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11.05.2017 10:00 Uhr

RÜCKPASS: HANSA-GESCHICHTE(n): Manni und der Schühler-Lotse

Och ja, Rot-Weiß Erfurt. Mal abgesehen von dem Rostocker Slapstick-Eigentor von vor einem Jahr, das den verdienten Erfolg Hansas gegen die Blumenstädter noch unnötig dramatisierte, dem Traumtor Artur Ullrichs, das vor fast drei Jahrzehnten beim Stand von 0:2 gegen die Hanseaten deren Verfolgungsjagd zum 3: 2-Sieg einleitete und dem im wahrsten Sinne des Wortes krachenden (Gewitter, Blitzeinschlag und Flutlichtausfall) 3:3 im Oktober 1985 gibt es genügend Anekdoten mit beiden Traditionsvereinen.

Stadionsperre! In ihren Eingebungen limitierte Fußballkriminelle versetzten die wahren Rostocker Fans in Schockstarre: Ausschreitungen veranlassten den Deutschen Fußballverband zur drakonischen Strafe. Das Spiel am 28. April 1973 gegen den BFC Dynamo fand in Neubrandenburg statt. Hansa schadete dieses Gastspiel nicht. Im Gegenteil: Joachim Streich hakte mit drei Toren eine Sternstunde für sich ab, Christian Radtke reüssierte als Linksverteidiger und Helmut Schühler vervollständigte mit seinen beiden Treffern zum 5:0 das BFC-Debakel.

Tja, da hatte der Trainer Dr. Horst Saß eine bannig gute Truppe beisammen. Die jungen Wilden und die nach wie vor ehrgeizigen Alten. Ein 1:1 bei Chemie Leipzig (Tor durch Streich, wer sonst?) zwischendurch und dann standen am 12. Mai 1973 die Erfurter ante portas. Die kamen in der Abwehr verletzungsbedingt blessiert (ohne Egel und Laslop) und hatten demzufolge keine Chance. Mit seinen 22 Jahren bewies Streich schon früh seine über die Laufbahn hinweg kolportierte konditionelle Pragmatik und traf quasi aus dem Stand zum 1:0. Nach fünf Minuten kam Erfurt auf die Verliererstraße, drei Minuten später war die durch Schühlers Tor asphaltiert. Als Schühler (nie war er torgefährlicher als in der Saison!) noch vor der Pause das 3:0 markierte, hatten die Blumenstädter längst ihre Waffen gestreckt. Mit Hansas Tempospiel um den überragenden Streich (!) kamen sie nicht zurande. Ein noch 20-jähriger Heißsporn wetzte sich die Hacken ab: Manfred „Manni“ Scharon, 170 Zentimeter großes Energiebündel, rauschte an seinen Widersachern vorbei wie der Wind. Gelotst von Schühler, dem der Wechsel von der Vorstopper-Position ins Mittelfeld offensichtlich gut bekam. Und hätten an jenem Tag die so variabel operierenden Hanseaten ihren Part über 90 Minuten heruntergespielt wären die Blumenstädter eingegangen wie Primeln.

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