weg eines Bankkaufmanns eingeschlagen, mich fortgebildet und bin bis zum Freitag, dem 30. Juni 2006, noch als Leiter der Hypo-Vereins-Bank im niedersächsischen Jork tätig

Also haben Sie in diesem Jahr auch keinen Urlaub?
Stefan Studer: So ist es. Aber ich freue mich unheimlich auf meine neue Aufgabe und verspreche mir sehr viel von diesem Job in Rostock. Es ist für mich in meinem Leben nach acht, neun Jahren im Anzug auf der Bank eine ganz neue Herausforderung und eine Rückkehr zu meinen Wurzeln, dem Fußball!

Sie haben eine Bankausbildung und einen Trainerschein. Was ist Ihnen lieber?
Stefan Studer: Beides ist mir gleich lieb und wichtig. Und beides kann ich jetzt für meine Aufgabe als Leiter der Lizenzspieler-Abteilung sehr wohl sehr gut gebrauchen. Da ist die Wirtschaftlichkeit und ökonomische Sicherheit für den Verein auf der einen Seite, dort die sportliche Praxis und Kenntnis der Materie auf der anderen Seite. Meine Vorbildung ist also eine wunderbare Symbiose für meine neue Aufgabe.

Spielen Sie eigentlich noch selbst Fußball?
Stefan Studer: Ich habe mich in den letzten Jahren in Hedendorf-Neukloster bei den „alten Herren“ des VSV fit gehalten – und ob Winter oder Sommer jede Woche einmal auch trainiert…

Sind Sie auch noch anderweitig sportlich aktiv?
Stefan Studer: Ich jogge und spiele gerne Tennis.

Sie haben die Trainerausbildung gemacht. Welche Mannschaft haben Sie denn in den letzten Jahren trainiert?
Stefan Studer: Erst habe ich den VSV Hedendorf-Neukloster in der Bezirksliga, dann den Verbandsligisten TUS Heeslingen in der Verbandsliga Niedersachsen betreut. Nach einem Jahr Pause habe ich dann Spiele und Spieler für den F.C. Hansa beobachtet.

Sie ziehen mit Ihrer Familie von Ihrem Geburtsort Buxtehude nach Rostock. Werden Sie jetzt als Manager des Vereins Hanseat mit Haut und Haar?
Stefan Studer: Ja, korrekt. Ab 1.Juli 2006 wohne ich schon in Rostock-Beselin, bis unser Haus in Biestow fertig wird. Mein Frau und meine Kinder kommen nach ihrem Urlaub dann zum Schulanfang an die Küste.

Als Chef einer Bank haben Sie den sicheren Job mit dem eines Managers getauscht. Warum?
Stefan Studer: Es ist die Liebe zum Fußball, die enge Beziehung zu Hansa, zu dieser Stadt Rostock, zu diesen Leuten. Und es ist mal wieder der Wunsch zur Veränderung. Die Rückkehr zum Fußball wie gesagt. Es gibt diese Möglichkeit in Deutschland nur 36 Mal in der Bundesliga. Und deshalb wollte ich dieses Angebot unbedingt auch annehmen. Mit der Bank habe ich jetzt wirklich abgeschlossen. Es gibt kein Hintertürchen. Mit Haut und Haar bin ich wieder Hanseat!

Haben Sie sich schon mit Ihrem Vorgänger bzw. mit Cheftrainer Frank Pagelsdorf konsultiert?
Stefan Studer: Klar, es gab schon viele Gespräche mit Herbert Maronn und mit Frank Pagelsdorf. Die aktuellen Vertragsabschlüsse haben schon noch Herbert Maronn und Frank Pagelsdorf gemacht. Aber ich war informiert. Und auch die letzten Wochen stand ich mit allen in Verbindung. Ich bin ehrlich froh, dass jetzt diese Doppelbeschäftigung Bank und Sport ein Ende hat und ich mich voll auf meine Aufgabe hier in Rostock konzentrieren kann. Sonnabend bin ich da und dann geht es mit dem ersten öffentlichen Training am Sonntag um 14 Uhr auch schon los. Dann heißt es Ärmel hoch…

Sie gehören als ehemaliger Spieler zu jenen Profis, die nie die Brücken nach Rostock abgebaut haben und in regelmäßigen Abständen auf der Tribüne im Ostseestadion zu sehen waren. Woher rührt diese Verbundenheit, schließlich haben Sie auch bei Traditionsvereinen wie St. Pauli, Eintracht Frankfurt und Hannover gespielt?
Stefan Studer: Es war doch so: Ich wollte damals mit 31 Jahren ja eigentlich meine Karriere in Hannover beenden. Plötzlich trat Frank Pagelsdorf an mich heran, ob ich seiner jungen Mannschaft nicht helfen könnte. Also kam ich und dann spürte ich da so eine Nähe. Ich wollte mir plötzlich noch mal was beweisen. Wir waren damals einige alte Spieler um Perry Bräutigam und mich und dann waren da noch ganz viele junge Kerle. Da sehe ich auch die Parallele zu heute: Zu den Bülows, Sebastian, Pohl usw. Und auf der anderen Seite einen Stefan Beinlich. Diese damalige Aufbauphase, dieses Anpacken, etwas Großes zu schaffen, das hat in mir was ausgelöst, was ich nie vergessen habe. Unsere Leistungen von damals haben doch auch irgendwie dazu geführt, dass heute eine völlig neue Infrastruktur in Rostock entstanden ist. Ich kenne das Ostseestadion noch aus einer Zeit, da sind die Ratten durch die Katakomben spaziert, da gab es Schlackeplätze. Heute steht da ein Schmuckstück, gibt es Rasen- und Kunstrasen, ein Internat, eine Geschäftsstelle, um die uns viele in Deutschland beneiden. Ich habe das die ganzen Jahre verfolgt, war oft in Rostock und habe das zuletzt auch beim 40. Jubiläum dieses Vereins bewundert. St. Pauli war sicherlich etwas Besonderes, irgendwo auch Frankfurt. Aber Rostock das ist wie ein Stückchen Familie.

Sie verantworten jetzt den Profibereich des F.C. Hansa. Fühlen Sie sich da als Neuling im Geschäft oder können Sie von den Erfahrungen als Berufsspieler gleich profitieren?
Stefan Studer: Ich lerne jetzt die dritte Seite des Geschäfts Fußball kennen. Ich kenne den Profifußball aus meiner eigenen Karriere. Das ist fast mein halbes Leben. Ich kenne die wirtschaftlichen Normen eines Betriebes, nun also sitze ich hinter dem Tisch als Manager. In diese Arbeit kann mein Wissen total einfließen. Ich kenne Sieg und Niederlage, Licht und Schatten, Frust und Enttäuschung, Jubel und Trauer. Diese Erfahrung werde ich nutzen und ich werde sie an die Jungs weitergeben.

Wie beurteilen Sie das Spieler-Potential des F.C. Hansa Rostock?
Stefan Studer: Wir haben 23 Spieler im Kader, davon sind sechs Spieler neu. Die Zusammensetzung ist eine gesunde Mischung von etwas älteren Aktiven wie Beinlich, Rydlewicz, Schober und Hartmann sowie hoffnungsvollen Spielern wie Rathgeb, Hähnge, Kern und Hahnel und dann eine große Gruppe junger, hungriger Spieler wie Bülow, Sebastian oder Schied. Hier muss jetzt ganz schnell eine gesunde Hierarchie  entstehen. Jeder Spieler muss für Hansa da sein, von Null Uhr bis 24 Uhr. Wir müssen eine homogene Einheit werden, ein „verschworener Haufen“, der den rechten Weg zum Erfolg findet.

Welche Spielphilosophie vertreten Sie als ehemaliger Fußballspieler heute in diesem Geschäft?
Stefan Studer: Was soll ich da sagen: Natürlich liebe ich attraktiven Fußball. Aber noch wichtiger ist mir erfolgreicher Fußball. Erfolgreich sind wir, wenn wir oben mitspielen, unter die Mannschaften kommen, die auf den ersten sieben Plätzen um die Fahrkarten in die Bundesliga spielen. Aber dazu gehört viel Wille, Leistungsbereitschaft, Disziplin, Hingabe und Charakter. Wir müssen eine Sprache sprechen und unsere Probleme in der Kabine lösen. Da kann man sich alles sagen und alles ausräumen. Draußen müssen die Leute von uns sagen, Mensch, die Jungs haben gerackert, gekämpft, alles gegeben. In ersten Interviews von Kern, Sebastian oder Rathgeb habe ich im „kicker“ auch schon so eine positive Grundstimmung gelesen.

Werden Sie in Zukunft auf der Tribüne oder unten beim Cheftrainer sitzen?
Stefan Studer: Also darüber habe ich mir wirklich noch gar keine Gedanken gemacht. Ich glaube auch, es ist nicht entscheidend wo man sitzt, sondern wie effektiv man arbeitet.

In Rostock haben die Fans Sie wegen Ihrer Nähe zum Fanprojekt und den Anhängern sehr geschätzt. Wie beurteilen Sie die Hansa-Fans und welche Möglichkeiten gibt es für diese, eine gemeinsame Sprache mit Ihnen zu finden…?
Stefan Studer: Also ich hatte tatsächlich immer eine große Nähe zu den Fans. Fans sind das Wichtigste, was ein Verein, eine Mannschaft, was die Spieler brauchen. Schauen Sie auf die Euphorie, die sich in ganz Deutschland auf die Nationalmannschaft übertragen hat. Die Jungs schwimmen auf einer Welle, so eine Begeisterung wird zu einer Herausforderung, so etwas verpflichtet, kitzelt Leistungswillen heraus, schafft Selbstvertrauen, gibt Selbstsicherheit, macht stolz. Diese Entwicklung wünsche ich mir auch von unseren Fans. Wir wollen und wir müssen eine Sprache sprechen. Nur so können wir die Marke Hansa halten, nur so können wir dahin kommen, wo wir schon einmal waren. Ich werde jedenfalls immer ein offenes Ohr für die Probleme der Fans haben und sie intern in unserem Haus hart diskutieren.

Warum soll ein Fan des Vereins in dieser Saison unbedingt ins Ostseestadion kommen?
Stefan Studer: Weil eine junge, hungrige Mannschaft mit Engagement und Leidenschaft auf dem Platz alles für Hansa und für Mecklenburg-Vorpommern geben wird. Davon bin ich 100 Prozent überzeugt. Wir blicken jedenfalls nur noch nach vorn. Alles andere bringt nichts mehr.

Wie war die Rückkehr für Sie nach Rostock, schließlich kennen Sie das Personal noch ziemlich gut. Den Trainer, die Co-Trainer, oder Stefan Beinlich…
Stefan Studer: Es war als sei ich nie weg. Ob Zeugwart Andreas Thiem oder „Onko“ (Alexander Kodera/d.R.), Doc Frank Bartel, die Physios, Wolfgang Holz oder sonst wer, ich bin hier wieder zurück. Und das ist gut so. Ich will viel erreichen und ich hoffe, jeder andere im meinem Umfeld bringt diese Begeisterung für unser Ziel auch mit. Hunger auf Erfolg ist eine große Kraft, Wünsche und Träume in Realität und Siege umzumünzen.

Werden Sie Ihren Sohn beim F.C. Hansa anmelden?
Stefan Studer: Das muss er für sich entscheiden….
Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie für Hansa den Job auf der Bank mit dem am Rasen tauschen wollten?
Stefan Studer: Mach es…

 


 

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